Bufdi, FSJ, EFD in Tennisvereinen

Kleine Worte, große Wirkung

Es gibt zahlreiche Methoden, mehr Schwung und neue Ideen in den Verein zu bringen und umzusetzen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr anzubieten, ist eine davon und bietet dem Verein sowie dem Freiwilligen viele Vorteile.

Meist ist es das Jahr nach dem Schulabschluss, das viele Jugendliche dazu nutzen, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. Als Bildungs- und Orientierungsjahr und zum Sammeln beruflicher Erfahrungen ist es hervorragend geeignet. Das Prinzip ist einfach: Der Jugendliche sucht sich eine soziale Einrichtung, in der er für einen bestimmten Zeitraum ehrenamtlich mitarbeitet. Die Jugendlichen können in einen Beruf hineinschnuppern und bekommen für diese Zeit i.d.R. neben einem Taschengeld auch Unterkunft und Verpflegung gestellt. Die aufnehmende Einrichtung erhält eine helfende Hand, viele neue Ideen und Engagement vonseiten des Freiwilligen. Klassische Einsatzfelder für so ein FSJ sind im sozialen und pflegerischen Bereich angesetzt; seit einigen Jahren erweitern das FSJ Sport und das FSJ Kultur die Möglichkeiten für freiwilliges Engagement. Mit meist mehr Bewerbern als freien Plätzen ist der Erfolg der Idee nicht zu übersehen.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sportbereich

Seit September 2000 können Jugendliche auch im Sportbereich ein FSJ verrichten. Voraussetzung dafür ist, dass die Tätigkeiten und Aufgaben der Freiwilligen hauptsächlich in der sportlichen Betreuung von Kindern und Jugendlichen bestehen und nicht etwa in Reinigungs- oder Büroarbeiten. Alle Einrichtungen, die sich mit Sport beschäftigen, können teilnehmen: Vereine, Sporteinrichtungen, Sport-Bildungsstätten, Jugendferiendörfer, Bewegungskindergärten, Sportschulen sowie Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen. Die Mitarbeit umfasst entsprechend Bereiche der Vereins- und Verbandsarbeit, Hilfe bei Sportveranstaltungen und Spielfesten, in Ferienfreizeiten, beim Eltern-Kind-Turnen, Schulkooperationen u.v.m.

FSJ Sport - Zentrale Aufgabenfelder lt. freiwilligendienste-im-sport.de:

Planen, Durchführen und Ausführen von sportlichen, kulturellen und politischen Vereinsangeboten für Kinder und Jugendliche
Pädagogische Betreuung von Kindern und Jugendlichen
Kennenlernen und Mitarbeit in den Gremien der Jugendselbstverwaltung
Kennenlernen und Begleitung von organisatorischen Rahmenbedingungen für Vereinsangebote mit Kindern und Jugendlichen
Gestaltung von Trainingseinheiten, Wettkampfbetreuung
Pflege und ggf. Aufbau von Kontakten innerhalb und außerhalb der Einsatzstellen

 

Die Freiwilligen…

…müssen zwischen 15 und 26 Jahre alt sein; innerhalb der Organisation Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr zwischen 16 und 27 Jahren. Das Freiwillige Soziale Jahr findet in der Regel nach dem Schulabschluss statt; zur ersten Berufsorientierung, als Auszeit vom Lernen und zum Anstoß des Selbstfindungsprozesses. Das FSJ kann als Praktikum angerechnet werden und die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) erkennt das FSJ zudem als Wartesemester an. Somit finden sich junge Menschen mit verschiedensten Hintergründen bei Sporteinrichtungen ein und machen diese zu einem abwechslungsreicheren Ort.

