Sandmesser TM2

Es erinnert auf den ersten Blick an einen gigantischen Käsehobel oder einen futuristischen Schlitten. Tatsächlich ist es die Innovation in der Tennisplatzpflege: das Altsandmesser TM2 der Firma limtech KG, redaktionsintern auch als Ziehschlitten bezeichnet.

Steht die alljährliche Frühjahrsinstandsetzung (FIS) ins Haus, schmerzen meist schon vom Gedanken daran Rücken, Arme und Hände und freiwillige Helfer für die FIS zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Denn das Scharrieren der Plätze, das manuelle Abschaben des alten Sandes also, bedeutet normalerweise für jeden Platz einen vielstündigen Kraftakt. Und nicht immer ist das Ergebnis am Ende wirklich zufriedenstellend. Einzige Alternative zum herkömmlichen Schaber bislang: motorisierte Geräte mit Bürsten und Walzen. Geräte der mittleren Preisklasse liegen bei 2.500,- €, Zubehör- und Verschleißteile, wie Schwadformer oder Bürstenkranz (fällig nach ca. 30 Tennisplätzen), um 150,- €. Hinzu kommen Motorenlärm, Abgase und Benzinkosten. Und auch hier ist das Ergebnis nicht immer zufriedenstellend.
Seit diesem Jahr gibt es mit dem Altsandmesser der limtech KG ein völlig neuartiges Gerät für das Abtragen des Altmaterials. Optitenn hat auf den Plätzen des TSV Georgii-Allianz in Stuttgart als erste Tennisservice-Firma den TM2 getestet, für gut befunden und schon bei der diesjährigen FIS eifrig zum Einsatz gebracht. Dabei überzeugte das Gerät so gründlich, dass Optitenn den TM2 auch in Zukunft einsetzen wird. Und das sind die Gründe:

Der TM2

Mit 1 m Breite und rund 30 kg ist der TM2 kein Fliegengewicht - und das darf er auch nicht sein, denn der Druck des Eigengewichts ist nötig, um das Material vom Platz zu bekommen. An der Vorderkante der Gleitplatte des TM2 befindet sich das erste Messer; es dient zum Säubern der Bahn, nimmt Unrat und Erhebungen mit, ohne in den Boden einzugreifen. An einer Schiene hinter der Gleitplatte ist ein zweites Messer angebracht. Dieses zweite Messer erledigt den eigentlichen Sandabtrag. An zwei Verstellschrauben kann es millimetergenau (0-6 mm) und stufenlos auf die gewünschte Abtragshöhe eingestellt werden und schabt den Sand mit genauer Relation zur Gleitplatte ab. Durch die leichte Schrägstellung der Messer wird das abgenommene Altmaterial zur rechten Seite hin abgeführt, die so entstehenden Schwaden können anschließend einfach zusammengeschoben und mit Schubkarren vom Platz gefahren werden. Das Gerät ist von massiver Qualität, die Oberfläche ist beschichtet und die Messer langlebig und nachschleifbar.

Handhabung

Die Standardeinstellung für den Sandabtrag ist 2 mm, kann aber je nach Platzzustand angepasst werden. Eine volle Drehung der Verstellschrauben bringt genau einen Millimeter mehr (bzw. weniger) Abtrag. Dabei bedeutet mehr Abtrag auch einen größeren Kraftaufwand, da entsprechend mehr Material mitgezogen wird. Für den Einsatz des TM2 sollte der Sand außerdem eher etwas trockener sein. Feuchtigkeit erhöht die Materialbindung und macht den Sand schwerer, so dass eine größere Anstrengung beim Ziehen des Gerätes erforderlich wird. Der TM2 wird rückwärtsgehend gezogen, so hat man die Führung stets unter Kontrolle; dabei liegt die Gleitplatte natürlich stets vorne, auf der noch unbearbeiteten Fläche des Platzes. Linien können mit dem TM2 überfahren werden. Da das Messer einen absolut sauberen Schnitt schafft, werden die Bahnen Kante an Kante abgezogen.

