Tennis für Kinder

Konzepte für Kinder sind Konzepte für die Zukunft

So werden auch die Jüngsten zu Vereinsmitgliedern

Die Bevölkerungsentwicklung lässt deutlich erkennen, dass die Geburtenrate in Mitteleuropa sinkt und es immer weniger Kinder gibt. Dieser demographische Wandel bereitet nicht nur den Bundesministerien, sondern auch den Tennisvereinen große Sorgen, denn Kinder und Jugendliche sind mitunter die bedeutsamste Zielgruppe für Sportvereine. Sie sind diejenigen, die die Zukunft des Vereins bestimmen, sein Potenzial für sportliche Erfolge maßgeblich ausmachen und obendrein Bindeglied sind, um weitere Kinder, die Eltern- und vielleicht auch Großelterngeneration zum Tennis zu bringen. Umso wichtiger ist es, die Jüngsten aktiv für den Tennissport zu gewinnen, statt darauf zu warten, dass die potentiellen Neumitglieder von selbst an die Vereinstür klopfen. Und es gibt wirkungsvolle Maßnahmen: Street-Tennis und Straßentennis oder das Lehrkonzept Tennis Play+Stay sind leicht und kindgerecht umzusetzen - und daher optimale Konzepte für Tennisvereine, um die Jüngsten für den Tennissport zu begeistern.

Street Tennis

Viele der heutigen Fußballprofis kickten früher als Kinder in Hinterhöfen oder Straßen und entdeckten so ihr Talent und ihre Begeisterung. Vor einigen Jahren hat diese Idee auch im Tennissport Einzug gehalten. Mit dem Unterschied, dass sich nicht zufällig ein paar Sportbegeisterte auf einem Platz versammeln und gegeneinander antreten, wie es beim Straßenfußball üblich ist, sondern organisierte Veranstaltungen stattfinden. Die Rede ist von Street-Tennis, einem Konzept zur Nachwuchsförderung und –gewinnung. Einige der Landesverbände des DTB (Deutscher Tennis Bund) organisieren schon seit Jahren Street-Tennis-Touren in ihren Bundesländern. In der Schweiz wird Street-Tennis im Rahmen des nationalen Tags des Tennis, TIME TO PLAY, des Dachverbands Swiss Tennis veranstaltet. In der Beteiligung an solchen Verbandsveranstaltungen liegt ein großer Vorteil für die Vereine darin, dass die Dachverbände Werbung und Teile der Ausrichtung und Organisation der Street-Tennis-Veranstaltungen übernehmen; Vereine sparen dadurch Zeit und Kosten. Andererseits sind solche Events stets auf einzelne Tage bzw. Orte begrenzt. Umso wichtiger ist es daher, dass Tennisvereine an ihren Standorten Street-Tennis-Aktionen selbst initiieren. Denn Street-Tennis-Veranstaltungen generieren Aufmerksamkeit und bieten beste Gelegenheit, neue Mitglieder zu gewinnen. Durch den ungezwungenen und kindgerechten Charakter des Freiluftspektakels wird eine perfekte Grundlage geschaffen, um Kinder für den Tennissport zugänglich und ihn allgemein wieder populärer zu machen.
Und das ist Street-Tennis: Auf Parkplätzen, Schulhöfen, in der Fußgängerzone oder mitten auf der Straße, wo immer auch Platz ist, werden Kleinfeldnetzanlagen aufgebaut, auf denen Kinder, ohne sich einem starren Regelwerk unterwerfen zu müssen, den Tennissport ausprobieren können. Natürlich kommt hierbei kindgerechtes Tennisequipment zum Einsatz. Geplant und durchgeführt wird eine Street-Tennis-Veranstaltung oftmals in Zusammenarbeit mit Kommunen, Schulen oder anderen Vereinen. Grundsätzlich erfordert sie ein gewisses Maß an guter Organisation, mit der man frühzeitig beginnen sollte (siehe Kasten) Eine umfassende Checkliste mit Zeitplan für die Durchführung eines solchen Street-Tennis-Events und Informationen zu Materialbedarf, Spielregeln und Rahmenprogramm stellt der Deutsche Tennis Bund auf seiner Homepage bereit. Die Organisation eines Rahmenprogramms, z.B. Malwettbewerbe und Glücksradgewinnspiele, Torwandschießen oder Geschicklichkeitsspiele schaffen zusätzliche Anreize für die Teilnahme. Durch solche Aktionen bleibt die Veranstaltung auch für die Zuschauer und ausgeschiedenen Teilnehmer ansprechend und Vereine können die Chance nutzen, sich innerhalb des Rahmenprogramms zu präsentieren, näheren Kontakt zu suchen, kostenfreie Schnupperkurse als direkte Einladung in den Verein anbieten und so die Akquirierung von neuen Mitgliedern einzuleiten. Musik und Showacts bereiten eine launige Atmosphäre und komplettieren das Rahmenprogramm. Durch die rechtzeitige und offensive Ankündigung der Veranstaltung werden nicht nur Teilnehmer, sondern auch Zuschauer für die Veranstaltung gewonnen – diese verleihen der Aktion selbst einen stärkeren Anstrich von Bedeutung und lassen sich möglicherweise auch selbst langfristig für den Tennissport begeistern. Die Einladung der lokalen Presse sorgt dafür, dass der Event als regionales Ereignis nachklingt und verstärkt bei den Teilnehmern zusätzlich das Gefühl des besonderen Erlebnisses.

