Lebwohl TeXX, Willkommen Leistungsklassen

Zur Saison 2011/2012 löst ein Leistungsklassensystem nach französischem Vorbild den deutschen Tennisindex (TeXX) als bisherige Grundlage zur Einstufung der individuellen Spielstärke ab.

(von Annika Fischer - RETURNAL Redaktion)  Das Leistungsklassensystem ist in den vergangenen Jahren bereits in mehreren Landesverbänden des Deutschen Tennis Bundes (DTB) – im Saarland bereits seit 1993 – erprobt worden. Mit Beginn dieser Saison folgt jetzt die verbindliche Einführung in allen 18 Landesverbänden.

Das System

Das Leistungsklassensystem setzt sich aus 23 Leistungsklassen (LK) zusammen, die den Bereich vom „Profi“ (LK 1) bis zum „absoluten Anfänger“ (LK 23) abdecken. Die Spielerinnen und Spieler werden hierbei in Gesamtlisten – differenziert nach Geschlecht, aber unabhängig vom Alter – eingeordnet. Auf der Basis der Spielergebnisse zwischen dem 1. Oktober eines Jahres und dem 30. September des Folgejahres jeweils zum 30. September die Leistungsklassen neu berechnet. Alle Ergebnisse, die in offiziellen Mannschaftswettbewerben (von der Bundesliga bis zu den unteren Spielklassen) und Turnieren mit LK-Wertung (Ranglistenturniere, Verbands-, Bereichs- und/oder Kreismeisterschaften) erreicht wurden, zählen hier mit hinein. Kinder unter 10 Jahren werden im LK-System noch nicht bewertet.

Die Wertung

Der LK 1 als „Profiklasse“ gehören nur die Sportlerinnen und Sportler an, die auf der Jahresrangliste des DTB geführt werden. Spieler der LK 2 bis 23 können ihre LK verbessern oder bestätigen, indem sie Spiele gewinnen. Abhängig von der Einstufung der Gegner können bei einem Sieg zwischen 5 und 150 Punkte erzielt werden. Siege gegen höherklassige Gegner bringen dabei mehr Punkte ein. Wenn beispielsweise ein Spieler gegen einen eine Klasse besser eingestuften Gegner gewinnt, erhält er hierfür 100 Punkte, bei einem Sieg gegen einen 3 LK schlechter eingestuften lediglich 10. Das persönliche Punktekonto kann auch über Bonuspunkte aufgebessert werden. Maluspunkte, die zumeist bei Nichtantreten vergeben werden, können sich in diesem Zusammenhang jedoch negativ auswirken.

Aufstieg, Verbleib, Abstieg

Innerhalb einer Saison kann jeder Sportler um bis zu 5 LK aufsteigen. Um aufsteigen zu können, muss zum einen innerhalb der Saison eine bestimmte Punktzahl erspielt worden sein: Zum Aufstieg um eine LK sind beispielsweise 250 bis 499 Punkte erforderlich, für einen Aufstieg um 3 LK 750 bis 1109. Einen Aufstieg um 5 Klassen innerhalb eines Jahres kann man erst mit einem Punktekonto von 1500 oder mehr erreichen. Eine „Punktesammeltour“ auf dem Rücken durchweg schwächerer Gegner ist ausgeschlossen, denn neben derPunktzahl müssen auch Siege gegen höherklassige Gegner erzielt werden. Um in die LK 2 bis 6 aufzusteigen zu können, müssen drei Siege gegen Gegner höherer Klassen erzielt werden, für die LK 7 bis 14 sind es noch zwei Siege und im Bereich zwischen LK 15 und 19 nur noch einer. Für einen Aufstieg in die LK 20 bis 22 wird hingegen nur die erreichte Punktzahl herangezogen.
Für den Verbleib in einer LK gelten ähnliche Voraussetzungen. Zum einen muss ebenfalls eine bestimmte Punktzahl erreicht werden (80 bis 249), zum anderen sind für einen Verbleib in den LK 2 bis 12 mindestens zwei Siege gegen gleich oder besser eingestufte Gegner vorzuweisen, für die LK 13 bis 19 wird ein solcher Sieg benötigt.
Hat ein Spieler zwar die benötigte Punktzahl zum Verbleib erreicht, die Mindestanzahl an Siegen dagegen nicht, muss er um eine LK absteigen. Gleiches gilt für den Fall, dass man in einer Saison nur zwischen 30 und 79 Punkten erspielt hat. Ein Abstieg um 2 LK erfolgt bei weniger als 30 erspielten Punkten.

Entwicklungspotenzial

Die Einrichtung eines deutschlandweit vergleichbaren Systems, in dem alle Teilnehmer an offiziellen Turnieren altersunabhängig, nur anhand ihrer Leistung in eine Rangfolge gebracht werden, führt zu faireren Mannschaftsmeldungen, setzt Wettbewerbsanreize – man will ja die eigene LK verbessern – und erweitert Turnierangebote und -beteiligungen mit Turnieren für jeweils bestimmte LK. Das Leistungsklassensystem ermöglicht zusätzlich jedem Spieler, anhand seiner Ergebnisse und der entsprechenden Punktzahl (im Internet über die jeweiligen Landesverbände einsehbar) selbst einzuschätzen, in welcher LK er in der nächsten Saison vertreten sein wird oder auszurechnen wie viele Punkte er noch benötigt, um seine derzeitige LK zu halten oder zu verbessern. Damit werden weitere Anreize zur aktiven Teilnahme an Mannschaftswettbewerben und Turnieren geschaffen.
Deutschland und Frankreich verfügen jetzt über ein vergleichbares System zur Erfassung der relativen Spielstärke aller an offiziellen Turnieren teilnehmenden Tennissportlerlinnen und -sportler. Eine weitere Vereinheitlichung auf europäischer Ebene ist noch nicht zu erkennen. Der Österreichische Tennisverband (ÖTV) sowie der Schweizerische Tennisverband (Swiss Tennis) verfahren noch nach eigenen Modellen. In der Schweiz werden die lizensierten Tennisspieler entsprechend ihres Spielniveaus in vier nationale sowie neun regionale Spielklassen eingestuft. In Österreich griff man auf die von der International Tennis Federation (ITF) entwickelte International Tennis Number (ITN) zurück und entwickelte daraus das landesweit gültige System, die bet-at-home.com ITN AUSTRIA.

Weiterführende Links zum Thema

http://www.dtb-tennis.de/downloads/20_Leistungsklassenordnung.pdf

http://itn.tennisaustria.liga.nu/wie-stark_lang.php

 

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