Die Fakten

Das freiwillige Jahr beginnt am 1. August oder 1. September eines Jahres und kann zwischen 6 und 18 Monaten Dauer variieren. Der FSJler arbeitet Vollzeit mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 bis 40 Stunden. Er hat Anspruch auf 24-26 Urlaubstage, je nach Länge des freiwilligen Jahres. Die Freiwilligen erhalten von der Trägerorganisation ein Taschengeld und eine beitragsfreie Versicherung in der gesetzlichen Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Für die Eltern des Freiwilligen besteht Anspruch auf die Weiterzahlung des Kindergeldes. Die Einsatzstelle zahlt eine (anteilige) Einsatzkostenumlage an den Träger. Diese beträgt zwischen 350,- und 430,- Euro monatlich (inkl. MwSt.). Es gilt das Jugendfreiwilligendienstgesetz (JFDG) und für unter 18-jährige zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz.

Wie funktioniert das Ganze?

Um einen ehrenamtlichen Helfer bei sich aufnehmen zu können, muss der Verein sich als FSJ-Einsatzstelle offiziell anerkennen lassen. Das ist zum Glück nicht schwer. Dazu wendet er sich einfach an die Ansprechpartner der jeweiligen Landessportjugend des betreffenden Bundeslandes. Diese fungiert als Träger des FSJ Sport. Dort muss z.B. angegeben werden, welche Aufgaben der Verein wahrnimmt, welche Tätigkeiten der FSJler ausüben soll und wer der zuständige Ansprechpartner für ihn ist. Die Mitgliederzahl oder der Erfolg des Vereins spielen bei der Anerkennung keine Rolle. Nach der Anerkennung wird der Verein in die Datenbank der FSJ-Einsatzstellen eingetragen und kann nun Freiwillige aufnehmen. Für die bürokratischen Formalitäten ist der jeweilige Träger verantwortlich. Die FSJ-Interessenten wenden sich ihrerseits mit einer Bewerbung an die Landessportjugend, diese wählt die Einsatzstelle aus, betreut die Freiwilligen persönlich und verwaltet und organisiert das Ehrenamt von Anfang bis Ende.

Was muss der Verein leisten?

Jede Einsatzstelle ist dazu verpflichtet, dem FSJler eine fachliche Anleitung und pädagogische Betreuung durch haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter zu bieten. Zudem muss die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen garantiert sein, damit ein Verein als Einsatzstelle in Frage kommt. Des Weiteren muss der FSJler sowohl für die gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstage freigestellt werden, als auch für die verpflichtenden Weiterbildungstage (bei einem 12-monatigen FSJ sind dies 25 Tage; darüber hinaus erhöht sich die Seminarzahl um mindestens einen Tag pro zusätzlichem FSJ-Monat). In den Seminaren kann der FSJler bspw. die Übungsleiter-Lizenz erwerben. Die Weiterbildungstage werden vom Träger organisiert und durchgeführt. Der Verein hat somit nur geringen Aufwand. Er beteiligt sich an entstehenden Kosten und stellt, wenn möglich, Unterkunft und Verpflegung. Ist letzteres für den Verein nicht umzusetzen, so muss eine Unterkunfts- und Verpflegungspauschale an den FSJler gezahlt werden. Spezielle Arbeitskleidung, die von der Einsatzstelle gefordert bzw. gewünscht wird, ist dem FSJler unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.
Durch seine Tätigkeit refinanziert sich der Freiwillige im Grunde von selbst: So können etwa durch das zusätzliche Angebot von Kindertrainingsstunden, durch Fördergelder bzw. den Stundenlohn der Schule für eine Schulkooperation und durch erfolgreiche Jugendarbeit und Mitgliedergewinnung in diesem Bereich die finanzielle Belastung spielend – und mit langfristigem Effekt – ausgeglichen werden.

Die Vorteile, eine Einsatzstelle für ein FSJ zu sein…

...liegen auf der Hand: Der wohl größte Gewinn sind die jungen, hochmotivierten und begeisterten Freiwilligen, die sich aus persönlichem Interesse für ein FSJ Sport entschieden haben. Sie helfen bei allem zum Thema Sport-, Spiel- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Mit ihrer wertvollen Unterstützung können z.B. Projektideen realisiert werden, für die sonst einfach die Zeit fehlen würde. Dabei ist nicht zu vergessen, dass kaum organisatorische Arbeit bei der Aufnahme eines FSJlers aufkommt, denn alle bürokratischen Formalitäten übernimmt die Landessportjugend.

