Tennis Force

Sandplatztennis das ganze Jahr? 

Tennis Force verspricht im Außenbereich ganzjährig bespielbare Plätze und in der Halle Bedingungen wie auf einem klassischen Sandplatz. Mittlerweile wurde der Tennisbelag in 14 europäischen Ländern sowie in China und Australien eingebaut. Die Firma Sportas hat Tennis Force entwickelt. RETURNAL hat nachgefragt, was diesen neuartigen Belag so besonders macht und mit Vereinen gesprochen, die sich für das Produkt entschieden haben. 

Eingebaut wird der Belag von Sportas bereits seit 2001. Seitdem vergingen nunmehr zwölf Jahre, in denen das Produkt sich nach und nach auf dem Markt etablieren konnte. Seit 2007 wird Tennis Force auch in der Schweiz (Joseph Tennisplatzbau AG) und seit drei Jahren in Österreich (Sportbau Krainz GmbH) angeboten.

„Die Älteren können‘s nicht mehr und die jungen Leute sind so eingespannt im Berufsleben“

Insgesamt, so Claudia Schneider, Geschäftsführerin von Sportas, ist die Nachfrage nach den Tennis Force-Belägen recht hoch und steigt weiter an. Auch die Auftragslage in der Schweiz und in Österreich steigert sich kontinuierlich. Als Grund für das steigende Interesse vermutet Schneider unter anderem, dass viele Tennisvereine und/oder Platzbetreibende nicht mehr genügend Zeit und Personal für aufwendige Instandhaltungsmaßnahmen aufbringen können. Harald Benad, Vorsitzender des TC Kölln-Reisiek mit vier Tennis Force-Außenplätzen, bestätigt das: „Die Älteren können‘s nicht mehr und die jungen Leute sind so eingespannt im Berufsleben, dass sie die Zeit nicht mehr haben.“
Insgesamt bietet Sportas drei verschiedene Tennis Force-Beläge an: Tennis Force Outdoor, der als erstes entwickelt wurde, der Ziegelmehl-Hallenbelag Tennis Force Indoor sowie Tennis Force ES Elastic Slide, das neueste Produkt aus der Bodenbelagsriege des Unternehmens aus dem westfälischen Olfen.

Tennis Force Outdoor

Während die Freiluft-Saison auf üblichen Sandplätzen in der Regel im April beginnt und im Oktober endet, verspricht der witterungsunempfindliche Tennis Force Outdoor-Belag ganzjährige Bespielbarkeit. Ermöglichen soll das neben der Frostsicherheit die gute Wasserdurchlässigkeit, die den Platz auch nach starken Regenfällen schnell wieder matchbereit macht. Laut Schneider kann der Outdoor-Belag auf fast allen Untergründen, also sowohl auf Kunstrasen als auch auf ungebundenen oder gebundenen Flächen, eingebaut werden. Das Verfahren ähnelt zunächst dem der normalen Ziegelmehlplätze, doch die Tennis Force-Basisdecke ersetzt die übliche wassergebundene Ziegelmehldecke. Der frost- und trittsichere Tennis Force-Grundbelag misst etwa drei Zentimeter, wird mit einem elastischen Bindemittel gebunden und abschließend mit einer Gleitschicht aus Ziegelmehl abgestreut. Die Linierung besteht aus PVC. Ihr Einbau geschieht, anders als üblich, dauerhaft und somit winterfest. Laut der Schweizer Platzbaufirma Joseph ist der Bauprozess eines Tennis Force-Platzes nicht komplizierter als der eines üblichen Belags: „Die Maschinen, die benötigt werden, sind ungewöhnlich, aber ansonsten ist das Ganze lediglich Übungssache“, so David Joseph. Zwar nehme der reine Einbau ein wenig mehr Zeit in Anspruch. Dafür sei der Tennis Force-Belag jedoch schneller bespielbar als ein Standardplatz. Besonders der Umbau eines bestehenden Platzes wird von Günter Moik (Sportbau Krainz) als unkompliziert beschrieben: „Der Vorteil ist eben auch, dass bei der Umrüstung von Standardsandplätzen, die wasserdurchlässig und frostsicher gebaut wurden, nur die Tennendecke abgetragen werden muss.“

Keine FIS – kein Stress?

