Spielplatz, Satz und Sieg!

Was bei Ferienhaussiedlungen und in Naherholungsgebieten längst Standard ist, ist auf mancher Sportanlage noch immer ausbaufähig: Familien- und Kinderfreundlichkeit. Kinderspielplätze können hier einen wertvollen Beitrag leisten. Sofern man sie entsprechend gestaltet.

Jugendliche, Senioren, Kindergarten- und Grundschulkinder, ältere und jüngere Erwachsene: die Mitglieder, Besucher und Zuschauer eines Vereins sind idealerweise ein bunter Mix der Generationen. Vermutlich alle Sportvereine bemühen sich längst, ihren Mitgliedern und Interessenten altersgerechte Angebote zum Training und zur Freizeitgestaltung zu bieten. Und hierbei darf gerade bei den jungen Erwachsenen die Familie nicht vergessen werden: Während die Eltern Tennis spielen, brauchen ihre Kinder abwechslungsreiche Beschäftigung; Sandkasten, Wippe und Schaukel auf dem Vereinsgelände sind spannende Orte, um dort den Nachmittag zu verbringen. Ein ausreichender Abstand zu den Tennisplätzen sollte gewahrt sein, um die Konzentration der Spieler nicht zu stören.

Die Sicherheit der Kinder…

...ist natürlich zu gewährleisten. Der Spielplatz sollte von gut frequentierten Orten der Anlage aus einsehbar sein und nicht direkt an Straßen, Parkplätze oder Ausgänge grenzen. Zwar steht der Spielplatz auf dem Vereinsgelände, dennoch ist er als öffentlicher Platz zu behandeln. Daher sind einige DIN-Regelungen sowie Normen zu beachten. Über die Anforderungen zur Sicherheit auf einem Spielplatz informieren in erster Linie DIN 1176 und DIN 1177. Erstere enthält Angaben über Installation, Inspektion, Wartung und Betrieb üblicher Spielgeräte. Sehr wichtig ist die Einhaltung regelmäßiger Kontrollen: vom täglichen Blick über die Anlage bis hin zur alljährlichen Jahreshauptinspektion, die ein Sachkundiger vornimmt. Mindestens alle drei Monate sind Bestandsaufnahme und Wartung fällig. Werden diese Kontrollen nicht ordnungsgemäß durchgeführt und protokolliert, kann der Betreiber bspw. bei Unfällen durch kaputte Spielgeräte zur Verantwortung gezogen werden. DIN 1177 klärt über die Vorschriften zu stoßdämpfenden Böden auf. Ab 200 cm Fallhöhe sind dämpfende Materialien, wie Rindenmulch, Holzschnitzel, kleinkörniger Kies oder Sand von mindestens 20 cm Füllhöhe vonnöten. Bis zu einer Fallhöhe von 150 cm ist laut der DIN-Regelung auch Rasen ausreichend; rennenden, springenden Kinderfüßen ist dieser jedoch nicht lange gewachsen. Beton, der immerhin bis zu einer Fallhöhe von 60 cm erlaubt ist, entspricht kaum den heutigen Bedürfnissen nach naturnahen Spielmöglichkeiten, ist dafür aber rollstuhlgerecht. Auch die DIN 18034 Spielplätze und Freiräume zum Spielen – Anforderungen für Planung, Bau und Betrieb ist beim Bau eines Spielplatzes zu beachten.
Hat man sich mit den Regelungen vertraut gemacht, folgt der Blick auf das Gelände. Wo ist wie viel Platz vorhanden? In Größe und Ausstattung sollte ein Spielplatz natürlich dem Spiel- und Bewegungsbedürfnis der Kinder gerecht werden. Empfohlen wird eine Spielfläche von min. 40 m² bis max. 150 m². Zwischen den Spielgeräten müssen zwei Meter Mindestabstand als Fallschutzflächen eingeplant werden!

Haftung bei Unfällen auf dem Spielplatz

Der Betreiber haftet, wenn er seiner Inspektions- u. Wartungspflicht nicht nachgekommen ist, kaputte Spielgeräte nicht repariert bzw. nicht gesperrt hat.
Entsprechen die Spielgeräte nicht den aktuellen Spielgeräte- und Sicherheitsnormen (inkl. aktueller Erkenntnisse, die in die DIN-Regelungen noch nicht aufgenommen wurden), kann der Spielgerätehersteller zur Verantwortung gezogen werden.
Gehen Unfälle auf nicht ordnungsgemäß angebrachte oder aufgestellte Spielgeräte (nach DIN 1177) zurück, so fällt dies in den Verantwortungsbereich des Installateurs.

