Warum Futnet und Tennis sehr gut zusammenpassen

Zuzana Viňanská, Generalsekretärin der European Futnet Association, im Interview

Frau Viňanská, gleich mal zur Klärung vorweg: beim internationalen Verband heißt es Footballtennis, beim europäischen Futnet – welche Bezeichnung ist nun die richtige?
Viňanská: Unser Sport ist in einigen Ländern offiziell als Fußballtennis bekannt, allerdings setzt sich Bezeichnung Futnet mehr und mehr durch. Futnet unterstreicht besser den unabhängigen Charakter, die Eigenheiten des Sports, der eben nicht, wie manche glauben, bloß eine Kombination aus Fußball, Tennis und Volleyball ist - auch wenn es natürlich diverse gemeinsame oder ähnliche Elemente gibt. Futnet ist aber letztlich eine ganz eigene Sportart, mit eigenen internationalen und nationalen Verbänden, registrierten Spielern, Turnieren, Europa- und Weltmeisterschaften. Allein in der Tschechischen Republik, dem Gründungsland des Futnet, gibt es rund 8.000 registrierte Spieler, verschiedene Ligen in allen Kategorien und zahlreiche Profi- und Amateurturniere.
Mal abgesehen vom Profi-Futnetbereich: Was glauben Sie, kann einen Tennisspieler dazu reizen, Bälle mit dem Fuß übers Netz zu kicken?
Viňanská: Ich glaube, eins gilt für jeden Sportler und jede Sportlerin: Wie sehr wir den Sport auch lieben, den wir ausüben, irgendwann kommt der Zeitpunkt, da will man einfach mal was Neues ausprobieren, eine neue Herausforderung in den Trainingsalltag bringen. Für Tennisspieler ist Futnet da eine optimale Aufmunterung, sei es im Einzel oder im Doppel- oder Tripel-Team.
Und sportlich gesehen?
Viňanská: Naja, die Arme haben dabei mal eine Weile Pause, dafür ist das Work-out für Kraft und Ausdauer in den Beinen umso wirkungsvoller. Und auch der Geist darf beim Futnet nicht faulenzen: schnelle Reaktionen, eine gute räumliche Orientierung und die Fähigkeit, die Flugbahn des Balls schnell einschätzen zu können, sind gefragt. Balance- und Koordinationsgabe spiegeln sich in jedem Angriff wieder, Präzisionsgeschick und Konzentration kann man in gekonnten Aufschlägen unter Beweis stellen. Tödliche Smashs und heimtückisch angeschnittene Bälle reißen den Gegenspieler wortwörtlich von den Füßen. Und man muss natürlich nicht sämtliche Tricks können und das Ganze bis zum Wettkampfniveau lernen. Man kann auch einfach zum Spaß Futnet spielen. So wie die tschechischen Top-Tennisspieler Petra Kvitova oder Tomas Berdych, die oft ein Futnet-Warm-up machen.
Mental und sportlich kann Futnet für Tennisspieler also zugleich Abwechslung und Ergänzung zum Tennistraining sein. Das könnte einem Tennisverein schon reichen, um Futnet ins Programm zu nehmen….
Viňanská: Für einen Sportverein, der darüber nachdenkt, Futnet anzubieten, kann man nur sagen: Mehr Vielfalt im Sportangebot bedeutet immer auch mehr mögliche Mitglieder. Das gilt natürlich für jede andere Sportart genauso. Futnet hat allerdings den großen Vorteil, dass es für alle Altersgruppen gut geeignet ist, da es kein Kontaktsport ist und die Regeln recht einfach sind. Und gerade im Tennisbereich ist Futnet eine exzellente Trainingsergänzung und problemlos auf den Plätzen umzusetzen. Kleine Turniere bringen außerdem jede Menge Spaß, festigen den Team-Geist und fördern die Gemeinschaft des Vereins.
Und wie sieht es, um noch einmal darauf zurückzukommen, mit den großen Turnieren im Futnet aus?
Viňanská: Turniere auf Wettkampfniveau, Profi-Futnet also, sind äußerst spektakuläre Events, auch wenn sie noch nicht einen solchen Zulauf haben wie die ganz großen Sportarten. Das hat allerdings für die Sportler und Neueinsteiger den großen Vorteil, dass der Weg zur Spitze noch offen ist und der Traum von der Teilnahme an einer Weltmeisterschaft viel eher Wirklichkeit werden kann. Wieviele Sportvereine, wieviele Tennisclubs können schon von sich sagen, dass sie einen Weltmeister hervorgebracht haben? Im Futnet ergibt sich da eine große Chance und das praktisch ohne zusätzliche Kosten – alles was man tun muss, ist Schläger und Tennisball gegen einen Futnet Ball auszutauschen. Einfacher könnte es wohl kaum sein!

Foto: Michel Dumergue, ©European Futnet Association

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