Vorgehensweise

Wie jedes andere Arbeitsgerät, ist auch der TM2 mit Bedacht und Verstand einzusetzen. So sollte mit dem Gerät nicht zweimal über dieselbe Stelle gefahren werden, da sonst schnell ein zu starker Sandabtrag und Niveauunterschiede zustande kommen. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei sehr starkem Bewuchs, kann eine Stelle zweimal mit dem TM2 abgezogen werden, dabei ist unbedingt die Einstellung des Messers zu bedenken. Empfehlenswerter ist allerdings meist das Nacharbeiten mit dem Scharrierer. Um effizient zu arbeiten, ist mit dem Abziehen nicht einfach irgendwo auf dem Platz zu beginnen, denn dies bedingt am Ende, dass man das Gerät öfter als nötig anheben und absetzen oder gar streckenweise tragen muss. Am besten wird der Platz jeweils über die volle Länge abgezogen, dann umgedreht und Kante an Kante die nächste Bahn befahren. Dank der Präzision der Messer kann exakt entlang der Longlines abgeschabt werden; da das Material zur rechten Seite abgeführt wird, sollte an der Linie jeweils rechtsseitig gearbeitet werden, um nicht den Abtrag auf der Linie abzulegen. Die Querlinien können, sofern sie gut im Boden liegen, problemlos überfahren werden. Sind die Linien nicht fest, muss das Gerät beim Überqueren für jedes der beiden Messer einmal mit dem Fuß angehoben werden, bevor es weitergehen kann.

Nachbereitung

Im Anschluss an das Abziehen des Platzes mit dem TM2 erfolgen ggf. Nacharbeiten mit dem Scharrierer: wo es notwendig ist, muss nun noch stellenweise Altmaterial abgekratzt werden. Häufchen, die sich beim Überschreiten lockerer Querlinien gebildet haben, sind manuell zu entfernen. Ggf. sind die Longlines von aufgehäuften Sandschwaden zu befreien. Die Schwaden, die der TM2 beim Abtragen hinterlassen hat, sind zu Häufchen zusammenzuschieben und vom Platz zu karren. Beim Nacharbeiten mit dem Scharrierer ist nicht mehr Kante an Kante, sondern überlappend zu arbeiten, da sich sonst zu starke Niveauunterschiede ergeben können. Der neue Sand kann anschließend sowohl trocken eingearbeitet als auch eingeschlämmt werden.

Pflege des Gerätes

Die Oberfläche des massiven TM2 ist mit einer widerstandsfähigen Beschichtung versehen, die das Material schützt und über viele Jahre Instand hält. Da es zweckentsprechend über den Sand geschleift wird, sind kleine Kratzer gerade an der Unterseite der Gleitplatte nicht zu vermeiden. Hier kann etwas Flugrost ansetzen, der aber Gerät und Tennisplatz nicht weiter schadet. Eine trockene Lagerung ist jedoch, wie bei fast allen Geräten, zu empfehlen. Von den beiden Messern ist nur das hintere scharf. Da das Gerät noch nicht über einen längeren Zeitraum getestet werden konnte, kann der Hersteller zzt nicht mehr als eine Spanne von drei Jahren zusichern, in der das Messer in jedem Fall scharf bleibt. Der Wahrscheinlichkeit nach hält dieser Zustand aber noch um einiges länger an. Sollte das Messer eines Tages doch mal stumpf werden, kann es ganz einfach nachgeschliffen werden. Ein Austausch des Messers gegen ein neues (Kosten: 250,- €) ist damit nicht - oder wenigstens auf sehr lange Zeit nicht - notwendig.

