Kooperationen zwischen Schule und Verein

Früher hieß es: Sport in der Schule, Sport im Verein.
Heute heißt es: Vereinssport in der Schule, Schulsport im Verein.

Die Idee, Tennis in der Schule zu verankern, ist nicht neu. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt: Schon seit den 70ern besteht ein Referat für Schultennis im DTB. Racketsport ist bereits seit Jahren fester Bestandteil der Kerncurricula aller Bundesländer. Im Zwei-Jahres-Rhythmus veranstaltet der DTB seit den späten 80ern Kongresse und Meetings, um über die neuesten Entwicklungen im Bereich „Schule & Verein“ zu informieren. Schultennis-Referenten im DTB und fast jedem Landesverband sind speziell für diesen Bereich im Einsatz. Das lange währende Engagement brachte den Stein zwar ins Rollen, aber bis heute ist daraus noch keine Lawine geworden: Tennis ist noch immer wenig als Breitensport bekannt und findet als Schulsport kaum statt.
Sicherlich löst es nicht von heute auf morgen die Nachwuchssorgen eines Tennisvereins, wenn eine Kooperation mit einer Schule eingegangen wird. Aber mit ein klein wenig Aufwand wird eine große Zahl möglicher neuer Mitglieder erreicht. Der Verein tritt aktiv dem Nachwuchsproblem entgegen und präsentiert sich als offener, kinderfreundlicher und moderner Verein – ein Verein, der auf zukünftige Mitglieder zugeht, statt auf sie zu warten. Die grundlegende Voraussetzung heißt daher:

Werden Sie aktiv!

Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich über die (rechtlichen, finanziellen, materiellen) Rahmenbedingungen einer Kooperation schlau zu machen. Ebenso helfen die DTB-Broschüren sowie die Broschüren der Landesverbände (soweit vorhanden). Auch die Schultennisreferenten sollten als Ansprechpartner nicht vergessen werden. Zudem macht sich die Vernetzung mit anderen Vereinen bezahlt: Profitieren Sie davon, wenn befreundete Vereine bereits Erfahrung mit Kooperationen haben und Ihnen Tipps geben können.
Wichtig für die Planung: Um den Überblick über die Informationen nicht zu verlieren, formulieren Sie Ihre Ziele klar und deutlich; auch Selbstverständlichkeiten wie „Mitgliedergewinnung“ oder „verbessertes Image“. Sie bilden den roten Faden Ihres Konzepts und sind wichtig für eine professionelle Zusammenarbeit mit der Schule. Außerdem steht ein Ziel nie für sich allein, sondern hat eine Menge Vorteile im Gepäck, die so klar vor Augen geführt werden.
Zur Umsetzung dieser Ziele sind die vereinseigenen Voraussetzungen in personeller, finanzieller und materieller Hinsicht zu klären. Personell heißt, dass ein Schultennisreferent gebraucht wird (falls nicht schon vorhanden). Kann dieser auch die Leitung der Projekte bei einer Kooperation mit einer Ganztagsschule übernehmen? Für den Verantwortlichen ist ein Tennisassistent eine große Stütze. Vielleicht befindet sich gerade ein FSJler in Ihrem Verein, der diese Aufgabe übernehmen möchte? Oder bieten Sie interessierten Schülern die Ausbildung zum Tennis- oder Schulsportassistenten an. Ein Vorteil einer Kooperation ist auch, dass die Verantwortlichen bei der Organisation (der Kooperation und von Projekten) nie allein stehen: in Schule und auch Verein ist stets ein Ansprechpartner vorhanden.
Welche finanziellen und materiellen Mittel stehen zur Verfügung? Notieren Sie alle Möglichkeiten der Finanzierung, denn es gibt einige: Sponsoren, Kommune, Verband, Landessportjugend, Förderer, Elternbeiträge. Zum materiellen Aspekt gehört auch, dass wenigstens für einen Teil der Stunden Tennisplätze zur Verfügung gestellt werden sollten. Und auch für Tennisübungen in der Schulsporthalle wird i.d.R. zusätzliches Equipment (mind. Schläger und Bälle) benötigt. Schlussendlich gilt auch hier: Vergessen Sie Ihren Verband nicht! Leihmaterial oder günstige „Starterpakete“ können eine gute Unterstützung sein.
Mit der Klärung all dieser vereinsinternen Aspekte sind Sie gut gerüstet, um nun den Blick auf die Schule(n) in der Umgebung richten zu können.

