„Im Moment ist der Zeitpunkt perfekt, um mit Speed Badminton anzufangen!“

Florian Goldmann spielt seit sieben Jahren Speed Badminton und belegt derzeit Platz 39 in der nationalen Rangliste des deutschen Speed-Badminton-Verbands (DSBV). Der 28-jährige ist angehender Diplom-Sozialwirt an der Georg-August-Universität Göttingen, seine Diplomarbeit schreibt er über die Trendsportart. Als aktiver Spieler engagiert sich Goldmann als Kursleiter im Rahmen des Hochschulsports, Workshopleiter an Schulen und im Verein als Abteilungsleiter und Trainer.

Benjamin Sitohang seit neun Jahren Speed Badminton-Spieler, etablierte zusammen mit Florian Goldmann Speed Badminton im Hochschulsport der Göttinger Universität. Hier studiert der gebürtige Hamburger zurzeit Rechtswissenschaften. Bei der Speedminton Weltmeisterschaft in Berlin belegte der 26-jährige Platz 33. Neben Studium und Speed Badminton-Training leitet Sitohang Badmintonkurse beim Hochschulsport der Universität Göttingen.

Mit ihrer Mannschaft Falcons Göttingen fuhren Florian Goldmann und Benjamin Sitohang im vergangenen August nach Berlin und nahmen dort an der ersten Weltmeisterschaft im Speed Badminton teil. Im Interview mit RETURNAL erzählen sie von ihren Endrücken von der WM, von der Faszination der jungen Racketsportart und weshalb auch Tennisspieler ab und zu mal speeden sollten.

Speed Badminton ist eine sehr junge Trendsportart, die bislang noch recht unbekannt ist. Herr Goldmann und Herr Sitohang, wie sind Sie auf die Sportart aufmerksam geworden und seit wann spielen Sie Speed Badminton?

B. Sitohang: Ich spiele seit meinem sechsten Lebensjahr Tennis, bin aber mit 13, 14 Jahren zum Badminton gewechselt. Vor knapp neun Jahren lernte ich Speed Badminton kennen und habe mir sofort ein eigenes Set gekauft. Seitdem spiele ich quasi überall, wo ich bin: im Park, am Strand… Auch abends auf dem Parkplatz oder nachts in der Fußgängerzone - mit den Knicklichtern für den Speeder® (Speed Badminton-Federball; Anm. d. Red.) geht das bestens. Zum Wettkampfsport bin ich gekommen, nachdem ich Florian Goldmann beim Uni-Sport kennengelernt habe.

