"Immer am Ball"

"Die Kinder haben extrem viel Spaß, die Eltern sind begeistert und die Schulen und Vereine geben positives Feedback" – solche Reaktionen wünscht sich wohl jeder Organisator für sein Sportprojekt.

"Immer am Ball" ist das Niederösterreichische Konzept, das von Sport.Land.Niederösterreich und einigen Ballsportfachverbänden im Jahr 2010 ins Leben gerufen wurde. Das große Ziel: den Status Quo des Kindersports in Schulen positiv zu verändern. Der reguläre Sportunterricht wird immer mehr zugunsten der bewegungsarmen, ‚wichtigen‘ Fächer gekürzt. Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder wird unterdrückt, das Risiko für Übergewicht steigt. Da eine sportartspezifische Ausbildung für Lehrer fehlt, ist professionelles Unterrichten einzelner Sportarten kaum möglich. Kinder sind zwar begeisterungsfähig, die lebenslange Liebe zum Sport aber entwickelt sich eher unter professioneller Anleitung.
Stefan Grubhofer, einer der Organisatoren von "Immer am Ball", ist überzeugt, dass Zusammenarbeit diese Probleme lösen kann. Das konkurrierende Buhlen der Vereine um Schüler, so sagt er, bringe nichts. Also wurden die niederösterreichischen Fachverbände von Basket-ball, Volleyball, Handball, Tischtennis und Tennis in ein Boot geholt. Gemeinsam arbeitet man daran, die Idee eines polysportiven Angebots umzusetzen. „Kinder wollen und brauchen sportliche Angebote, bei denen sie viel ausprobieren können. Da ist solch ein Angebot ideal, das viele Bereiche eines Sports umfasst“, so Grubhofer. Und da Ballsportarten nie langweilig werden, bieten sich diese besonders an.

Alle können profitieren

Dass das die richtige Idee war, zeigt das erfreulich positive Feedback, das alle Beteiligten verlauten lassen: die Schulen sind froh, dass sie professionelle Unterstützung von Seiten der Vereine für den Sportunterricht bekommen; außerdem müssen sie sich nicht allein um eine abwechslungsreiche und ausreichende Auslastung des Sportangebots kümmern. Die Vereine freut, dass sie bei ihren Bemühungen um nachhaltige Mitgliederwerbung und -bindung nicht allein dastehen: die Zusammenarbeit mit Sport.Land.Niederösterreich und anderen Vereinen nimmt ihnen einen Großteil der Organisationslast von den Schultern. Und die Eltern freuen sich, dass sie anhand eines ‚Bewegungspasses‘ ihrer Kinder nachvollziehen können, wo diese welchen Sport ausüben. Sie wissen ihre Kinder gut betreut und werden außerdem vorab bei Elternabenden über die Aktion informiert. Und nicht zuletzt haben lt. Grubhofer die Kinder selbst „extrem viel Spaß – und das nicht nur wegen des sportlichen Spielens allein: wichtig ist für sie auch, dass persönliche Ansprechpartner aus dem regionalen Verein vor Ort sind.“

Die Nachfrage ist groß

Der Anspruch, nur lokale Übungsleiter und Trainer statt ‚Mietcoaches‘ als Betreuer einzusetzen, stellt die Organisatoren in den ländlichen Gebieten bereits vor einige Probleme. Erfreulich viele Schulen und Vereine melden Interesse an, müssen aber zwei grundlegende Bedingungen erfüllen: vor Ort müssen mind. drei Ballsportvereine sowie genügend zeitlich flexible Betreuer vorhanden sein. Gerade letzteres erweist sich immer wieder als nicht ganz einfach. Die Zusammenarbeit mit Schulen bringt es mit sich, dass die Projekte weitestgehend vor- und nachmittags stattfinden. Viele der ehrenamtlichen Betreuer haben aber erst abends, nach ihrem eigenen Berufsleben, Zeit. Um diesem Problem zu begegnen, müssten Ehrenamtliche zu Vollzeit-Trainern werden, was aber kaum realisierbar ist.
Zumindest in den Städten besteht dieses Problem jedoch nicht. Dort seien ausreichend hauptamtliche Trainer vorhanden, um das Programm von "Immer am Ball" problemlos umsetzen zu können, so Grubhofer.

Alles gut organisiert? - Nachhaltige Mitgliederwerbung

Der Ablauf des Programms sieht vor, dass verschiedene Bewegungseinheiten einerseits im regulären Sportunterricht, andererseits im Verein stattfinden. So lernen die Kinder nicht nur die unterschiedlichen Sportarten im gewohnten Umfeld kennen, sondern wissen auch gleich, wo sie diese in ihrer Freizeit und ggf. professionell trainieren können. Zudem gibt es Infoabende für die Eltern und Sportfeste in den Schulen. Einen optionalen Gutschein über 20 € können die Kinder nach Abschluss des Programms bei einem Eintritt in den Verein auf den Mitgliedsbeitrag anrechnen lassen. Durchschnittlich 15% aller Kinder nutzen diesen Gutschein, um in das Vereinsleben hinein zu schnuppern – nicht überwältigend viel, aber Organisatoren und Ballsportverbände gehen von einer nachhaltigen Einsteigeraktion aus, so Grubhofer. Man rechne damit, dass sich die Drop-Out-Quoten zwar nicht wesentlich verringern, aber dass aufgrund der Bekanntheit der Ballsportarten die Kinder sowohl am Ball als auch dem Sport treu bleiben. ▪ JS

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