Ob Halb- oder Ganztagsschule…

... ist dabei die entscheidende Frage. Je nachdem, um welche Schulform es sich handelt, ändern sich die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Besonders gut geeignet sind Grundschulen, da die Jüngeren weniger sportliche Präferenzen ausgebildet haben.
Sie werden nicht der einzige Sportverein sein, der eine Kooperation mit einer Schule anstrebt – gute Vorarbeit und eine vorteilhafte Präsentation des Tennissports, Ihres Vereins und Ihrer Ideen werden sich auszahlen. Überzeugend sind pädagogische und auf Kinder abgestimmte Konzepte wie Play+Stay. Spezielle Vorteile für die Schule sind u.a.:
Ausweitung des schulischen Betreuungs- und Sportangebots
Imageverbesserung der Schule durch die Vernetzung mit Vereinen und die Präsentation eines breiteren (Sport-)Kursangebots

  • Lehrkräfte werden bei Organisation und Betreuung entlastet
  • Die Zusammenarbeit mit professionellen Vereinstrainern ermöglicht der Schule eine optimale Vorbereitung auf Schulwettkämpfe bis hin zu „Jugend trainiert für Olympia“

Vorab-Kenntnisse der schulischen Rahmenbedingungen sind ein Muss, aber nicht schwierig herauszufinden. Die Homepage der Schule enthält meistens schon die wichtigsten Informationen. Gibt es z.B. eine Nachmittagsbetreuung, in die Sie sich integrieren können? Handelt es sich bei dem Angebot um Pflicht- oder Wahlveranstaltungen für die Schüler? An welchen Ansprechpartner wende ich mich? Zudem soll auch die Schule ihren Teil zur Kooperation beitragen: Sie kann die Öffentlichkeitsarbeit z.B. durch Berichte in der Schülerzeitung, auf der Homepage und am schwarzen Brett unterstützen; Vereinsplakate in der Schule und Flyer zum Mitgeben informieren Schüler und Eltern über das Projekt. Zudem sollte zumindest im Winterhalbjahr die Schulsporthalle zur Verfügung gestellt werden können.

Vielfältige Einstiegsmöglichkeiten

Eine genaue Absprache mit der Schule bezüglich Alter und Größe der Klasse(n), Zeitrahmen, Leitung und Ort des Geschehens ist erst mal grundlegend. Dann kann die Zusammenarbeit auf vielerlei Arten beginnen…

Tennis-AG

Vielerorts gibt es Nachmittagsbetreuung oder AGs, die für Schüler entweder verpflichtend oder frei wählbar sind. Die Schulen sind i.d.R. dankbar, wenn Externe die Leitung dieser Kurse übernehmen.

Schnupperkurse

Ähnlich wie eine AG, aber unverbindlicher: Ein solcher Kurs muss nicht wie eine AG das gesamte Schul(halb)jahr laufen.

Aktionstage

Sie lassen sich sehr gut an die räumlichen und materiellen Bedingungen von Schule und Verein anpassen. Zielgruppe sind vornehmlich Grundschüler. Vormittags finden ball- und tennisspezifische Spiele auf dem Schulgelände, nachmittags auf dem Vereinsgelände statt.

Thementage

Kinder lieben es, sich zu verkleiden und in Rollen zu schlüpfen. Ihre spielerische Art zu lernen ist für einen Thementag genau das Richtige. Laden Sie die Schule(n) ein und verwandeln Sie Ihr Vereinsgelände einmal in ein Indianerlager oder eine Zaubererschule. Oder wie wäre es mit einem Piratentag, Mittelaltertag, Fabelwesentag, Bauernhoftag, Dinosauriertag, Gespenstertag,…

GO Tennis

Eine Mischung aus Aktionstag und Schnupperkurs ist das vom DTB initiierte „GO Tennis“. Es besteht aus drei Phasen:

