Mitgliederzuwachs dank „Sport nach 1“

Immer mehr Vereine leiden unter erheblichem Mitgliederschwund. Zunehmend entdecken viele Vereine aber auch die Möglichkeiten der Mitgliedergewinnung, die eine Kooperation mit einer Schule bietet. Das Konzept „Sport nach 1 in Schule und Verein“ unterstützt solche Projekte seit 22 Jahren.

Das Potenzial von Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen hat das bayerische Kultusministerium bzw. die Bayerische Landesstelle für den Schulsport schon lange erkannt. Bereits seit 1991 zeigen sie sich zusammen mit dem Bayerischen Landes-Sportverband verantwortlich für das Modell „Sport nach 1 in Schule und Verein“. Mehr als 70 verschiedene Sportarten und -bereiche werden an über 200 Schulen unterstützt und gefördert. Mit insgesamt 305 Sportarbeitsgemeinschaften (SAG) und Stützpunkten ist Tennis ganz oben mit dabei. Vereine, die sich für eine solche Zusammenarbeit entscheiden, erhalten zusätzlich zur Vereinspauschale eine SAG-Pauschale, wenn sie eine von „Sport nach 1“ geförderte Kooperation beantragen. Da es sich um eine Schulveranstaltung handelt, sind die Schüler in den SAGs schülerunfallversichert, unabhängig davon, ob diese in der schulischen Turnhalle oder in einem Vereinsgebäude stattfindet. Die Mitgliedschaft der Schüler oder die Anwesenheit des Übungsleiters im Verein sind dabei nicht notwendig, sollten aber langfristig angestrebt werden. Die Erfolgsgeschichten verschiedener Vereine, die dank dieses Konzepts wieder vermehrt Mitglieder gewonnen haben, stellt der Bayerische Tennis-Verband (BTV) auf seiner Homepage vor.
Ein herausragendes Beispiel ist die Geschichte des ESV Treuchtlingen, der mithilfe des „Sport nach 1“-Konzepts die Kinder- und Jugendabteilung im Tennis wiederbeleben konnte und für seinen Erfolg diverse Auszeichnungen erhalten hat. Danach hatte es noch vor knapp sieben Jahren nicht ausgesehen. War die Anlage des ESV während des „Becker-Booms“ noch jeden Tag voll besetzt, legte sich diese Begeisterung mit den Jahren.

Schwierigkeiten bei Mitgliederwerbung

Seit 2000 ging die Zahl der Mitglieder vor allem aus Altersgründen kontinuierlich zurück. Der Verein zog 2006 sogar in Erwägung, zwei seiner sechs Tennisplätze stillzulegen. Wie der Vorsitzende des ESV Treuchtlingen, Günter Grzega, im Gespräch mit RETURNAL erklärte, gestaltete sich die Nachwuchsgewinnung mit den „normalen Angeboten“ eines Vereins sehr schwer. Tage der offenen Tür oder die Bitte an die Mitglieder, selbst Neulinge in ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis zu werben, waren ebenso wenig erfolgreich wie die Verpflichtung von Mitgliedern als regelmäßige Trainer. Herbert Tschepa, aktueller Projektleiter der Schulkooperationen beim ESV, schlug schließlich vor, das Konzept „Sport nach 1“ zu nutzen. Im Zuge dessen kontaktierte der Verein die Leitung der örtlichen Grundschule. Als Ergänzung des Schulsports sollte das Tennistraining mit einem vom Verein gestellten Trainer zu einem festen Nachmittagstermin als SAG angeboten werden. Claus Wagner, Leiter der Grundschule und Präsident des Bayerischen Tischtennis-Verbands, unterstützte den Vorschlag umgehend: „Ja, selbstverständlich machen wir da mit!“

Erste Erfolge stellen sich schnell ein

Das Angebot des Tennistrainings ohne verpflichtende Vereinsmitgliedschaft wurde sehr gut angenommen. Diejenigen, die auch an Wettkämpfen teilnehmen wollten, mussten und müssen dafür dem Verein beitreten, wodurch der ESV zahlreiche neue Mitglieder gewonnen hat. Dies sei laut Grzega auch auf die Verpflichtung von Profitrainern, wie z. B. derjenigen des Ex-Weltmeisters Stefan Eggmayer zurückzuführen. Das Engagement der Trainer und die Einbindung weiterer Mitglieder als Ansprechpartner bei den Trainingsstunden für Kinder und Erwachsene zahlten sich aus: 80 bis 90 Prozent der neu gewonnenen Mitglieder konnte der ESV halten. Zum Vergleich: Die Prognosen anderer Vereine gingen von acht bis zehn Prozent aus.