Da die Tennis Force-Decke zähelastisch verbaut wird und damit trittfest ist, kann der Platz theoretisch mit den ersten Sonnenstrahlen betreten werden. Auch wenn die Ziegelmehlgleitschicht über den Winter aufgeweicht ist, bleibt die Basisdecke durch das Betreten unbeschädigt. Um den Platz für die Saison fit zu machen, müssen Laub und Unrat entfernt und das Ziegelmehl abgezogen sowie erneuert werden. Da einzig die dünne Deckschicht aus Ziegelmehl besteht, ist eine wesentlich geringere Materialmenge nötig als bei üblichen Frühjahrsinstandsetzungen. Die Linien, die durch ihre Beschaffenheit nicht hochfrieren können, müssen lediglich gesäubert werden. Der Zeit- und Materialaufwand ist also mit einer FIS nicht zu vergleichen. Aufgrund der festen Basisdecke verhält sich der Platz das ganze Jahr über ebenmäßig. Voraussetzung dafür ist, dass der Platz regelmäßig mit dem Schleppnetz abgezogen wird. Gerade in der Schweiz, in der „ein raueres Klima als in Deutschland“ herrscht und die Tennisplätze oftmals höhergelegen sind, kommt der wetterbeständige Tennis Force-Belag laut der Firma Joseph gut an.
Auch die Firma Sportbau Krainz, welche die Tennis Force-Lizenz für Österreich besitzt, berichtet von großer Nachfrage aufgrund der Vorteile des Belags. Bei dem üblicherweise von starken Regen- und Schneefällen geprägten Wetter in der Alpenrepublik sei der Outdoor-Belag geradezu ideal für Tennisplätze geeignet.

Viel Wasser an heißen Tagen

Neben den vielen Vorteilen von Tennis Force gibt es jedoch auch Besonderheiten, die von den Vereinen zu beachten sind. So muss dieser Außenbelag bei sehr heißen Temperaturen viel bewässert werden. Grund dafür ist die besonders wasserdurchlässige Oberfläche, die das Feld zwar nach Regen schnell wieder bespielbar macht, bei großer Hitze aber dementsprechend rasch austrocknet. Dabei ist es nicht ausreichend, den Platz kurz mit dem Schlauch abzuspritzen. An einem heißen Tag empfiehlt es sich, oft und länger zu wässern. Eine zu geringe Bewässerung hat zur Folge, dass die ausgetrocknete Deckschicht rutschig und vom Wind verweht werden kann. Harald Benad vom TC Kölln-Reisiek kann das Problem des Nachwässerns bestätigen: „Wichtig ist bei Hitze vor dem Spiel, den Platz nochmal gut zu wässern. Es kann passieren, dass man bei Trockenheit, Wind und Sonne auch während des Spiels nachwässern muss. Das ist ein kleiner Nachteil, den man in Kauf nehmen muss“.

Korrekturen am Außenbelag

Während sich der Großteil der befragten Vereine positiv über seinen Tennis Force-Belag äußerte und keine Schwierigkeiten sah, gab es bei wenigen Vereinen auch Probleme mit der Sportas-Tennisdecke. Beim UTHC Usingen zeichneten sich nach einem Jahr Mängel ab. Durch die Verwendung eines sehr feinkörnigen Tennissands kam es bei großer Hitze und Trockenheit zu starken Verwehungen. Auch stellten sich Ablaufschwierigkeiten bei den beiden ganzjährig bespielten Plätzen ein. Nach Rücksprache mit Sportas wurde das feine Ziegelmehl gegen ein gröberes ausgetauscht. Zusätzlich werden nun die Tennis Force-Plätze, die auch im Winter unter einer Traglufthalle Benutzung finden, im Frühjahr mithilfe eines Spezialreinigers gereinigt, sodass die Drainagen wieder frei sind. Der SuS Hervest in Dorsten musste ebenso im Laufe der Zeit Probleme feststellen. Auf den zwei bis drei Jahre alten Tennis Force-Plätzen bildeten sich insbesondere im Grundlinienbereich Wasseransammlungen. Eine dauerhafte Beeinträchtigung der Wasserdurchlässigkeit sei nach Aussage der Hersteller-Firma allerdings nicht der Fall, wie Untersuchungen des Prüfinstituts ISA-Sport und eigene Tests belegten. Auch die bereits seit 2001 in den Niederlanden bestehenden Tennis Force-Plätze in Heythuysen wiesen nach wie vor eine gute Wasserdurchlässigkeit auf, erklärt Sportas.