  1. Aktionstag
  2. Starterprogramm
  3. Aufnahme in den Verein

Der Aktionstag gestaltet sich als ein Durchlaufen verschiedener Bewegungs-, Quiz- und Spielstationen, die an die Walt-Disney-Welt angelehnt sind. Vormittags auf dem Schulhof, nachmittags im Verein. Im Winterhalbjahr läuft mit interessierten Kindern als Starterprogramm ein zehnstündiges Schnupper-Training. Dieses wird nach Möglichkeit von einem Trainer in der Schulsporthalle geleitet. In der dritten Phase werden die weiterhin interessierten Kinder zu vergünstigten Beitragskonditionen in den Verein aufgenommen und mit einer kleinen Feier willkommen geheißen.

Tag der offenen Tür

Der klassische Tag der offenen Tür bietet sich ebenfalls an, sollte allerdings weniger für sich allein stehen; ein guter Zeitpunkt ist z.B. kurz nach einer erfolgreich zustande gekommenen Kooperation mit einer Schule. Eltern können eingeladen und vor Ort informiert werden. Kleinere Aktionen und Spiele lassen auch hier die Kinder in den Tennissport hineinschnuppern.

TOPSPIN-Schultennis-Cup

Ein Wettkampf, für den keinerlei Kenntnisse im Tennis vonnöten sind, da auf Funcourts gespielt wird. Empfehlenswert für Grundschüler oder die Sekundarstufe I. Das Turnier findet in der Schulsporthalle statt, die Leitung übernimmt der Sportlehrer oder ein qualifiziertes Vereinsmitglied. Innerhalb eines Schulvormittags lassen sich Schulmeister ermitteln, die am Bezirksfinale teilnehmen können.

Die Eltern nicht vergessen

Die meisten der hier genannten Möglichkeiten bieten einen großen Spielraum für eigene Ideen. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die die Zusammenarbeit mit einer Schule eröffnet! Nicht zuletzt empfiehlt sich eine Kooperation mit einer Schule, weil dadurch auch die Familien auf den Tennissport aufmerksam gemacht werden. Schließlich suchen immer mehr Erwachsene einen Ausgleich zum meist bewegungsarmen Berufsalltag. Spezielle Familienpakete oder anderweitig interessante Beitragskonditionen für Eltern und Geschwister sollten daher unbedingt Teil des Konzepts sein. Anregungen, wie Eltern neben ihren Kindern für Tennis begeistert werden können, finden sich z.B. im Projekt „Familie & Tennis“ des Niederösterreichischen Tennisverbands.

Vernetzung mit anderen Ballsportvereinen

Ziel der hier dargestellten Vorgehensweise ist es, den Tennisverein an die Schule zu bringen. Dies kann aber auch nur ein Teilziel darstellen, wie das österreichische Projekt „Immer am Ball“ beweist. Dort streben die Vereine nicht nur die Zusammenarbeit mit der Schule, sondern auch mit anderen Ballsportvereinen an. So entsteht ein soziales Netzwerk, das die Zukunft der beteiligten Vereine sichern kann.
Ob allein oder mit anderen Vereinen, es gilt wohl immer der bekannte Satz von Manfred von Richthofen, ehemaliger Präsident des Deutschen Sport Bundes: „Wer sich nicht für seinen Verein um Lösungsmöglichkeiten, wie Kooperationen mit Schulen der Umgebung, kümmert, verschläft die Zukunft des Vereinssports.“ ▪ JS

VR-Talentiade
Gemeinsam mit dem Badischen Tennisverband e.V. und dem Württembergischen Tennis-Bund e.V. möchten die Raiffeisenbanken und Volksbanken Württembergs Talente in verschiedenen Sportarten fördern. Eine Spielrunde der VR-Talentiade (aus wahlweise Midcourttennis, Kleinfeldtennis oder diversen Geschicklichkeitsspielen) schult auf vielfältige Weise die Talente der Kinder.

 

Vorteile einer Kooperation für Vereine...