Neben den Landesverbänden organisiert auch die Deutsche New Tennis Bewegung e.V. in Zusammenarbeit mit Tennisvereinen, Schulen, sozialen Jugendeinrichtungen und Sportverbänden Aktionen und Events rund um das Tennis auf der Straße, das hier jedoch nicht ‚Street-Tennis‘, sondern schlicht Straßentennis heißt – und auch ein wenig anders gestaltet ist. Die Deutsche New Tennis Bewegung e.V. ist ein 2003 gegründetes Projekt zur Förde-rung des Breitensports Tennis in Deutschland. Der Physiotherapeut Frank Schlottmann hat im Rahmen des Projektes das Konzept des Straßentennis entwickelt, um dem Mitgliederschwund in Tennisvereinen entgegenzuwirken und den Sport beliebter zu machen. Besonders für sozial schwache, aber sportbegeisterte Jugendliche setzt sich die Deutsche New Tennis Bewegung ein. Sie ebnet Jugendlichen den Weg von der Straße in die Tennisvereine, um ihnen eine Perspektive zu bieten, die ihnen Werte, wie Fairness, Respekt und Durchhaltevermögen vermittelt. Nicht selten finden sich unter diesen Jugendlichen unerwartete Talente, die es zu fördern gilt, was jedoch nur innerhalb eines Vereins gelingen kann. Aufgrund ihrer sozialen Herkunft ist die Integration in einen Verein manchmal mit Schwierigkeiten verbunden, da Tennis immer noch häufig als elitäre Sportart wahrgenommen wird. Die Deutsche New Tennis Bewegung e.V. sieht sich jedoch auch hier in der Verantwortung und unterstützt die Jugendlichen bei der Eingliederung in den Verein.
Ähnlich wie beim Street-Tennis-Konzept des DTB werden auch hier einige Materialien für die Veranstaltungen benötigt. Aufgrund der Philosophie dieses Förderprojektes sind sie jedoch verstärkt an die Simplizität der Straße angepasst. Hier dienen bspw. Fahrräder als Pfosten, zwischen denen ein Markierungsband (rot-weißes Absperrband) als Netz gespannt ist. Mit Kreide wird das Tennisfeld auf den Asphalt aufgezeichnet. Softbälle ersetzen die gängigen gelben Tennisbälle, denn sie sind leicht, lautlos und verursachen keine Schäden; so kann der Austragungsort viel flexibler gewählt werden und es bedarf einer wesentlich geringeren Vorbereitung. Damit eignet sich das Straßentennis optimal für Anfänger, die so mit einem Tennisschläger in der Hand direkt mit ihrer ersten Partie loslegen können. Mit dem Motto „Tennis so einfach wie Fußball“ werden die Jugendlichen auf die „Self-Made“-Tennis-Courts gelockt. Für eine ungezwungene, „coole“ Atmosphäre sorgen Musikanlagen, aus deren Lautsprechern oftmals Hip-Hop-Musik schallt. Das Förderprojekt hat sich zudem das Ziel gesetzt, den Tennissport nachhaltig zu verändern - weg vom elitären Sport und hin zum wahren Breitensport. Nicht zuletzt hat das Projekt im Jahr 2009 in der Kategorie Gesellschaft den Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ gewonnen. Bei diesem Wettbewerb werden innovative Ideen ausgezeichnet, die förderlich für die deutsche Gesellschaft sind.
Das Besondere an den Marketing-Maßnahmen Street-Tennis und Straßentennis ist die spontane Interaktivität. Denn vornehmlich Kinder können dadurch vermehrt für eine derartige Veranstaltung und damit auch nachhaltig für Tennis begeistert werden. Die Faszination für den Tennissport wird gerade bei Kindern weniger mittels Broschüren oder Werbeanzeigen hervorgerufen werden können. Straßentennis ist zudem auch ohne Veranstalter flexibel umsetzbar. Und jederzeit spielen zu können heißt in der Regel auch, länger am Ball zu bleiben. Eine „Zwischenform“ der vorgestellten Varianten von Tennis auf der Straße bietet die amerikanische Marke Street TennisTM, die eine eigene Produktlinie produziert und sich mit dieser auch an Privatverbraucher wendet; im deutschsprachigen europäischen Raum ist Street TennisTM jedoch (noch) nicht explizit vertreten.