Gesamturteil: Empfehlenswert

Optitenn ist überzeugt: der TM2 ist ein absoluter Gewinn für die Arbeiten bei der Frühjahrsinstandsetzung. Ein kleines Manko ist die Notwendigkeit der manuellen Nacharbeiten mit dem Scharrierer. Muss das Gerät außerdem an den Querlinien angehoben werden, so ist etwas Vorsicht gefragt und das Gewicht des TM2 kann die Arbeit in diesem Fall für weniger kräftige Menschen beschwerlicher machen. Im Vergleich zum Scharrieren von Hand ist jedoch auch dies gut hinzunehmen.
Da das manuelle Scharrieren nahezu vollständig wegfällt, stellt der TM2 eine ungemeine Arbeitserleichterung dar. Ein so sauberer und glatter Abtrag ist weder mit Scharrierern noch mit motorisierten Geräten möglich. Der TM2 nimmt sämtliche Unebenheiten mit, entfernt Moos und verhärtete Stellen und hinterlässt den Boden wie glattgehobelt. Es bleiben weder Fußabdrücke noch Vertiefungen von Rädern, Auflageflächen oder sonstigem zurück. Das Gerät ist bequem zu halten und kinderleicht zu Bedienen. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist notwendig, eine Einweisung in die Bedienung des Gerätes hingegen nicht. Außerdem ist die Menge des Abtrags mit dem TM2 bestens kontrollierbar. Der Zeitaufwand, der zum Abziehen eines Platzes nötig ist, beträgt nur einen Bruchteil der Dauer des manuellen Abschabens. Durch die Genauigkeit des Abtrags ist Jahr um Jahr eine Menge von 1,5t Neusand ausreichend, um die Plätze in einem Top-Zustand zu halten. Mit einem Preis von 1.428,- € (inkl. MwSt.) ist der TM2 zudem deutlich günstiger als ein motorisiertes Gerät, hat keinen Benzinverbrauch, äußerst langlebige Verschleißteile und ist umweltfreundlich.
Insgesamt ist der TM2 ein großer und längst überfälliger Fortschritt in Sachen Frühjahrsinstandsetzung und absolut empfehlenswert.

Nutzen für Tennisvereine

Die leichte Handhabung und besonders die Zeit- und Kraftersparnis sind sicher die besten Argumente wenn es darum geht, Helfer für die nächste Frühjahrsinstandsetzung zu motivieren. Weil der TM2 einen so kontrollierten und gleichmäßigen Abtrag garantiert, können auch Ungeübte und Laien eine gute Platzqualität erzielen. Wird die FIS nicht vom Verein selbst vorgenommen, kann sich die Anschaffung eines TM2 dennoch lohnen: für Eigenleistungsanteile gibt es natürlich Rabatt bei der Tennisservice-Firma. Ist eine Deckenreduzierung notwendig, kann ebenfalls gespart werden. Ein weiterer Vorteil der Teil-Eigenleistung ist die Gewissheit, dass bei der FIS auch tatsächlich genug Sand abgetragen wird. Zu viel Sand durch Service-Pfusch gehört damit sicher der Vergangenheit an. Anhand des Kaufpreises des TM2, der Anzahl der Plätze des Vereins und der Ersparnis durch die Eigenleistung lässt sich leicht ausrechnen, wie schnell sich das Gerät amortisieren wird.
Kann kein solches Gerät für den Verein angeschafft werden, so kann es durchaus sinnvoll sein, eine Tennisservice-Firma zu beschäftigen, die selbst den TM2 einsetzt. Auch hier ist nahezu ausgeschlossen, dass die Firma zu wenig Altmaterial abträgt und die Tennisdecke über die Jahre weiter und weiter anwächst. Liegen die Querlinien nach dem Winter locker im Boden, kann der Verein diese vorbereitend an je einer Ecke öffnen und zur Seite legen, dies erleichtert der Tennisservice-Firma die Arbeit, da das Anheben des TM2 wegfällt. Nebenbei kann der Verein dann auch sicher sein, dass die Firma die Linien wirklich nachspannt.

