Kommunale Interaktion und Kooperation

Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Kooperationsmodelle, die für Sportvereine, Kommunen und Gesellschaft gleichermaßen von großem Nutzen sind. Die möglichen Kooperationspartner sind so zahlreich wie die Vorteile.

Heute wie früher sind Kommune und Sport aufeinander angewiesen. Die Tatsache dass die Sportförderung zu rund 80% von der Kommune finanziert wird, schleichend aus dem Bewusstsein der Menschen verschwindet, frustriert die Kommunen. Die Kürzung von Fördermitteln, die aus der allgegenwärtigen Finanznot resultiert, frustriert hingegen die Sportler. Kooperative Projekte können wertvolle Abhilfe schaffen, doch während Tennisvereine mit anderen Vereinen oder Schulen recht häufig kooperieren (lt. Bundesinstitut f. Sportwissenschaften (BISp) 72% bzw. 68%), bleiben viele andere Kooperationsmöglichkeiten ungenutzt. Bei Kindertagesstätten und Horten, Wirtschaftsunternehmen, Jugendämtern und vor allem bei Krankenkassen (4%) und Gesundheitsämtern (0,7%) sind Tennisvereine (wie auch andere Sportvereine) weniger kooperationsfreudig. Wie vielfältig die Möglichkeiten und Ziele der Zusammenarbeit von Sportvereinen mit unterschiedlichsten Partnern sein können, zeigt sich an den verschiedenartigen Konzepten, die bereits erfolgreich umgesetzt werden.

Prävention

Sportangebote können in vielerlei Hinsicht als Präventivmaßnahmen fungieren. Mitternachtsbasketball hält bspw. in München schon seit vielen Jahren an den Samstagabenden zahlreiche Jugendliche vom nächtlichen ‚Herumhängen‘ ab. In den USA, wo das Projekt Mitte der 80er Jahre startete, hat sich gar eine „Chicago Midnight-League“ etabliert. Zielgerichtet gegen den Alkoholkonsum Jugendlicher rief Hannover in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Fußball-Nationalspieler Per Mertesacker das Programm „Mehr Fun – Weniger Alkohol“ ins Leben. Ein Mischprojekt aus Sport und Workshops zum kritischen Umgang mit Alkohol, das vom Vereinsportal redmark.de als „Musterbeispiel für die Kooperation zwischen Kommune, Sportvereinen und Sponsoren“ gelobt wird. Die AOK Rheinland/Hamburg startete 2011 das kooperative Projekt „Power statt Promille“. Mit einem großangelegten Tanzwettbewerb und begleitender Aufklärungsarbeit wird hier dem Thema Alkohol bei Kindern und Jugendlichen begegnet. Beim SV Alemannia Waldalgesheim lief in Zusammenarbeit mit der Opferschutzorganisation WEISSER RING mit Tennis, Fußball und Jazzdance das Gewaltpräventions-Projekt „Sportler setzen Zeichen – Für eine gewaltfreie Jugend“ an, das nun auf die gesamte Bundesrepublik ausgeweitet wird. Die Organisation setzt gemeinsam mit dem Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) und großen Kampfsportverbänden im kommenden Jahr zum vierten Mal die Mitmach-Aktion „Gewalt gegen Frauen – nicht mit uns!“ bundesweit um.

Integration und Gleichberechtigung

Auch Integrationsvorhaben verschiedener Art werden durch Vereinskooperationen verwirklicht. Die Integration von Migranten etwa kann durch Sport quasi spielend erreicht werden. Denn die Sport-Regeln sind in fast allen Ländern gleich und überwinden daher problemlos sprachliche Barrieren. Die Initiative „Sport integriert Niedersachsen“ bspw. dokumentiert die Integrationsarbeit von Vereinen und gibt neue Denkanstöße, welche integrativen Projekte möglich sind. Zu den Themen „Mehr Mädchen in den Sport“ und „Migrantinnen in den Sport“ kooperiert der TB Cannstatt mit dem Sportkreis Stuttgart; Projekte wie „Bewegung und gesunde Ernährung“ für adipöse Mädchen einer Sonderschule oder Gymnastik & Sprachkurse für Migrantinnen werden hier umgesetzt. Vereine können innerhalb solcher Kooperationen nicht nur etwas für die Gesellschaft und ihr eigenes Image tun, sondern auch zu neuen Mitgliedern kommen und vielleicht das eine oder andere hoffnungsvolle Talent wecken, dass ohnedies unentdeckt geblieben wäre.
In Bad Friedrichshall integrierte der FSV Friedrichshall in Kooperation mit der ansässigen Beschützenden Werkstatt 2009 eine Behindertensportgruppe als feste Abteilung. Den Behinderten verschafft der Sport Bewegungssicherheit, eine bessere Integration in die Gemeinschaft und mehr Lebensqualität. Soziale Integration wird auch durch Kooperationen von Sportvereinen und Arbeitsämtern geschaffen: unter dem Motto „Sport baut Brücken“ wird Arbeitslosen mit dem ehrenamtlichen Engagement in Vereinen der (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben erleichtert. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros setzt sich für ehrenamtliches Engagement älterer Menschen ein und vermittelt ältere Freiwillige in ehrenamtliche Tätigkeiten. Rentner, die z.B. in Vereinen mitarbeiten, bleiben „mitten im Leben“ und die Vereine profitieren von den Erfahrungen der Senioren.

