Krise im DTB

Präsident Karl-Georg Altenburg entfacht heiße Diskussion um frühere Führung des deutschen Tennissports

„Wir haben eine Situation vorgefunden, die schlimmer war als gedacht“, verkündet  Karl-Georg Altenburg, neuer Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB). „Viele Dinge waren in einem furchtbaren Zustand.“ Sein Amtsvorgänger Georg von Waldenfels verlässt daraufhin, empört über eine solch harsche Kritik an seiner Person, sofort den Saal. 

Mit seiner Rede in Bad Neuenahr am 11. November dürfte Karl-Georg Altenburg nicht nur auf der dortigen Mitgliederversammlung für verdutzte Gesichter gesorgt haben. Indem er dem früheren Präsidenten des DTB, Georg von Waldenfels, eine mangelhafte Führung des Verbandes vorgeworfen hatte, entfachte er einen heftigen Streit in der deutschen Tenniswelt.
Georg von Waldenfels verzichtete am 13. November 2011 nach 12 Jahren Amtszeit auf eine erneute Kandidatur als Präsident des DTB. Noch am selben Tag trat Altenburg die Nachfolge des Amtes an. Bereits im Vorfeld des Rücktritts hatte es Vorwürfe gegen den früheren Präsidenten gehagelt. Wichtige Turniere hätten während seiner Amtszeit enorm an Bedeutung verloren, wären teils sogar eingestellt worden. Altenburg fiele die Nachfolge äußerst schwer, wie er auf der Mitgliederversammlung 2012 berichtet. Es herrsche eine katastrophale finanzielle Lage. Verträge zu anderen Tennisverbänden wären zu seinem Amtsantritt in einem inakzeptablen Zustand gewesen und eine Onlineplattform, im heutigen elektronischen Zeitalter unabdingbar, habe nicht existiert.

von Waldenfels wehrt sich

Der Ex-Präsident wehrte sich in einem Brief an seinen Nachfolger immens gegen diese Vorwürfe. „Ihr Versagen im ersten Jahr Ihrer Präsidentschaft mit unbegründeten Vorwürfen an das Vorgänger-Präsidium zu begründen, ist ein unglaublicher Vorgang“, setzte Waldenfels dem aktuellen Präsidenten in einem Brief entgegen. Mit seinem Auftritt habe Altenburg die Werte des Tennissports – Fairness, Respekt und Würde – verletzt. Da es dem derzeitigen Präsidium nicht gelänge Sponsoren anzuwerben, könne keine positive Bilanz gezogen werden, obwohl Waldenfels das Amt schuldenfrei verlassen habe. Außerdem habe der Geschäftsführer Stephan Brune – von dem sich der DTB wie auch vom Pressesprecher Oliver Quante im November trennte – ungerechtfertigte Konditionen erhalten: „240.000 Euro + mögliche Tantiemen“. Durch die halbjährige Kündigungsfrist, so Waldenfels, sei dem DTB „ein Schaden von insgesamt mindestens 360.000 Euro“ entstanden. Altenburg teilte der Süddeutschen Zeitung durch seinen Sprecher mit, dass man diese Summe nicht bestätigen könne.