Mehr Mitglieder und dementsprechend mehr Mund-Propaganda
Eine steigende Mitgliederzahl durch Kinder verjüngt den gesamten Altersdurchschnitt und macht den Verein für weiteren Nachwuchs und Familien attraktiver.
Überhaupt sollte die Familie nicht vergessen werden: Auch die Eltern, Geschwister und Freunde der Kinder sind potentielle
Mitglieder.
Es macht sich über kurz oder lang nicht nur in der Außenwirkung, sondern auch innerhalb des Vereins bemerkbar, wenn Mitglieder stolz sind, einem zukunftsorientierten Verein anzugehören.
Nicht nur das Vereinsleben, sondern auch die Vereinskasse wird belebt.
Unter den neuen Mitgliedern wird sicherlich das eine oder andere Talent zu entdecken sein; gute Förderungen werden außerdem zusätzlich honoriert.
Das Image des Vereins wird durch die offensichtliche Kinderfreundlichkeit verbessert.
Die mediale Präsenz (auch außerhalb tennisbezogener Presse) steigt.
Regelmäßige Artikel in der lokalen Presse stärken die Mund-Propaganda und das Bewusstsein für den Verein vor Ort.
Ein gutes Image und eine gesteigerte mediale Präsenz erhöhen die Attraktivität des Vereins für Sponsoren

 

...und Schulen

Ausweitung des Betreuungs- und Sportangebots und dementsprechende Imageverbesserung
Entlastung der Lehrkräfte
Professionelle Vorbereitung auf "Jugend trainiert für Olympia"

 

Rechtliches

Die Rahmenbedingungen einer Kooperation unterscheiden sich nicht nur von Halb- zur Ganztagsschule, sondern auch von Bundesland zu Bundesland. Informationen sind daher beim jeweiligen Verband, dem Landessportbund oder der Schulbehörde einzuholen. Unterschiedlich kann z.B. sein:

  • ob und mit welchen finanziellen und materiellen Mitteln der Landesverband die Kooperation fördert
  • ob den Ganztagsschulen ein sog. Mittelkontingent zur Verfügung steht, das für außerunterrichtliche bzw. außerschulische Veranstaltungen genutzt werden kann
  • ob nur Sportlehrer und lizensierte Übungsleiter oder auch Trainer, Jugendleiter und Schulsport- bzw. Tennisassistenten die jeweiligen Projekte leiten dürfen
  • wie die Kooperation rechtlich abzusichern ist: es kann z.B. eine Absegnung durch die Landesschulbehörde nötig sein, oder aber die Kooperation wird direkt durch einen Vertrag zwischen Verein und Schule besiegelt

 

Allgemein gilt: am besten ist eine Mischfinanzierung aus Vereinsmitteln und Fördermitteln aus den unterschiedlichsten Institutionen (z.B. Verband, Förderverein, Gemeinde-/Stadtsportverband, Stadt-/Kreissportbund, Landessportbund, Sportjugend) Sponsoren und evtl. geringen Elternbeiträgen

 

Kritisches

Der DTB stellt mehrere Broschüren zur Verfügung, allerdings lohnt sich die Anschaffung der von 1992 stammenden Broschüre „Kooperation im Tennis Schule – Verein“ eher weniger, da sie in wichtigen Punkten nicht mehr aktuell ist.
Es ist zwar erfreulich, dass der sich ausbreitende Wandel zur Ganztagsschule ausführlich aufgegriffen wird. Leider fehlen dafür in den meisten Broschüren bzw. auf vielen Internetseiten Informationen über die Regelungen zur Halbtagsschule völlig. Auch auf Anfrage war es schwierig, nähere Informationen über die unterschiedlichen Regelungen zu erhalten.
Die Informationsmöglichkeiten fallen im Verbandsvergleich sehr unterschiedlich aus. Viele bieten zwar Leitfäden für Projekte, aber unzureichende bis gar keine Informationen über die Rahmenbedingungen einer Kooperation. Manche verweisen nur auf die Homepage des DTB, anstatt sich um die landeseigenen Regelungen zu kümmern. Oftmals sind Hinweise auf Veranstaltungen, wie Lehrerfortbildungen, mehrere Jahre alt. Schlimmstenfalls fehlt der Punkt „Schultennis“ völlig. In vielen Punkten vorbildlich sind z.B. der Niedersächsische, der Westfälische und der Hessische Tennisverband.

 

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