Gesundheit

Die aktuelle Altersstruktur, der allgemeine Bewegungsmangel und der gestiegene Anteil Übergewichtiger in der Bevölkerung stellen triftige Gründe dar, um auf diesem Sektor zusammenzuarbeiten. In Österreich gibt es daher die Initiative „Fit für Österreich“ des Sportministeriums und der großen Sportverbände. Zu den Kooperationspartnern zählen mehrere Großorganisationen des Gesundheitssektors; Vor-Ort-Kooperationen mit Ärzten, Apotheken, Schulen, Gemeinden etc. erweitern Angebot und Nachfrage. Teilnehmende Sportvereine tragen das „Fit für Österreich“-Qualitätssiegel. Mit den selben Zielen läuft in Schwäbisch Gmünd seit 20 Jahren der „Gmünder-Sport-Spaß“, bei dem Öffentliche Hand, Krankenkasse, Kreissparkasse und Sportvereine für den Gesundheitssport kooperieren. Ein Beispiel für positive Wirkungen von Sportverein und Klinik aufeinander gibt die gelungene Zusammenarbeit des TV Belsen mit der Rehabilitationsklinik Sebastiansweiler. Kooperationsprojekte mit Wirtschaftsunternehmen, die die betriebliche Gesundheit fördern, sind ebenfalls eine Chance für Sportvereine.

Sportstätten

Ein weiteres Handlungsfeld für Kooperationen von Sportverein und Kommune stellt der Umweltschutz dar: „Durch die Nutzung erneuerbarer Energien, eine zeitgemäße Wärmedämmung etc. können Kommunen und Sportvereine bei ihren Sportanlagen Effizienzreserven mobilisieren und den Anlagenbestand modernisieren. Bei Sportgroßveranstaltungen können durch attraktive ÖPNV-Angebote und Lenkungsmaßnahmen die Umweltauswirkungen minimiert und die Themen Umwelt- und Klimaschutz kommunikativ positiv gestaltet werden.“ (aus der Kooperationsvereinbarung zw. dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund 2008). Mit dieser Ausgestaltung eines kooperativen Umweltschutzvorhabens sind also Sportstätten und -veranstalungen gleichermaßen angesprochen. Auf dem gleichen Feld bewegt sich auch die kooperative Förderung von Wettkampf- und Leistungssport. Diese umfasst kommunale Programme zur Förderung von Kooperationen von Schulen und Sportvereinen, die für die Talentsuche und -förderung von Bedeutung sind. Sie erstreckt sich aber auch auf die Zusammenarbeit von Kommune und Vereinen in Hinsicht auf Einrichtung, Sicherung und Erhalt von Eliteschulen des Sports, Olympia- und Bundesstützpunkten und weiteren Sportstätten für den Wettkampf- und Leistungssport. Die Vorteile für die Kommunen liegen hier in erster Linie in der Attraktivitätssteigerung der Stadt oder Gemeinde sowohl als Wohnort als auch als Tourismusziel, sowie in den positiven wirtschaftlichen Effekten, die große Sportveranstaltungen mit sich bringen. Vereine profitieren natürlich von Prestige und Bekanntheit ihrer Spitzensportler, aber auch von der kommunalen Unterstützung beim Erhalt der Attraktivität und Funktionsfähigkeit der Trainings- und Wettkampfstätten.

Ein gutes Dutzend toller Effekte für Vereine

Wertvoller Informationstransfer, entlastende Zusammenarbeit, der Austausch von Personal und die gemeinsame Nutzung von Sportstätten im Rahmen von Kooperationen helfen Kosten und Arbeit auf beiden Seiten zu sparen. Miteinander kooperierende Vereine konkurrieren nicht mehr um Mitglieder, sondern können sich inspirieren und optimal abstimmen und so das Angebot für die Sportler attraktiver gestalten. Jede Kooperation offenbart auch Chancen zur Gewinnung von Mitgliedern und ehrenamtlicher Unterstützung. Weitere vorteilhafte Effekte für den Verein sind ein verstärkter Bekanntheitsgrad und eine positive Wahrnehmung in der Bevölkerung. Vereine, die Interesse an Kooperationen haben, können Informationen zu Organisation und Durchführung, potentiellen Partnern und bestehenden Projekten bei Landes- und Stadtsportbunden, dem DOSB sowie von den teilnehmenden Organisationen erhalten. Auch Schulungen und Seminare zum Thema Vereinskooperationen werden mancherorts angeboten.
Die Vorteile von Kooperationen sind unübersehbar, dennoch bestehen derzeit noch viele Möglichkeiten zur Intensivierung jeglicher Art von Zusammenarbeit. Kooperationen bergen großen Nutzen - für den Verein gleichermaßen wie für seine Partner und für die Gesellschaft. Denn: zusammen ist man stark! ▪ LK

Weiterführende Links zum Thema

www.integration-durch-sport.de
www.weisser-ring.de/internet/kampagnen/sportler-setzen-zeichen/index.html
www.sport-integriert-niedersachsen.de
www.fitfueroesterreich.at
www.seniorenbüros.org
www.freiwilligendienste-aller-generationen.de
www.wlsb.de/cms/docs/doc9193.pdf

 

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