Auf die Zusammenarbeit kommt es an

Wie Grzega betont, sei es wichtig, dass Eltern, Kinder, der Verein und die Schule in engem Kontakt stehen, „dann ist der Erfolg eigentlich fast unausweichlich“. Aufgrund der positiven Entwicklungen hat der Verein eine ebenso erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Senefelder Schule, einer kooperativen Gesamtschule begonnen. Inzwischen werden mehr als 100 Kinder von vier hauptamtlichen Trainern und Trainerassistenten betreut. Ein Glücksfall für den Verein und die SAGs besteht in der Möglichkeit, im Winter die Sporthalle der Senefelder Schule nutzen zu können, so muss das Training nicht unterbrochen werden. Hauptvoraussetzung für den Erfolg seien allerdings die qualifizierten Trainer, die die Kinder tagsüber trainieren können und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, ferner der ständige Kontakt zwischen allen Beteiligten, nicht nur beim Training, sondern z.B. auch bei Familienfesten. Wenn diese Bedingungen berücksichtigt werden, „dann kann die Sache eigentlich gar nicht schiefgehen. Das bedeutet zwar viel Arbeit, aber der Erfolg ist durchschlagend!“ Dies zeigt sich an der Entwicklung der Mitgliederzahlen des Vereins. Im Jahr 2007 hatte die Kinder- und Jugendabteilung des ESV 23 Mitglieder, in diesem Jahr sind es 86. „Dass Jahr für Jahr die Teilnehmerzahlen steigen, ist man inzwischen bei den Verantwortlichen von Schule und Verein gewöhnt“, so Grzega. Vor dem letzten Wintertraining mussten sogar kurzzeitig Wartelisten angelegt werden, da die Kapazitäten des Trainingsplans nicht ausreichten. Der Verein erfährt die größte Resonanz in der Kinderabteilung seit seinem Bestehen. Von den 16 in diesem Jahr angemeldeten Mannschaften sind elf Kinder- und Jugendmannschaften.
Doch auch der Erwachsenenbereich des Vereins hat sich positiv entwickelt. Zu Beginn bestand die gleiche Problematik wie auch schon bei den Kindern. „Anfangs haben wir die Eltern relativ blauäugig angesprochen, ob sie denn nicht auch Lust hätten Tennis zu spielen.“ Doch ohne feste Trainer und Ansprechpartner brachte diese Strategie keinen Erfolg. Erst die Möglichkeit eines Schnuppertrainings für Anfänger, das von den hauptamtlichen Trainern durchgeführt wurde, fand Anklang. Die Mitgliedergewinnung bei Erwachsenen erweist sich oft als schwieriger als bei Kindern, dennoch fanden sich vor allem einige Eltern, die dieses Angebot wahrnahmen und dem Verein beigetreten sind. Zu den 80 Mitgliedern im Jahr 2006 sind bis zu diesem Jahr über 20 neue hinzugekommen.

Erfolgsrezept: Kooperation!

Der Fall des ESV Treuchtlingen zeigt, dass sich Kooperationen mit Schulen lohnen und sogar auf die Mitgliederzahl im Erwachsenenbereich auswirken können. In Bayern bietet „Sport nach 1“ eine Hilfestellung für Vereine, doch erfolgreiche Kooperationen können auch ohne dieses Konzept begründet werden. In Treuchtlingen haben die enge Zusammenarbeit und auch einige glückliche Umstände zu einem teils enormen Mitgliederzuwachs in allen Bereichen geführt. Zwar fallen die ersten Schritte ohne eine Förderung wie derjenigen von „Sport nach 1“ etwas schwerer aus, doch sie können ebenso erfolgreich sein wie beim ESV Treuchtlingen. ■ Manuela Wolbers

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