Landesverbände melden sich zu Wort

Die Lage im deutschen Tennissport spitzte sich danach weiter zu. Neben Ulrich Lange, dem Präsidenten des Württembergischen Tennisbundes, der sich von Waldenfels persönlich enttäuscht zeigte, kritisierte der Präsident des hessischen Tennis-Verbandes Dirk Hordorff Waldenfels‘ Aussagen in einem offenen Brief äußerst scharf. Es sei richtig, dass Waldenfels Schulden getilgt habe. Doch zu welchem Preis? Fakt ist, dass Waldenfels sowohl Damenturniere als auch 25 Prozent der Lizenzen am Hamburger ATP-Turnier verkaufte. Hordorff führte dem ehemaligen Präsidenten ins Gedächtnis, dass bereits vor seiner Amtsniederlegung ein Großteil der Mitglieder nicht länger bereit war, ihm Vertrauen entgegenzubringen. Aber mit Methoden „unterhalb der Gürtellinie“ habe er um seinen Posten gerungen, kritisiert der Präsident des Hessischen Tennis-Verbandes.
Eine Reaktion auf die schweren Anschuldigungen blieb selbstverständlich nicht aus. Der Ex-Vizepräsident für Finanzen im Deutschen Tennis Bund Ulrich Kroeker verteidigte in einem offenen Brief das Handeln des Ex-Präsidenten Waldenfels. Kroeker gab als ehemaliger Finanzchef detaillierte Auskünfte über die Ausgaben und Einnahmen des DTB zwischen 2001 und 2011. Finanzierungen wie der Ausbau der Rothenbaum-Anlage in Hamburg seien für den Tennissport eine Notwendigkeit gewesen. Geschäftliche Verluste habe der DTB aufgrund ungünstiger Ereignisse verbucht. So meldete 2001 die ISL-Gruppe, der Marktführer in Sachen Sportmarketing, Insolvenz an. Doch durch geschickte Verhandlungen und überlegte Investitionen sei dem Präsidium die finanzielle Rettung des DTB geglückt.

Plädoyer für neue Führung

Norman Bingeser, Chefcoach des deutschen Meisters der Damen TC Radolfzell, konterte die Aussagen des ehemaligen Finanzchefs in einem Leserbrief auf der Internetseite tennisredaktion.de, in dem er ihm Mitverschulden an Waldenfels‘ Fehlentscheidungen unterstellte. Auch er habe wie der Ex-Präsident zum Ende seiner Amtszeit hin jegliches Vertrauen der Mitglieder verloren. Er versuche, von ihm unterschriebene Verträge, die dem Bundesausschuss nie vorgelegt wurden, schön zu reden. Durch Amtsinhaber wie ihn, denen nichts am Wohl des Tennissports, sondern vorwiegend an persönlichen Interessen liege, sei es zu so dramatischen Negativ-Bilanzen gekommen. Bingeser fordert die frühere Spitze des DTB auf: „Lasst die aktuelle kompetente DTB-Führung endlich in Ruhe ihren Job machen, Ihr habt Eure Chance vertan.“

Vorerst herrscht Frieden

Nach all den Vorwürfen und erhitzten Gemütern scheint sich die Situation nun vorerst entspannt zu haben. Der DTB ließ Anfang des neuen Jahres in einer Presseerklärung verlauten, dass sich der Präsident und sein Amtsvorgänger im Beisein von Robert Hampe, dem Sprecher des DTB-Bundesausschusses „ausgesprochen und dabei Missverständnisse ausgeräumt“ hätten. Altenburg erklärte in diesem Gespräch, er habe mit seiner Rede vom 11. November keinen Vorwurf an das alte Präsidium verbinden wollen. Wenn dieser Eindruck entstanden sein sollte, bedaure er dies. Er habe lediglich auf die schwierige Ausgangslage des neuen Präsidiums hinweisen wollen. Waldenfels seinerseits erklärte, er werde der Arbeit des neuen Präsidiums mit Respekt begegnen. Beide versicherten, dass von nun an einzig das Wohl des DTB im Mittelpunkt stehen solle.
Bleibt zu hoffen, dass Altenburg und Waldenfels sich an ihren Vorsatz halten. Denn noch eine öffentlich geführte Kontroverse dieser Art dürfte weder dem Wohl des DTB noch dem des Tennissports in Deutschland im Allgemeinen zuträglich sein.

Witerführende Links:
Dirk Hordorffs Brief an Georg von Waldenfels im Wortlaut:
http://www.htv-tennis.de/klarstellung-htv-praesident-dirk-hordorff.php

■ Stefanie Kratzsch
Deine RETURNAL Redaktion

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