Gefiltertes Ziegelmehl führt zu besserer Wasserdurchlässigkeit

Was jedoch vor einem Jahr geändert wurde, ist die Körnung des für die Basisdecke verwendeten Ziegelmehls, die Schicht ist „etwas offenporiger geworden“. Durch das Herausfiltern eines Anteils des feinen Mehlanteils aus dem Standardziegelmehl wird der Anteil der Feinstpartikel reduziert. Das Einstreuen von gefiltertem Mehl und anschließend einem geringen Anteil der Standardkörnung soll die Wasserdurchlässigkeit verbessern, indem sich das gröbere Mehl in den Poren festsetzt und die feinen Anteile nicht nach unten sickern. Die oberflächlich festgesetzten Mehlanteile können bei regelmäßigem Abziehen mit Netz und Stahlbesen wieder gelockert werden, „damit die Decke, die sich da verbindet, wieder aufgeraut wird – dann ist auch alles in Ordnung“, erklärt Hans-Joachim Schneider. Auch der Vorwurf, dass oftmals auf alten Tennisdecken eingebaut würde, die von vornherein in einem schlechten Zustand seien, ist nach Schneiders Aussage unbegründet: „Wenn wir einen Ziegelmehlplatz abtragen und unseren Tennis Force-Boden neu auftragen, dann ist die Wasserdurchlässigkeit vom Untergrund gegeben.“

Was kostet das Ganze?

Wie bei jedem Neubau hängt der Preis von den örtlichen Gegebenheiten ab. Zudem variierten dem Hersteller zufolge derzeit auch die Rohstoff-Preise sehr, sodass keine allgemeingültige Preisangabe vorgenommen werden kann.
Die Firma Sportbau Krainz präsentiert auf Ihrer Internetseite allerdings eine interessante Vergleichsrechnung bezüglich der Unterhaltungs- und Pflegekosten. Glaubt man den Angaben des Unternehmens, betragen diese bei Tennis Force-Plätzen nur rund ein Viertel der Kosten für einen klassischen Ziegelmehlplatz.

Tennis Force Indoor

Der Indoor-Belag HS (Hydroslide) der Tennis Force-Reihe verspricht mit Außenplätzen vergleichbare Hallenspielverhältnisse. Teppich- und Kunststoffhallenböden sind wenig bis gar nicht gleitfähig und so gestaltet sich die Umstellung von der Freiluft- zur Hallensaison für Tennisspielende mitunter schwierig. Nach Angabe von Sportas benötigen die Indoor-Plätze trotz ihrer Ähnlichkeit zu regulären Sandplätzen aufgrund der Hydroslide-Technologie kein Wasser. Die Basisdecke gleicht derjenigen, die auch im Außenbereich Verwendung findet, während die Verschleißschicht mit dem patentierten Hydroslide-Tennissand abgestreut wird und sich so in einen „permanent gewässerten Sandplatz“ verwandelt. Auch im Innenbereich wird die PVC-Linierung dauerhaft verlegt.