Nutzen für Tennisservice-Firmen

Auch wenn der TM2 in der Hand der Vereine zum Teil die Leistungen von Tennisservice-Firmen ersetzen kann, kann sich auch eine Tennisservice-Firma selbst große Vorteile mit der Anschaffung eines solchen Gerätes verschaffen. Hier sind zunächst ebenfalls der wesentlich reduzierte Zeit- und Kraftaufwand bei FIS und Deckenreduzierungen zu nennen. Auch sind neue Mitarbeiter vom ersten Tag an in der Lage, den alten Sand in ausreichender Menge und gleichmäßig abzutragen. Und nicht nur das Abtragen selbst geht viel schneller als mit den herkömmlichen Scharrierern; während ein Arbeiter den Platz mit dem Sandmesser bearbeitet, können die beiden anderen schon beginnen, den Sand zum Container zu fahren. Diese zwei Arbeitsschritte simultan zu erledigen spart natürlich zusätzlich Zeit. Tennisservice-Firmen sollten in jedem Fall die Querlinien vor dem Einsatz des TM2 lösen und zur Seite legen. Gerade weil sie, anders als mancher Verein, über die nötigen Geräte, das Können und eine gewisse Routine beim Linienspannen verfügen, greift der zeitliche Vorteil, der durch die Arbeit mit dem TM2 entsteht, umso besser. Und nachgespannt werden muss ja meist ohnehin. Aufgrund der zuverlässigen Ergebnisse, die der TM2 erzielt, dürften ein Plus an Kundenzufriedenheit und Vertrauen bei den Tennisvereinen weitere positive Effekte dieser Investition sein.

Wo gibt es den TM2?

Der Vertrieb des zum Patent angemeldeten TM2 läuft derzeit ausschließlich direkt über den Hersteller limtech KG und RETURNAL. Das Gerät kostet 1.428,-€ (inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten). Wer sich vor dem Kauf noch praktisch vom TM2 überzeugen lassen will, kann sich das Gerät nach Absprache von limtech oder Optitenn vorführen lassen. Die Vorführungen durch Optitenn können im Anschluss an die Saison oder vor der kommenden stattfinden, wenn die Teams zu den Herbstmaßnahmen bzw. zur Frühjahrsinstandsetzung wieder auf Tour sind (Produktvorführungen außerhalb dieser Zeiten sind gegen Gebühr möglich). 

Und wer hat‘s erfunden?

Ein Schwabe. Jörg Limberg, gelernter Elektriker, seit 45 Jahren selbstständiger Markisenbauer, Tennisvereinsmitglied im Natur- und Luftbadverein (NLV) Stuttgart-Vaihingen seit 17 Jahren und stellvertretender Vorsitzender des NLV, hatte sich eines Tages einfach lange genug geärgert. Über die insgesamt mehr als 80 Stunden Knochenarbeit, die er und ein paar Vereinskollegen zuletzt in das manuelle Scharrieren ihrer fünf Plätze investiert hatten. Und über die Maschinen, die in der Hoffnung auf Arbeitserleichterung danach zum Einsatz gebracht wurden. Wie Limberg selbst resümiert: „Das Ergebnis war verheerend, Radspuren, zerhackte Linien, Moosreste, Unebenheiten, fast ruinierte Plätze. Aus diesen bitteren Erfahrungen entstand die Idee.“ Limberg, der mit 71 Jahren noch in der Mannschaft der 40jährigen Tennis spielt, wollte endlich eine funktionale und komfortable Lösung für das lästige Abtragen des Altsandes. Eine, mit der mit möglichst wenig Aufwand eine möglichst optimale Platzqualität erzielt werden konnte. Und weil kein Hersteller eine solche anbot, machte Limberg sich daran, selbst eine zu konstruieren. So entstand das Sandmesser TM2. Beim Marketing und Vertrieb des TM2 unterstützt ihn Tennispartner Rüdiger Sommer (66), selbst gelernter Schriftsetzer und Drucker und als Leistungssportler im Turnen noch heute im Olympiazentrum Stuttgart tätig. Wie Sommer über den TM2 berichtet, sei das erklärte Ziel gewesen, Tennisclubs und Service-Firmen ein Gerät zu einem günstigen Preis anbieten zu können, das am Ende vor allem zu einem führt: dass alle wieder mit Freude auf den Tennisplatz gehen können. Das Vorhaben ist gelungen. ▪ NIK

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