F. Goldmann: Ich habe vor ca. sieben Jahren das Speedminton®-Set bei ebay gesehen und, weil ich schon immer offen für neue Sportarten war, einfach bestellt. Ich habe mit meinem Vater gespielt, oder mit Freunden, die wie ich jahrelang Tennis gespielt haben. Als ich zum Studieren nach Göttingen kam, gab es beim Hochschulsport kein Speed Badminton. Also haben wir den Sport an der Uni integriert. Es lief etwas schleppend an, aber jetzt, nach drei Jahren, ist Speed Badminton hier fest etabliert und es sind immer um die zwölf Leute da. Weil ich den Sport auch außerhalb der Uni für jedermann zugänglich machen wollte, habe ich am 1. Juni 2011 eine Speed Badminton-Sparte in der TUSPO 1861 Göttingen gegründet.
Das hört sich danach an, als ob Sie sich in ihrer Freizeit der Sportart sehr intensiv widmen. Wie oft trainieren Sie denn?
F. Goldmann: Einmal die Woche findet das Uni-Sport-Training statt. Da wird aber mehr gespielt, als im eigentlichen Sinne intensiv trainiert. In der Vorbereitungsphase für die Weltmeisterschaft, das heißt fünf, sechs Wochen lang, habe ich allerdings fast täglich drei bis vier Stunden trainiert. Wenn nicht mit dem Schläger, dann konditionell.
B. Sitohang: Neben dem Speed Badminton spiele ich Badminton und leite auch den Kurs an der Uni. Direkt vor der Speedminton-Weltmeisterschaft konnte ich aber leider überhaupt nicht trainieren, weil ich mir drei Wochen zuvor eine Bänderdehnung zugezogen hatte. Deshalb bin ich sozusagen komplett untrainiert zur WM gefahren, das war schon etwas ärgerlich…
Welchen Platz haben Sie denn belegt?
B. Sitohang: Ich habe in der zweiten K.O.-Runde mein Match gegen den Polen Rafal Maluski verloren. Dafür, dass ich vorher nicht trainieren konnte, ist es eigentlich ganz gut gelaufen. Letztendlich habe ich mir Platz 33 mit allen anderen geteilt, die in derselben Runde rausgeflogen sind.
Und Herr Goldmann, wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Leistung bei der WM?
F. Goldmann: Benjamin und ich sind beide aus der Gruppenphase rausgekommen. Das war erst mal ganz zufriedenstellend. Ich bin leider in der ersten K.O.-Runde gescheitert und am Ende mit zahlreichen anderen auf Platz 49 gelandet. Mein Spiel habe ich gegen den Schweden Melker Ekberg verloren; der ist später allerdings Fünfter geworden, was ein kleiner Trost für mich war.
Wie kommt man zu der Teilnahme an einer solchen Weltmeisterschaft?
F. Goldmann: Derzeit kann sich noch jeder anmelden, jedoch wurden die verfügbaren Plätze erst an die vergeben, die in der internationalen Rangliste vertreten sind. Weil es die erste WM war, konnten alle übrigen Plätze an die Newcomer verteilt werden. Von 137, die in der Open Division gestartet sind, waren das immerhin 28 Spieler. Von den weltweit 3000 Wettkampfspielern waren die besten 16 der internationalen Rangliste gesetzt und griffen erst in den Turnierverlauf ein, nachdem aus der Gruppenphase und den K.O.-Runden die 16 anderen besten Spieler ermittelt wurden. Insgesamt gab es 373 Teilnehmer aus 29 Nationen. Alle anderen, nationalen Turniere sind noch für jeden offen.
Was sind Ihre Eindrücke, die sie von der WM gewonnen haben?
B. Sitohang: Die Atmosphäre bei der WM war total angenehm. Und neben der tollen Stimmung war das Wetter wirklich gut. Wir haben uns bei 30 bis 35 Grad heiße Matches geliefert, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Bälle haben wir uns, sozusagen, richtig schön um die Ohren geprügelt. Was ich allerdings anmerken muss ist, dass das Zeitmanagement an der einen oder anderen Stelle besser hätte organisiert sein können. Insgesamt war die WM jedoch eine sehr gelungene Veranstaltung.
F. Goldmann: Die Weltmeisterschaft fand ja im Steffi-Graf-Stadion statt. Das ist eine ganz tolle Anlage, sehr luxuriös gestaltet. Die Organisatoren haben uns Spielern eine wunderbare Show geboten, mit Moderatoren, die super durch die Veranstaltung geführt haben. Ungünstigerweise wurden allerdings die Spiele nur per Lautsprecher ausgerufen und waren schwer zu verstehen. So habe ich z.B. im Center Court A.2 40 Minuten warten müssen, weil mein Gegner 8.2 verstanden hatte und auf Platz 8 wartete.
Das klingt nach einer etwas chaotischen WM…