Aufgrund ihres jungen Alters tragen FSJler einen wichtigen Teil zur Jugendarbeit bei. Oft werden sie zum Ansprechpartner für die Jugendlichen und übernehmen eine Vorbildfunktion. Insbesondere bei Mädchen ist das ein nicht zu unterschätzender Aspekt, denn vor allem mit dem Beginn der Pubertät fühlen sie sich in männlich dominierten Bereichen oft unwohl und unverstanden und benötigen weibliche Vertrauenspersonen, die in Form von FSJlerinnen helfen können.
Mit dem Erwerb der Übungs- und Jugendleiterlizenz durch den FSJler erhalten Vereine zudem einen adäquat qualifizierten Mitarbeiter. Die Bindung des FSJlers an den Verein bleibt oft auch nach Ablauf des Sozialen Jahres bestehen und auch in späteren Jahren führen die ehemaligen FSJler häufig noch ehrenamtliche Tätigkeiten im Verein aus. Nicht zu vergessen ist natürlich auch der positive Einfluss, den der Verein auf die FSJler nehmen kann: durch die Übertragung von Verantwortung innerhalb des freiwilligen gesellschaftlichen Engagements kann ein großer Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen geleistet werden.
Das gegenseitige Profitieren von einem freiwilligen Jahr im Sport ist eine tolle Sache, die gesellschaftlich gut ankommt und von den Vereinen als Chance auf engagierte, junge Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesehen werden sollte.

Das Freiwillige Ökologische Jahr im Sport

Einen ganz anderen Bereich als das FSJ deckt das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) im Sport ab. Der Schwerpunkt liegt hierbei ganz allgemein im Umwelt- und Naturschutz. Bei einem FÖJ im Sport wird dies auf die Einsatzstelle, also z.B. auf den Verein, angewandt. Einsatzbereiche sind u.a. der Schutz und Ausbau von Natur in den Sportstätten (Projekte zur Geländegestaltung, Naturparcours usw.) und die ökologische Ausrichtung der Anlage und des Sportbetriebs, z.B. durch Optimierung des Energie-, Wasser- und Ressourcenverbrauchs. Ein weiteres Feld ist die Zusammenführung von sportlicher Aktivität und Umwelt, etwa im Rahmen von Sportexkursionen mit Naturbezug. Ein anderer wichtiger Einsatzbereich des Freiwilligen Ökologischen Jahrs im Sport ist das nachhaltige Event- und Sportmanagement. Diese Arbeitsfelder sollten vom Verein nicht unterschätzt werden. Schon lange von größter Dringlichkeit, werden in der heutigen Zeit ein umweltfreundlicher Umgang mit Ressourcen und Naturnähe endlich auch immer mehr wertgeschätzt. Mit der Aufnahme von Freiwilligen des Ökologischen Jahres kann der Verein seinen Beitrag dazu leisten und z.B. den Sportbetrieb und die Anlage umweltfreundlicher gestalten.