Ein „typischer“ Spielplatz – Nein danke!

Ein Blick auf viele Spielplätze zeigt: sie sind für Kinder eigentlich nicht geeignet. Viele Spielgeräte sind noch aus den 70ern und reichen nur für kurzfristige Bespaßung. Doch sollen Spielplätze die kognitiven, motorischen und sozialen Fähigkeiten der Kinder fördern, die Fantasie anregen und Bewegung als etwas Schönes erleben lassen. Soll also ein Spielplatz angeschafft werden, lohnt sich der Blick in die Umgebung oft nicht. Im Gegenteil – gerade im ländlichen Raum sind Spielplätze meist in vielerlei Hinsicht unbrauchbar.
Und das fängt beim Material an: Holz ist auf den meisten Spielplätzen anzutreffen. Es macht einen natürlichen Eindruck, was gerade für junge, umweltbewusste Eltern ansprechend ist. Und da liegt oft schon der Fehler. Denn nicht die Eltern sollen angesprochen werden, sondern die Kinder. Was Eltern schön finden, kann für Kinder gähnend langweilig sein. Was Kinder spannend finden, kann in den Augen der Eltern schon „zu viel“ sein. Doch viele Farben und Materialmixe regen mehr zum Spielen an, als ein brauner Einheitsbrei aus Holz.

Auf Qualität kommt es an

Wie in so vielen Bereichen gilt auch auf dem Spielplatz: Geräte aus hochwertigen Materialien halten lange, teilweise 15 Jahre und länger. Nur die Anschaffungskosten können so manchem Kassenwart schlaflose Nächte bereiten. Denn schon die klassische Schaukel ist kaum unter 1.000,- € zu bekommen. Da sie allerdings viel und gern benutzt wird, lohnt sich gerade hier der tiefere Griff in die Tasche. Um nicht jährlich eine neue Wippe kaufen zu müssen, sollte man z.B. von Plastik-Modellen für unter 100 € lieber Abstand nehmen. Einen beispielhaften Kostenplan zu geben, ist kaum möglich, da entscheidende Faktoren individuell zu klären sind, etwa:

Wie viel Platz ist vorhanden?

  • Muss der Boden aufbereitet (z.B. eingeebnet, ausgehoben...) werden?
  • Wie viele und welche Geräte sollen angeschafft werden?
  • Welcher Boden soll als Dämpfungsschutz dienen?
  • Ist Bepflanzung, z.B. als Sicht- und Lärmschutz zu den Tennisplätzen, nötig?

Das Grüne drum herum…

…sollte robust und ungiftig sein. Unter die toxischen Pflanzen fallen auch einige, die schön blühen und daher vielleicht auf dem Vereinsgelände anzutreffen sind: z.B. Goldregen, Stechpalme, Trompetenblume oder Schneeball. Am bekanntesten unter den giftigen Pflanzen sind wohl Efeu und Eibe. Falls Tennisplatz und Spielplatz näher beieinander liegen, können Pflanzen eine Grenze bilden, so stören sich die Spielenden nicht gegenseitig. Da das Leben im Tennisverein überwiegend im Sommer stattfindet, sollte auch an ausreichend Sonnenschutz, z.B. durch Bäume am Spielplatz, gedacht werden. Und um wieder den Bogen zurück zu den Spielgeräten zu schlagen: schön ist auch ein Tipi aus geflochtenen Weiden (keine lebenden, da diese wuchern). Einen Landschaftsarchitekten kann man sich übrigens sparen – auch dieser legt i.d.R. mehr Wert auf die Ästhetik, anstatt auf Kinderfreundlichkeit.
Finanzierungsmöglichkeiten

Checkliste Spielplatz

Gelände planen

  • Größe des Spielplatzes festlegen
  • Bodenbeschaffenheit prüfen
  • Fallschutzboden für höhere Geräte auswählen
  • Verankerungen für Spiel-geräte planen
  • Pflanzen/Zäune als Begrenzung zu Tennisplätzen oder zur Straße aufstellen (Mindesthöhe 1 Meter)
  • 2 Meter Fallschutzflächen einplanen (ggf. auch Auslauffläche für eine Rutsche)
  • Sonnenschutz durch Bäume, falls nötig
  • ggf. giftige Pflanzen entfernen

 

