Schlittschuhlaufen auf dem Tennisplatz?

Tennisanlagen einmal anders genutzt 

Im Winter bleiben die Außenanlagen der meisten Tennisvereine ungenutzt, das Tennisspiel wird bei kalten Temperaturen und Schnee in die Halle verlegt. Doch die Tennisanlagen im Freien müssen in der kalten Jahreszeit nicht ungenutzt bleiben, sie können umfunktioniert werden – und zwar zur Eisbahn.

Auf einem Tennisplatz eine Eisbahn zu errichten, mag im ersten Moment seltsam klingen, bietet aber durchaus den einen oder anderen Reiz. Das außergewöhnliche Sportangebot kann das winterliche Vereinsleben auffrischen, sei es als eintägiger Event oder auch als mehrwöchige Installation. Unter Umständen kann die Eisbahn auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Durch Eintrittsgelder und den Verkauf von Essen und Getränken können entstehende Kosten ganz oder teilweise abgedeckt werden. Zusätzlich macht der Verein durch die Aktion auf sich aufmerksam und kann vielleicht einige Sportinteressierte für sich und sein reguläres Sportangebot begeistern. Größte Vorteile gegenüber natürlich entstehenden Eisflächen, zugefrorenen Gewässern also, sind sicherlich die hervorragende Ebenheit und die garantierte Einbruchssicherheit. Eine längere Kälteperiode mit Minusgraden ist aber auch für die Herstellung einer einfachen Spritzeisbahn auf dem Tennisplatz Voraussetzung. Wird die Eisfläche allerdings mit professionellem Equipment eingerichtet, spielen die Temperaturen eine weit geringere Rolle.

„Schwentinental on Ice“

Das zeigt beispielsweise die Eisbahn auf dem Gelände des Tennisvereins Raisdorf in Schwentinental. Unter dem Motto „Schwentinental on Ice“ wird die rund 700 m² große Eisfläche auch in diesem Jahr wieder viele Besucher auf den umfunktionierten Tennisplatz locken. Vom 26.11.2011 bis 29.01.2012 wird auf der Tennisanlage Schlittschuhlaufen, Eisstockschießen und Eishockey angeboten; zudem gibt es Eisstockturniere, Specials für Kindergeburtstage, Weihnachtsfeiern und private Partys. Schlittschuhe können vor Ort ausgeliehen werden, kostenlose Parkplätze sowie ein beheiztes Restaurant und eine Punschbar stehen zur Verfügung. Die hohen Besucherzahlen der vergangenen Jahre zeigen, dass das Angebot auf große Resonanz stößt. Am Wochenende kommen schon mal bis zu 3000 Besucher auf die Eisbahn. Ein Wintersportvergnügen dieser Größenordnung ist aber auch mit größerem Aufwand verbunden: Um eine Beschädigung des unterliegenden Tennisplatzes zu verhindern, wird ein Schwerlastboden als Unterlage errichtet und ein Kühlsystem installiert. Drei Maschinen pumpen gekühltes Glykol in das Eisbahnsystem; so bleibt die Eisfläche auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt erhalten. Die Kosten für Bahnmiete, Kühlung und Energie belaufen sich auf ca. 1000 Euro pro Tag, Einnahmen werden mit Eintrittsgeldern, Schlittschuhverleih und Gastronomie erzielt. Neben den Ausgaben für die Anlagenunterhaltung fallen zusätzliche Kosten für spezielle Versicherungen an. Ein Betrieb von mindestens 30 Tagen ist nötig, damit Aufwand und Kosten sich auch lohnen. Der Veranstalter des Eisvergnügens in Schwentinental ist ein gewerbliches Unternehmen, der Betrieb wird jedoch von ehrenamtlichen Helfern des Tennisvereins gemeistert. Werden Gewinne erzielt, so gehen diese als Spenden an den Verein. Die Besucherzahlen in Schwentinental zeigen, dass sich der Aufwand lohnt, und auch die Tatsache, dass die Eissportanlage auch in diesem Jahr zum wiederholten Male ihre Pforten öffnet, lässt auf eine insgesamt positive Bilanz des Veranstalters und des Tennisvereins Raisdorf schließen. (Weitere Informationen & Kontakt gibt es im Internet unter: www.schwentinental-on-ice.de)

