Schweiz: Tenniscenter im Aargauischen Verband verlangen mehr Mitspracherecht

Konflikt im Aargau 

Auf der Generalversammlung des ATV am 11. Januar 2013 erreichte die Auseinandersetzung zwischen dem Aargauischen Verband und den dazugehörigen Centern einen Höhepunkt. Die Center forderten ganz offensiv mehr Mitsprache und Gleichberechtigung im Verband. 

Auslöser des ganzen Konflikts war Anfang des Jahres 2012 das Vorhaben des nationalen Tennisverbandes Swiss Tennis, eine allgemeine Turniergebühr einzuführen. Die Regionalverbände zeigten sich nicht bereit, diese Zahlungen vorzunehmen. Deshalb wurde im März vergangenen Jahres auf der Delegiertenversammlung des schweizerischen Nationalverbandes beschlossen, die Mitgliedsbeiträge für kommerziell geführte Tenniscenter in der Schweiz zu verdoppeln. Die Center wurden damit verpflichtet, eine Grundgebühr von 500 Franken und für jeden ihrer Tennisplätze Abgaben von 700 Franken zu entrichten. Die Beiträge erhöhte man so auf die Norm der Clubs, die auf Vereinsbasis geleitet werden. Infolge der Erhöhung der Abgaben verließen drei Center – Leuggern, Bustelbach und Zofingen – den aargauischen Tennisverband. Hansjörg Schifferle vom Sportcenter Wase zeigte sich als Sprecher der Tenniscenter bestürzt über die Entwicklungen im schweizerischen Tennis. „An dieser Versammlung waren die Center stark untervertreten und die Tennisclubs konnten über unsere Köpfe hinweg entscheiden“, kommentierte er nach Berichten der Aargauer Zeitung den Ausgang der Konferenz.
Ungerechte Stimmenverteilung
Die Center gaben sich mit den neuen Regelungen nicht zufrieden. Auf der Generalversammlung des aargauischen Tennisverbandes verlangten sie Statutenänderungen, um Gleichberechtigung und Mitspracherecht zu erlangen. Sie stellten das Ungleichgewicht bei der Verteilung der Stimmen zwischen Clubs und Centern heraus. Nach Anzahl der Tennisplätze erhielten die Clubs jeweils bis zu vier Stimmen, pro Center hingegen sei nur eine Stimme vorgesehen. Infolgedessen stünden den vier Stimmen, die die Center insgesamt erreichten, die 150 Stimmen der Clubs gegenüber, womit den Centern ein nur unbedeutend großes Mitspracherecht zukäme. Die Center forderten deshalb eine gleiche Anzahl an Stimmen wie die der Clubs. Des Weiteren verlangten sie eine Vertretung der Center im Verbandsvorstand.

Präsident lehnt ab

Der Präsident des ATV Roland Polentarutti zeigte sich nicht bereit, diese Anträge vollständig anzunehmen. Er genehmigte die Gleichberechtigung im Stimmrecht zwischen Clubs und Centern. „Wir sind einverstanden, den Tenniscentern dasselbe Stimmrecht zu geben wie den Clubs“, erkannte der Vorsitzende des Tennisverbandes laut Aargauischer Zeitung den Centern an. Die Statutenänderung wurde somit mit 82 von 92 Stimmen angenommen.
Polentarutti weigerte sich jedoch, der Forderung der Center nach einer Vertretung im Vorstand nachzukommen. Jederzeit bestehe für die Center die Möglichkeit, einen Vorstand aus ihren Reihen zur Wahl zu stellen. Er begründete seine Sichtweise mit der Tatsache, dass die Center anders als die Clubs keinerlei Abgaben an den Verband entrichten würden. Die Forderung auf einen Sitz der Center im Vorstand wurde deshalb mit einer überwiegenden Mehrheit von 87 Stimmen abgelehnt.
Schifferle empfindet als Interessenvertreter der Center dieses Argument des Präsidenten als ungerechtfertigt. Schließlich würden die Statuten des Schweizer Dachverbands Swiss Tennis den Centern weitere Beitragszahlungen an die Verbände untersagen. Die Center würden durch das Bereitstellen ihrer Plätze für das Juniorentraining zu günstigen Konditionen und das Austragen der Wintermeisterschaften dem Verband andere Vorzüge bieten. Der Verband ließ diese Argumente keineswegs gelten, da die Center zu diesen Leistungen nicht gezwungen seien.

Hallenmeisterschaften abgesagt

Die Auseinandersetzung zwischen Verband und Centern zeigt schon erste Auswirkungen im Tennissport des schweizerischen Kantons. Die Hallenmeisterschaften der Aktiven wurden abgesagt, da aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung durch den Verband kein Tenniscenter gefunden werden konnte, das zur Ausrichtung bereit war. Im Unklaren bleibt, ob die Center ihre Plätze weiterhin günstiger für das Training der Jüngsten zur Verfügung stellen, warnt Fabio Baranzini, der die Website des ATV betreut, vor noch gravierenderen Folgen. Eine Beeinträchtigung für den Nachwuchssport wäre fatal für die Entwicklung des Sports. Er fordert daher, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um die Zukunft des Aargauer Tennissports nicht dauerhaft zu gefährden. Sonst stehe das „Aargauer Tennis als Verlierer“ da.

Jubiläumsjahr 2013

Die Streitigkeiten setzen sich damit auch im neuen Jahr fort, in dem der Aargauische Tennisverband sein 75-jähriges Bestehen feiert. Möglicherweise bietet ein solches Jubiläum ja Gelegenheit, sich wieder auf die gemeinsamen Ziele zu besinnen und die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten im Sinne aller Tennisliebhaber im Schweizer Kanton Aargau auszuräumen.

Weiterführende Links:
Bericht von der GV 2013:
http://www.tennisaargau.ch/2013/01/kampf-um-mehr-mitspracherecht-im-atv.html

■ Stefanie Kratzsch
Deine RETURNAL Redaktion

Tags: ATV

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