Tennis Play+Stay und Tennis 10s

Tennis Play+Stay ist eine Kampagne, die 2007 von der International Tennis Federation mit dem Ziel lanciert wurde, den Tennissport für Anfänger attraktiv zu gestalten und ihnen den Einstieg in den Sport zu erleichtern. Die Initiative wirbt mit verschiedenen zentralen Botschaften. Eine davon lautet „Tennis ist einfach, mit der richtigen Lehrmethode und dem geeigneten Material“; gemeint ist damit für die Jüngeren: kindgerecht. Und genau das müssen sich die Tennisvereine verstärkt auf die Fahnen schreiben. Denn nur durch die Schaffung geeigneter Voraussetzungen kann Kindern der Spaß am Tennis vermittelt werden. Die Trainingsmethoden müssen anders als die für die Erwachsenen sein, es muss individuell auf die Bedürfnisse der Jüngsten eingegangen werden. Bereits das Lernverhalten der Kinder unterscheidet sich von dem der Erwachsenen. Es ist geprägt durch visuelle Eindrücke. Folglich lernen Kinder am schnellsten dadurch, dass ihnen etwas gezeigt wird, das sie anschließend umsetzen können. Das Training auf den gängigen Einzelfeldern, mit konventionellen Schlägern und gelben Bällen ist für Kinder nicht geeignet. Hierbei haben sie kaum Erfolgserlebnisse, sind möglicherweise schon nach der ersten Tennisstunde frustriert, und verlieren mit dem Spaß auch das Interesse am Tennisspielen. Von Anfang steht bei Play+Stay das spielerische Tennis im Vordergrund; Aufschlag, Return, Ballwechsel und das Spiel um Punkte stehen im Mittelpunkt des Trainings. Technische Lösungsmöglichkeiten fließen erst später und angepasst an den individuellen Entwicklungsstand der Spieler ein. Neben geeigneten Trainingsmethoden ist passendes Equipment Voraussetzung. Ball, Schläger und Platz sind an die physischen Eigenschaften der Kinder angepasst. Tennis Play+Stay heißt, dass je nach Altersstufe der Kinder die Tennisschläger leichter und kürzer sind, mit langsameren und leichteren Tennisbällen und auf verkleinerten Courts gespielt wird. Diese ermöglichen von Beginn an Ballwechsel und damit die so wichtigen Erfolgserlebnisse. Die abgebildete Tabelle enthält Details zum Konzept „Rot-Orange-Grün“ von Tennis Play+Stay, das die verschiedenen Materialanpassungen für die jeweiligen Altersgruppen der Kinder aufzeigt. Österreichischer und Schweizer Tennisverband setzen Teile der Play+Stay-Kampagne auch innerhalb des Kinderförderungsprogramms Kids Tennis um. Schweizer Vereine können als zusätzliche Maßnahmen z.B. das Play+Stay Event Car mit umfangreichem Equipment für Veranstaltungen buchen (Gundpauschale: 400,- CHF/Tag inkl. Hin- und Rückfahrt sowie Auf- und Abbau; Mehrtagesseinsätze, Ballonwettbewerb und Administration durch Swiss Tennis können hinzu gebucht werden) oder ihre Kids Competitions beim Verband anmelden, um Teilnehmern die Chance zu schaffen, für die Kids Champions Games ausgelost zu werden. Die Play+Stay-Initiative ist darüberhinaus auch für erwachsene Anfänger gedacht und hat zusätzlich das Fitnesstraining Cardio-Tennis im Programm.
Das Konzept „Rot-Orange-Grün“ ist auch für die Neuregelung Tennis 10s gültig, die der Tennis-Weltverband ITF zum 01.01.2012 verpflichtend einführt. Wettkämpfe und Turniere dürfen ab dem kommenden Jahr für Kinder bis zum 10. Lebensjahr nur unter Einhaltung dieser Regeln durchgeführt werden. Für alle ab 11 Jahren werden die bislang üblichen Methoden, Regeln und Materialen eingesetzt.