„Die Auslastung, die wir jetzt haben, die hatten wir mal zu Boris Becker-Zeiten in den Neunziger Jahren.“

Seit der Wintersaison 2009 kann im Essener Rabe-Tennis-Center auf dem Hallenbelag Tennis Force HS gespielt werden. Karl-Heinz Backes, der gemeinsam mit Burkhard Rabe das Tennis-Center führt, zeigt sich besonders vom gelenkschonenden Aspekt des neuen Bodens überzeugt. Viele der Hallennutzenden seien nach seinen Angaben über 50 Jahre alt und empfänden den beinahe nahtlosen Übergang von Sommer- zu Wintersaison als sehr angenehm. „Teilweise fahren die über 20 Kilometer, nur wegen des Bodens“, so Backes. In physiologischer Hinsicht sei der weiche Ziegelmehlboden im Gegensatz zu üblichen Hallenböden optimal und nutze die Gelenke nicht ab, sodass noch bis ins hohe Alter hinein Tennis gespielt werden könne. Für das Tenniscenter in Essen hat sich die hohe Investition letztlich gelohnt: Die Auslastung konnte von 60 auf 90 Prozent gesteigert werden.
Auch der TC Wewer in Paderborn ist letztendlich froh, sich bei der Überholung seiner zwei Hallenplätze für Tennis Force entschieden zu haben. Dabei zeigten sich die Mitglieder des Vereins zu Beginn wenig begeistert vom Bauvorhaben des Vorstands. Letztendlich sei vor allem der Alleinstellungsfaktor ausschlaggebend gewesen: „Das Gebäude ist schon älter und durch den Belag wollten wir uns vor allem abheben von anderen Hallen“, sagt ein Vereinsvertreter. Mittlerweile ist die Auslastung um 10 bis 15 Prozent gestiegen. In diesem Fall hat der neue Belag wie erhofft massiv zur Aufwertung der alten Halle beigetragen. Der Kostenunterschied zu den regulären Belägen war in Wewer allerdings gering und das finanzielle Risiko dementsprechend weniger groß. Für das Verlegen eines Standardbelags hätte sowohl eine Entfernung und Entsorgung der alten Oberfläche stattfinden als auch eine neue Dämpfung eingebaut werden müssen.

Tennis Force HS als Zukunftsperspektive für Hallenbetreibende?

Die Betreiber der zwei Beispielhallen haben sich überaus positiv zum Belag geäußert und berichten von einer entschieden höheren Auslastung durch den neuen Hallenboden. Zudem ergibt sich hinsichtlich des Zeitaufwands bei der Platzpflege für andere Hallenbeläge kein maßgeblicher Unterschied. Im Rabe-Tennis-Center wurde vor der Renovierung auf Granulat gespielt: „Wir hatten Granulatboden und da musste man auch viel Pflege betreiben. Wenn man natürlich Teppichboden hat, hat man die Pflege nicht. Wenn man es als Nachteil betrachtet, dass man überhaupt Platzpflege machen muss, dann ist es ein Nachteil.“ Dafür, dass der HS-Belag mit einer Schicht Ziegelmehl abgestreut wird, ist der Pflegeaufwand insgesamt jedoch vergleichsweise gering. Im Gegensatz zu Sandplätzen im Außenbereich ist es nur selten nötig, Sand nachzustreuen. In der Halle gibt es schließlich weder Wind noch Regen. Auch muss aufgrund der speziellen Zusammensetzung des Sandes, welcher der Hallenluft Feuchtigkeit entzieht, die im Gegenzug dem Boden zugeführt wird, nicht bewässert werden. Es empfiehlt sich lediglich, das für diese Reaktion benötigte Zusatzmittel Hydropur nach einiger Zeit zu ersetzen bzw. aufzufrischen.
Finanziell sei „der Preis von Tennis Force HS vergleichbar mit guten Teppichbelägen“, aber auch „abhängig von dem vorhandenen Untergrund“ erklärt Claudia Schneider.

Mehr Informationen:
SPORTAS GmbH
Claudia Schneider
Otto-Hahn-Strasse 6
59399 Olfen
Tel: 02595/3869683
Fax: 02595/3869689
sportas@t-online.de
http://www.tennisforce.de
http://www.sportas-sport.de

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