Bundesfreiwilligendienst

FSJ und FÖJ stehen als Freiwilligendienste in sportlichen Einrichtungen nicht allein. Am 01. Juli 2011 trat der Bundesfreiwilligendienst (BFD) in Kraft, welcher den Zivildienst durch die Arbeit ehrenamtlicher Helfer ersetzen soll. Der BFD ist dabei ähnlich strukturiert wie das FSJ und etwas anders reguliert als der Zivildienst. Zum Beispiel gibt es keine Geschlechter- oder Altersgrenzen. Jeder Interessierte kann mitmachen, sofern seine Vollschulzeitpflicht beendet ist. Somit können auch ältere Menschen in dieser Form ehrenamtlich im Verein tätig werden. Die Dauer des Freiwilligendienstes beträgt ebenfalls 6 bis 18 Monate und besteht in der Regel aus ganztägiger Arbeit. Für Freiwillige ab 27 Jahren besteht die Möglichkeit, den BFD in Teilzeit (20 Stunden pro Woche) zu leisten.
Auch der BFD soll die ehrenamtliche Arbeit im Sport ausbauen. Die Träger sind ebenfalls die Deutsche Sportjugend und ihre Organisationen; sie unterstützen die Einsatzstellen z.B. durch die fachliche Anleitung der Freiwilligen. Die Einsatzbereiche, in denen der ‚Bufdi‘ im Sportverein hauptsächlich tätig ist, sind Projekt- und Veranstaltungsmanagement, die Arbeit mit besonderen Zielgruppen im Sport, sportartspezifische, gärtnerische und handwerkliche Tätigkeiten sowie Umwelt- und Naturschutz. Der Verein ist dabei verpflichtet, die Freiwilligen fachlich anzuleiten und zu betreuen. Als Einsatzstelle für den BFD kann ein Verein sich über das Bundesamt für Familie und Zivilgesellschaftliche Aufgaben anerkennen lassen. Wer bereits als Zivildienststelle fungiert, benötigt keine gesonderte Anerkennung. Vereine, die sich neu anerkennen lassen möchten, erhalten Unterstützung durch den jeweiligen Träger, der Verwaltungs- und Bildungsaufgaben übernimmt.

INFO: Die Voraussetzung für die Anerkennung als Einsatzstelle für jeglichen Freiwilligendienst ist, dass die vom Freiwilligen ausgeführten Tätigkeiten arbeitsmarktneutral sind. Die Freiwilligen sollen also unterstützende, zusätzliche Aufgaben übernehmen und dürfen keine hauptamtliche Arbeitskraft ersetzen.

Europäischer Freiwilligendienst

Wenn ein Verein selbst keine Freiwilligen in den Verein aufnehmen kann, aber gern ehrenamtliche Tätigkeiten unterstützen möchte, dann bietet sich für ihn die Möglichkeit, sich als Entsendeorganisation des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD) anerkennen zu lassen. Im Rahmen des EFD können Interessierte zwischen 16 und 30 Jahren für eine Dauer von 6 bis 12 Monaten an einer Einsatzstelle innerhalb oder außerhalb Europas ehrenamtliche Arbeit leisten; der Sportbereich ist auch hier eine Einsatzmöglichkeit. Die Freiwilligen wenden sich an eine Entsendeorganisation; das kann jeder gemeinnützige Verein, eine Kirchengemeinde oder eine öffentliche Stelle sein. Gemeinsam mit dieser Entsendeorganisation wird dann nach einem passenden Aufnahmeprojekt gesucht. Ist das geschafft, stellen die Interessierten mit dem Projekt einen Antrag auf Finanzierung und nach der Zusage kann es schon losgehen! Der Verein sorgt für die Vorbereitung, Entsendung und die Nachbetreuung der Freiwilligen und bleibt mit dem Aufnahmeprojekt in Kontakt. Das Aufnahmeprojekt wiederum bietet dem Freiwilligen die Arbeit in einer Einsatzstelle, Kost und Logis sowie einen Sprachkurs und persönliche Unterstützung vor Ort. Gemeinsam mit dem Aufnahmeprojekt sorgt der Verein für den notwendigen Versicherungsschutz des Freiwilligen. Als Entsendeorganisation kann der Verein also dazu beitragen, dass junge Menschen ihr ehrenamtliches Engagement auch im Ausland ausüben können und trägt obendrein noch zu einem Austausch der Kulturen bei. Die Anerkennung als Entsendeorganisation gestaltet sich recht einfach. Eine Interessensbekundung in Landes- und englischer Sprache wird bei JUGEND für Europa eingereicht, die Organisation nimmt nach Prüfung Kontakt auf und klärt weitere Fragen mit dem Antragsteller ab. Im Idealfall wird die Anerkennung innerhalb von 6 Wochen nach Antragseingang ausgesprochen. Die Anerkennung ist jeweils auf maximal 3 Jahre befristet. Ein Antragsformular ist auf der Homepage der Jugend-in-Aktion erhältlich. Und übrigens: Sporteinrichtungen können sich mit denselben Bedingungen auch als Aufnahmeorganisation anerkennen lassen. ▪ JT

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