Spritzeisbahn in Dillenburg

Eine Eisbahn auf dem Tennisplatz lässt sich als einfache Spritzeisbahn auch weitaus kostengünstiger und mit geringerem Aufwand herstellen. Einige Tennisvereine bereiten ihre Tennisanlagen mit einfachen Mitteln selbst als Eisfläche auf; der Tennisplatz wird dabei schichtenweise beregnet, um eine geeignete Eisfläche entstehen zu lassen. So machte es beispielsweise der TC Manderbach im hessischen Dillenburg. In den letzten Jahren hat der Verein auf drei Sandplätzen eine Spritzeisbahn geschaffen. Auch die örtliche freiwillige Feuerwehr hat sich beteiligt und die Tennisplätze im Rahmen einer offiziellen Feuerwehrübung mit Wasser überspritzt. Bei häufiger Nutzung muss der Platz abends oftmals nachberegnet werden, um Abnutzungen und Unebenheiten in der Oberfläche auszugleichen, und eine ausreichende Dicke der Eisschicht zu erhalten. Für diese Art der Eisherstellung sind selbstverständlich Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und eine länger anhaltende Kälteperiode Voraussetzung. Zum Schutz der Besucher vor Verletzungen wurden Regner u.Ä. mit alten Autoreifen gepuffert, einige kleinere Schäden, wie ein kaputtgefrorener Regner und die eine oder andere Macke im Zaun wurden in Kauf genommen. Die gesamte Organisation lag hier in den Händen freiwilliger Helfer aus dem Verein; die Kosten für Wasser, Strom und die Beheizung des Vereinsheims wurden durch freiwillige Eintrittsgelder und den Verkauf heißer Getränke kompensiert, man berichtete uns von einem Reingewinn von ca. 1.000 Euro für den Verein. Auch die Eisfläche des TC Manderbach fand in der Tat große Resonanz und lockte sogar das Fernsehen (der Beitrag, der im HR-Fernsehprogramm ausgestrahlt wurde, ist im Internet unter http://video.google.com/videoplay?docid=-5119052948929138369 zu sehen). Doch nun haben einige Vorstandsmitglieder Bedenken angemeldet und in diesem Winter wird es keine Eisbahn auf der Tennisanlage geben. Hauptproblem ist nach Aussage eines Vereinsangehörigen die Frage nach dem Versicherungsschutz im Verletzungsfall. Hinzu kamen die Klagen einzelner Mitglieder, die festgestellt haben wollen, dass die Qualität der Tennisplätze unter der Eisfläche gelitten habe und die Frühjahrsinstandsetzung (FIS) durch eine längere Abtauzeit erst später hätte erfolgen können. Befürworter der Eisbahn sagen jedoch, dass sie keine Probleme auf den Plätzen haben feststellen können und der späte Zeitpunkt für die FIS aus einem besonders niederschlagsreichen Jahresbeginn resultierte. Ob die Wintertradition im TC Manderbach im nächsten Winter wieder aufgenommen wird, ist derzeit ungewiss.

Und so wird’s gemacht

Die Eisbahnherstellung in Eigeninitiative ist auch für kleinere Vereine erschwinglich. Und natürlich muss die Eislaufbahn keinesfalls kommerziell betrieben werden – wenn die Vereinsmitglieder Spaß daran haben, kann der Verein auch ganz für sich ein paar Schlittschuhrunden oder eine Partie Hockey auf dem Tennisplatz einlegen, vielleicht in Verbindung mit einem gemeinsamen Grünkohlessen oder einer Feuerzangenbowle. Wichtig ist, die Eisbahn mit mehreren Beregnungsvorgängen schichtenweise aufzubauen und eine gewisse Eisdicke einzuhalten, laut Handbuch Tennisanlagen (herausgegeben von DTB und Röhm Verlag, 1.Auflage) sollte diese mindestens 3cm betragen. Wird die Eisfläche über mehrere Tage intensiv genutzt, sollte an jedem Abend das locker gefahrene Eis abgefegt, Löcher mit Schneemörtel (Schnee, vermischt mit Wasser) ausgebessert und die Eisschicht neu überspritzt werden. Neuschnee ist sofort abzuschieben, um die Eisfläche glatt zu erhalten. Potenzielle Gefahrenquellen (Aufhängevorrichtungen f. Schleppnetze o.Ä.) müssen vor dem Befahren entfernt oder abgesichert werden. Ein beheizter Raum zum Schuhwechsel ist ebenso gern gesehen wie heiße Getränke. Die Frage nach der Versicherung der Eisbahnnutzer bzw. etwaiger Beschädigungen der Sportanlage müssen selbstverständlich vorab geklärt werden – egal, mit welcher Methode die Eisbahn hergestellt und in welchen Dimensionen sie genutzt wird. Danach steht einer Schlittschuhpartie auf dem Tennisplatz nichts mehr im Wege. ▪ LG

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