Budget festlegen

  • Vereinskasse überprüfen
  • Material-, Installations- u. Wartungskosten kalkulieren
  • Sponsoren anschreiben
  • Helfer akquirieren

 

Vor dem Kauf der Spielgeräte

  • Geräte auswählen (an verschiedene Altersstufen denken, evtl. Beratung beim Hersteller)
  • Hersteller vergleichen (verwendetes Material, Preise, Service)

 

Beim Kauf der Spielgeräte

  • GS-Siegel muss vorhanden sein
  • Die Wippe muss über eine ausreichende Dämpfung verfügen
  • Garantiezeiten erfragen

 

Regelmäßig kontrollieren

  • Beschädigungen an den Geräten: herausragende Nägel, Splitter, scharfe Kanten
  • Verankerung von beweglichen Teilen (z.B. Leitersprossen, Seile)
  • Verankerung der Geräte (bei Holz besonders auf Fäulnis achten)
  • Säubern des Bodens von Unrat oder gefährlichen Gegenständen

 

Langlebige, aber pflegeleichte Spielgeräte, passender Boden, ungiftige Pflanzen… Es gibt vieles, was beim Bau eines Spielplatzes bedacht werden muss. Zum Glück gibt es für Vereine die Möglichkeit, zumindest finanzielle Unterstützung einzuholen. Spendengelder bzw. Sachspenden können einen Großteil der Finanzierung ausmachen. Da Kooperationen beiden Seiten zum Vorteil gereichen, ist ein Spielplatzbau oder eine Sanierung eine gute Gelegenheit, um Sponsoren Werbemöglichkeiten anzubieten. Kinderfreundlichkeit ist immer gut fürs Image. Es kann auch sein, dass die Gemeinde bzw. Stadt ein solches Projekt fördert. Auch handwerklich begabte Vereinsmitglieder (oder Freunde, Familie, Bekannte…) können helfen: Ein Sandkasten ist vergleichsweise einfach in Eigenregie zu bauen.

In jedem Fall lohnt sich die Investition in einen Spielplatz auf dem Vereinsgelände. Gerade für frischgebackene Eltern kann ein Kinderspielplatz das Argument für den Einstieg in einen Verein sein. ▪ JS

Bodenarten für Spielplätze
Bodenart;
max. Fallhöhe
Vorteile Nachteile

Beton;
60 cm

  • gut zu säubern
  • rollstuhlgeeignet
  • hohe Anschaffungskosten
  • wenig kinderfreundlich
  • optisch nicht ansprechend

Rasen;
150 cm

  • vglw. geringe Anschaffungskosten
  • vglw. rollstuhlgeeignet
  • hoher Pflegeaufwand
  • für hohe Spielbelastung weniger geeignet
Rindenmulch;
200 cm bei 20 cm Füllhöhe
300 cm bei 30 cm Füllhöhe
  • geringe Anschaffungskosten
  • Pflege/Säuberung problematischer als bei Beton oder Gummimatten
  • Gerbsäure aus der Rinde greift Holzgeräte an
  • regelmäßig Austausch/Auffüllung nötig

Holzhackschnitzel;
200-300 cm

  • geringe Anschaffungskosten
  • trocknet schneller als Rindenmulch und enthält keine Gerbsäure
  • Pflege/Säuberung problematischer als bei Beton oder Gummimatten
  • neigt (wie auch Rindenmulch) eher zu Schimmelbildung

Sand, Kies
200-300 cm

  • geringe Anschaffungskosten
  • weniger Pflegeaufwand als Mulch oder Holzhackschnitzel
  • Pflege/Säuberung problematischer als bei Beton oder Gummimatten
  • regelmäßig Austausch/Auffüllung nötig
  • Sand muss 1x jährlich desinfiziert werden

Gummimatten;
200-300 cm

  • geringer Pflegeaufwand
  • vglw. rollstuhlgeeignet
  • hohe Anschaffungs- und Entsorgungskosten

Allgemeines:
bei der Wahl des Bodens sollte die Barrierefreiheit bedacht werden. Sofern eine direkte Erreichbarkeit der Geräte mit dem Rollstuhl nicht zu gewährleisten ist, sollten die Wege vom rollstuhlgeeigneten Untergrund kurz sein, damit Eltern/Betreuer die Kinder nicht so weit tragen müssen bei Mulch, Sand, Kies und Holzhackschnitzeln sind Scherben oder andere kleine gefährliche Fremdkörper schwerer auszumachen und zu entfernen. Hier muss besondere Sorgfalt bzgl. Inspektionen angewandt werden.

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