Wer trägt die Schuld an der Geldnot des TCO?

Im Februar 2012 hat auch der Tennisclub Obernburg Insolvenz beantragt. Die Gründe scheinen undurchsichtig. Doch nun steht fest: Die Spielstätte bleibt erhalten. Die Tennis-Academy übernimmt den Sportbetrieb, ein Nachfolge-Verein wurde mit dem Tennisclub 2013 ebenfalls gegründet. 

Wir waren als Akademie immer auf die Plätze von Vereinen angewiesen und wollten eigenständig werden. Durch den Schritt die Sportanlagen des TC 79 zu kaufen, verfügen wir nun über eigenen Raum zum Spielen“, begründet Andreas Christoffel gegenüber RETURNAL die Entscheidung. Aber der Reihe nach:
Der Onlinedienst Main-Netz (www.main-netz.de) veröffentlichte am 10. März 2012 einen Artikel über die Insolvenzsituation des TC Obernburg und deren Umstände. Berichtet wurde hier von einem Schuldenberg in Höhe von 211.076 Euro, der die Kassen des Traditionsvereins über das tragbare Maß hinaus belastete. Die Gründe für die entstandene Überschuldung lägen nach Ansicht zweier Vereinsrevisoren bereits dreißig Jahre zurück. Vor drei Jahrzehnten finanzierte der TCO den Bau seiner Tennishalle. Dabei hätten die Kosten von ca. 650.000 Euro nur geringfügig durch offizielle Gelder gedeckt werden können, die Eigenleistung der Vereinsmitglieder sei zudem gering ausgefallen. Einige Zeit später wurde der Verein zusätzlich durch die Streichung von Fördermitteln beim Bau zweier Tennisplätze finanziell belastet. Auch der für das Verfahren eingesetzte Insolvenzverwalter Gerd Stapp sieht die Notlage des Vereins in dem lange zurückliegenden Bau der Tennishalle begründet. Die daraus entstandene Verschuldung entwickelte sich im Laufe der Jahre durch die sich stetig verschlechternde Vereinssituation zu einer immer größeren Last, – während der TCO zu Zeiten des Tennisbooms noch regen Zulauf verzeichnete, gingen die Mitgliederzahlen im Laufe der Zeit immer weiter zurück. Mit einer Vereinsstärke von 285 Personen im Jahre 1984 ließen sich die Kosten noch decken, 2012 reichten die verbliebenen 175 Mitglieder dafür nicht mehr aus. Laut Stapp konnte der Spielbetrieb in der Tennishalle in den letzten Jahren nur noch aufgrund massiver Zugeständnisse der finanzierenden Bank und einem teilweisen Verzicht der Stadt Obernburg auf Erbbauzinsen aufrecht erhalten werden.

„Die Ausführungen zum insolventen TC Obernburg sind nicht nachvollziehbar und kommentierungsbedürftig.“

In ein anderes Licht wird die Insolvenz des Vereins durch eine ebenfalls im Main-Netz publizierte Gegendarstellung zum Artikel vom 27. Februar gerückt. Am 10. März veröffentlichte Monique Reis, Tochter von Siegfried Reis, Vereinsvorsitzender von 1977 bis 1985, über das Nachrichtenportal einen Leserbrief. In diesem erklärt sie die von Vereinsrevisoren im Artikel angeführten Gründe für die schlechte finanzielle Lage für falsch. Ihrer Aussage nach verschuldete sich der TCO mit dem Bau der Halle nicht in dem im Artikel angegebenen Maße, die öffentlichen Zuschüsse seien ausreichend gewesen. Weiterhin herrschte, nach ihren Ausführungen, allgemein ein sehr hohes Engagement der Mitglieder, die durch ihre große Zahl und ihre ambitionierte Arbeit finanzielle Überschüsse erzielten und dem Verein so zu einer äußerst stabilen Finanzlage verhalfen. Die ausschlaggebenden Gründe, die letztlich zur Schieflage und Überschuldung führten, sieht Frau Reis vor allem im Mitgliederschwund, dem fehlenden ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder der letzten Jahre sowie den unzureichenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen des TCO-Vorstands und nicht in den Verhaltensweisen der Vorstände und Mitglieder vor dreißig Jahren.

Insolvenz bedeutet nicht immer gleich das Aus für den Spielbetrieb

Wer nun die Schuld an der finanziellen Schieflage des Traditionsvereins trägt, kann leider nicht bestimmt werden. Fest steht, dass am 29. Februar 2012 ein Insolvenzantrag gestellt wurde und der TC 79 Obernburg nicht weiter existiert. Der mit dem Fall betraute Anwalt setzte auf den Verkauf der Tennisanlage: mit Erfolg!
Nun tritt die 2011 in Eisenfeld gegründete Tennis-Academy auf den Plan, um den Sportbetrieb in der Tennisanlage sicherzustellen. Das Duo Andreas Christoffel und Cedomir Jovanovski (Foto), welches die Akademie vor zwei Jahren gründete, wollen nun am 20./21. April mit Tagen der offenen Tür einen Neustart wagen. Die Trainingsstätte bietet ihnen die Chance eine Rundumversorgung für ihre jungen Mitglieder zu schaffen. So sollen laut Main-Netz zusätzlich zum Match- und Konditionstraining kulinarische Verpflegung und die Möglichkeit Hausaufgaben zu erledigen im Hallenbistro geschaffen werden.
Gleichzeitig gründete sich in Obernburg am 12. März der Tennisclub 2013 als Nachfolger des im Vereinsregister gelöschten TC 79 Obernburg. Der Verein plant lokalen Medien zufolge, vier Außenplätze zu kaufen. Zukünftig wollen Akademie und Verein eng zusammenarbeiten. So soll die Vereinsjugend vom Personal der Akademie trainiert werden. Und bei so viel frischem Wind wollen Andreas Christoffel und Cedomir Jovanovski auch in die Renovierung der Tennisstätte investieren, die Rede ist von bis zu 80.000 Euro. Neben Arbeiten an Bistro, Umkleiden und Fitnessraum soll vor allem der Hallenboden erneuert werden. Hier soll ein Hardcourt entstehen.

Foto: ©Tennis-Academy
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