Stufen Alter Ball Schläger Platz
Rot 5-8 Jahre

roter Ball
(75% langsamer als gelber Ball)

Empfohlene Größe: 41-49 cm  Kleinfeld (11x5,5m)
Orange 8-10 Jahre

oranger Ball
(50% langsamer als gelber Ball)

Empfohlene Größe: 53-63 cm Midfeld (18x8 m)
Grün 9-10 Jahre

grüner Ball
(25% langsamer als gelber Ball)

Empfohlene Größe: 63-68 cm  Normales Einzelfeld

 

talentinos

Eine weitere Nachwuchsinitiative greift die Konzeption von Tennis Play+Stay auf: talentinos ist ein relativ neuartiges Kinder- und Jugendkonzept für Jungen und Mädchen von 6 bis 14 Jahren. Das talentino-Wiesel begleitet als Maskottchen der Kampagne die Jüngsten bei ihrem Einstieg in den Tennissport. Besondere Leistungen werden mit Aufklebern, T-Shirts und neuen Funktionen im Internet belohnt. Talentino-Tennis-Tag oder talentino-Tennis-Camp bieten weitere Anreize. Lernfortschritte werden auf Erfolgspostern und auf der Webseite von talentinos dokumentiert. Dort können sich auch die Eltern über den Trainingsstand und anstehende Lerneinheiten ihres Sprösslings informieren. Bislang ist talentinos nur im Bayerischen, Niedersächsischen und Badischen Tennisverband integriert. Die Landesverbände schulen Vereinsverantwortliche und Trainer, begleiten sie bei der Umsetzung des Konzepts in ihrem Verein, ermöglichen regelmäßige Fortbildungen und stellen Startpakete mit Werbemitteln, Postern, Urkunden u.v.m. Diese Serviceleistungen sind in der Jahresgebühr von 100€ enthalten, die jeder Verein, der am talentino-Club-Konzept teilnimmt, an den Verband entrichtet.
Street-Tennis, Straßentennis, talentinos und Tennis Play+Stay sind allesamt kindgerechte Lehrkonzepte. Hinter letzterem steckt wortwörtlich die Botschaft, die für alle vier gilt und sicher auf der Wunschliste der allermeisten Tennisvereine steht: Tennis spielen und im Verein bleiben, für die Verbesserung der Vereinssituation und der Mitgliederzahlen. Mit Engagement und den passenden Konzepten können diese Wünsche in Erfüllung gehen. ▪ KF


Eine Street-Tennis-Veranstaltung organisieren

Aufstellung eines Organisationsteams, das sämtliche Aufgabenbereiche abdeckt und die für die Ausrichtung der Veranstaltung erforderlichen Maßnahmen abwickelt.

■ Organisieren von freiwilligen Helfern, um die Durchführung der Veranstaltung bewältigen zu können. Beim Aufbau der Anlagen oder beim Herrichten des Veranstaltungsplatzes wird oftmals Hilfe benötigt.

Erarbeitung eines Zeitplans, in dem festgehalten ist, zu welchem Zeitpunkt welche Organisationsstufe erreicht werden soll.

Aufstellung eines Finanzierungsplans und Ausfindig machen von Sponsoren, die die Veranstaltung unterstützen.

Beschaffung der Geräte und Materialien für die Veranstaltung. Dazu zählen Kleinfeldnetzanlage, Kinder-/Normalschläger, Methodikbälle, Kreppklebeband oder Kreide, ein Infostand, Laufkarten, Preise oder Streuartikel, Infomaterialien und Stifte. Empfohlen durch den Deutschen Tennis Bund werden zusätzliche Materialien, wie Werbe(blenden), Hütchen, Stangen oder eine Ballwand, eine Musikanlage und ein Aufschlagmessgerät. Einige der Geräte und Materialien stellen teilweise die Tennis-Verbände oder auch Bezirksgeschäftsstellen zur Verfügung. Nach der Veranstaltung muss dafür gesorgt werden, dass das Entliehene wieder zurückgegeben wird.

Organisation der Öffentlichkeitsarbeit vor und nach der Veranstaltung, die wichtig für die Präsentation des Vereins in der Öffentlichkei ist. Dazu zählen die Ankündigung der Veranstaltung durch Flyer, Plakate oder Presseberichte und ein Abschlussbericht über den Verlauf der Veranstaltung in der lokalen Presse.

Sammeln von Sachpreisen, wie beispielsweise T-Shirts, Kappen, Rucksäcke usw., für die Sieger der Veranstaltung.

Bereitstellen von Verpflegung vor Ort, damit sich alle Teilnehmer und Beteiligten stärken können.

■ Vorbereitung des Veranstaltungsortes für den Aufbau der Info- und Verpflegungsstände und der Kleinfeldnetzanlagen.

 

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