TC Lauingen - Sandsäcke zum Jubiläum

Etwa auf halbem Weg zwischen Stuttgart und München liegt die schwäbische Stadt Lauingen. In der Kleinstadt mit gut 10.000 Einwohnern ist nicht nur der Tennisclub Lauingen beheimatet, auch liegt der Ort in unmittelbarer Nähe zur Donau und war jüngst vom Hochwasser betroffen. Inge Petrich vertritt den Vereinsvorstand und hat RETURNAL ihren Verein im Interview vorgestellt. Angesichts der drohenden Überschwemmungen könnte man meinen, dass die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen des Vereins in den Hintergrund gerückt sein müssten, doch die 241 Mitglieder des Vereins lassen sich ihr Jubiläum von der Flut nicht wegspülen. 

Wie viele Gebiete in Deutschland waren Lauingen allgemein und speziell die Anlage des Tennisvereins vom Hochwasser betroffen, letztere konnte jedoch durch die Mithilfe von Mitgliedern weitgehend geschützt werden. Mittlerweile fließt das Wasser vielerorts wieder ab.

Frau Petrich, wie haben Sie beziehungsweise Ihr Verein diese Situation erlebt? Kann der alltägliche Spielbetrieb momentan schon wieder stattfinden?
Inge Petrich:  Da der Tennisclub Lauingen direkt an der Donau liegt, sind wir auf die Unterstützung des städtischen Krisenmanagements und die konkrete Hilfe des Bauhofs angewiesen.
Die Mitglieder griffen bei der ersten Hochwasserwelle auf dem Bauhof zur Schaufel und füllten Sandsäcke, die dann palettenweise von einem städtischen Schlepper zur Anlage transportiert wurden, denn die Donau hatte binnen kurzer Zeit den Uferweg unpassierbar gemacht. Nach dem Rückzug des Wassers haben wir die Säcke auf Anhänger verladen und sie zum Bauhof zurücktransportiert – leider zu früh, denn auch die zweite Hochwasserwelle erwischte Lauingen. Auch über diesen Pegelanstieg wurde die Vorstandschaft durch die Stadt informiert. Dieser Einsatz ging dann spät nachts über die Bühne. Nach 23 Uhr steuerte erneut ein Schlepper mit Sandsäcken unsere Anlage an und wir wiederholten unsere Dammbaumaßnahmen. Die Einsatzbereitschaft unserer Mitglieder und die tolle Unterstützung der Stadt haben eine Überflutung der Plätze verhindert. Allein aufsteigendes Grundwasser verwandelte den Keller unseres Clubhauses in einen See. Mit Kehren, Pumpen und Saugen konnten aber größere Schäden verhindert werden. Wir hatten viel Glück, denn eine Überschwemmung der Plätze hätte die Ausrichtung der 35. Kreismeisterschaften anlässlich des Vereinsjubiläums sicher unmöglich gemacht.

Ihr Verein wurde 1913 gegründet und feiert somit in diesem Jahr 100-jähriges Bestehen, was in der heutigen Zeit besonders eindrucksvoll ist. Gibt es zum Jubiläum eine große Feier?
I. Petrich: Im Jubiläumsjahr präsentiert sich der Verein als Ausrichter der 35. Kreismeisterschaften einer breiten Öffentlichkeit. Vom 12. bis 14. Juli fanden die Wettkämpfe der Jugendlichen statt. Vom 19. bis 21. Juli trafen sich die erwachsenen Spielerinnen und Spieler auf der Anlage des TC Lauingen. Über die Vereinsgeschichte informiert eine eigens erstellte Festschrift. Am 7. September 2013 findet ein Festakt statt, zu dem Vertreter der Tennisverbände, des Landkreises, der Stadt, der Tennisvereine des Landkreises und der Lauinger Vereine sowie natürlich alle Mitglieder herzlich eingeladen werden. Den Abschluss der Aktivitäten bildet am darauffolgenden Sonntag das Jubiläumsturnier für Mitglieder.

Viele Tennisvereine hatten in den letzten Jahren mit immensen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie hat sich die Zahl der Mitglieder entwickelt?
I. Petrich: Auch der Tennisclub Lauingen blieb von sinkenden Mitgliederzahlen in den letzten Jahrzehnten nicht verschont. Von 402 Mitgliedern im Jahr 1989 sank die Zahl kontinuierlich. Im Jubiläumsjahr hat der Verein 241 Mitglieder, davon 60 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Alters- oder gesundheitsbedingte Statuswechsel von aktiv auf passiv, Trendsportarten wie Golf und das immer attraktiver werdende Freizeitangebot außerhalb eines Vereins haben auch den TC Lauingen schrumpfen lassen. Heute sieht es die Vorstandschaft als zentrale Aufgabe ihrer Tätigkeit, die Anlage in einem solch guten Zustand zu halten, dass ein breites Angebot an Wettkampfmannschaften für jede Altersklasse sowie diverse Clubevents für Breitensportler ein Aushängeschild und damit ein Werbeelement für den TCL sind (Kleinfeld für Große).
Zentraler Bestandteil dieses Konzepts ist die Bewirtung des Clubhauses durch „Hucky“ (Werner) Brenner, der zusammen mit seiner Frau und seinem Team für das leibliche Wohl und ein gemütliches Ambiente sorgt. Das Oktoberfest im TCL-Clubhaus ist inzwischen ein fester Bestandteil des geselligen Vereinslebens geworden. Huckys schmackhafte Brotzeiten mit einem gepflegten Bier oder das von ihm organisierte Schafkopfturnier machen das Clubhaus auch für Nicht-Tennisspieler attraktiv.

Die Bereiche Jugendarbeit und Nachwuchsförderung sind überaus wichtig für das Bestehen eines Vereins. Wie sieht die Arbeit und Entwicklung in Ihrem Verein in diesen Bereichen aus?
I. Petrich: Die Jugendarbeit steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt des Vereinsengagements. Als tragende Säulen haben sich die drei Übungsleiter Conny Walter, Stephan Grün und Sabrina Hieber erwiesen. Alle drei sind mit dem Tennissport groß geworden und waren ihrerseits Nutznießer der TCL-Jugendarbeit. Heute managen sie nicht nur erfolgreich das Training für 37 Kinder und Jugendliche und betreuen 6 Midcourt- und Jugendmannschaften, sondern sorgen mit ihren Ideen auch für Nachwuchs in diesen Altersklassen.
Neben dem inzwischen zur Tradition gewordenen Pfingst-Tenniscamp für alle Mannschaftsspielerinnen und -spieler auf der Anlage des TC Lauingen gestalten sie auch verschiedene Werbekampagnen. Der TCL präsentiert sich regelmäßig beim „Tag der Lauinger Vereine“, der im zweijährigen Turnus speziell für Kinder und Jugendliche in Zusammenarbeit mit der Grund- und Mittelschule veranstaltet wird.
Ein Highlight im Jubiläumsjahr war der „Vater-Kind-Tag“ (Anm. d. Red.: großes Foto auf der Vorseite). Mehr als 50 Kinder ab 4 Jahren aus dem Lauinger Bahnhofskindergarten absolvierten als Team mit ihren Vätern acht speziell für diese Paarungen aufgebaute Parcoursstationen. Im Winter haben unsere Jüngsten Gelegenheit, das Sportabzeichen zu machen oder zusammen mit Paula Print, der neugierigen Ente der regionalen Donauzeitung, in einer Halle zu trainieren. Sportwart Tobias Flache betreut im Mini-Training unsere jüngsten Cracks.

Das Gespräch führten Manuela Wolbers und Julia Pfrötschner
■  Fotos: © TC Lauingen

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