B. Sitohang: Etwas chaotisch, ja. Aber auch sehr entspannt! Ich weiß nicht, ob das im Speed Badminton sonst üblich ist, aber bei jedem Seitenwechsel hat man sich die Hand gereicht. Klar wollte man gewinnen, doch trotzdem stand für viele der Spaß im Vordergrund. Naja, und da ich untrainiert nach Berlin gefahren bin, hatte ich an mich selbst keinen großen Anspruch, etwas zu reißen. Leider war das Turnier nicht sonderlich gut besucht, aber bei jungen Sportarten hat man das ja meistens. Ganz beeindruckend fand ich das Einlaufen ins Stadion. Es ist doch etwas anderes, von unten einzulaufen, als auf den Zuschauerrängen zu sitzen.
F. Goldmann: So habe ich es auch empfunden. Von den jüngeren Fans kamen sogar Anfragen wie „Können wir ein Autogramm haben, Herr Goldmann?“.
Wie schnell ist Speed Badminton eigentlich erlernbar?
F. Goldmann: Wenn Tennis- und Badmintonspieler, die regelmäßig spielen, in ihrer Sportart einen sicheren Stiefel zocken können, dann können sie auch beim Speeden schnell ein gutes Niveau erreichen. Als Tennisspieler braucht man nur ein paar Minuten, um ins Speed Badminton rein zu kommen - aber dann ist man auch schon im Flow. Und dann willst du nicht mehr aufhören! Wenn ich mich mit meinem 60-jährigen Vater, der selber Vereins-Tennisspieler war und aktiv Fußball spielt, verabrede, um 10 Minuten zu zocken, gehen wir meistens erst nach anderthalb Stunden komplett durchgeschwitzt vom Parkplatz runter. Meine Mutter, die vorher nur Federball spielte, ist von der Geschwindigkeit und dem Spaß beim Speeden völlig angetan. Es macht einfach nur süchtig, sagt sie immer! Und auch meine Nichten, 7 und 9 Jahre alt, wollen sich kaum noch vom Schläger trennen, seit ich ihnen Speed Badminton gezeigt habe. Im Grunde kommt jeder, auch ein Racketsport-Neuling, nach kurzer Zeit schon zu recht ansehnlichen Ballwechseln – wenn er motorisch nicht ganz auf den Kopf gefallen ist. Und mit frühen Erfolgserlebnissen kommt natürlich auch der Spaßfaktor früher zum Tragen. Besonders für Menschen, die vielleicht weniger Geduld haben, eine technisch schwierigere Sportart zu erlernen, ist das unheimlich motivierend.
Einmal damit angefangen, will man also gar nicht mehr aufhören. Und obwohl es eine sehr schnelle und anstrengende Sportart ist, scheint es für ältere und jüngere Semester gleichermaßen geeignet…
B. Sitohang: Ja, auf jeden Fall! Sie sollten sich nur, wie bei jeder Sportart, einen gleichwertigen Gegner suchen, mit denselben Vorstellungen von einem Match. Florian und ich z.B. schießen gerne ordentlich, weil uns das am meisten Spaß bringt. Aber nicht jeder muss so Vollgas geben.
Man merkt, dass Sie äußerst fasziniert von Ihrem Sport sind. Was genau begeistert Sie am Speed Badminton?
B. Sitohang: In erster Linie natürlich die Schnelligkeit. Früher, als ich Tennis gespielt habe, empfand ich es immer als ziemlich langsam. Und im Badminton kann ich mich mittlerweile nur noch mit äußerst intensiven Trainingseinheiten verbessern. Beim Speed Badminton hingegen ist bei mir noch viel Verbesserungspotenzial vorhanden, das weckt meinen Ehrgeiz. Und mir gefällt die Unkompliziertheit: man kann immer, auch mit jemandem, der nicht im Racketsport beheimatet ist, ein paar Bälle spielen. Es ist toll, im Park nicht nur Fußball oder Frisbee spielen zu können, sondern auch mal Speed Badminton.
F. Goldmann: Für mich liegt der größte Vorteil darin, dass man kein Netz mitschleppen muss, oder anderes aufwendiges Equipment. Man kann es wirklich immer und überall spielen. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung, bei der ich als Speed Badminton-Spieler auf der Showbühne mit anderen Trendsportlern für die Vorstellung eines Buggys aufgetreten bin, habe ich u.a. auf der laufenden Rolltreppe den Ball ein bisschen hin und her geschlagen. Das nennt man dann „Präzisions-Speeden“ und eignet sich sehr gut als Übungseinheit für Technik, Genauigkeit und Ballgefühl. Oder man steigt an der Autobahnraststätte kurz aus, ist müde, spielt eine Runde und ist topfit für die Weiterfahrt…
Sicher waren Sie auch schon mal beim Blackminton®, der Schwarzlicht-Variante des Speed Badminton dabei…
F. Goldmann: Bei der Deutschen Meisterschaft gab es Blackminton. Es war der erste Event dieser Art, bei dem ich mitgemacht habe. Nachts wurde Discomusik aufgedreht, Leuchtstoffröhren aufgestellt und alle wurden ein bisschen angemalt. Einer als Löwe, einer als Schildkröte… und dann haben wir hin und her gezockt. Der Spaßeffekt ist dann noch mal eine Sekunde größer.
Als Racket-Trendsport könnte Speed Badminton wieder vermehrt junge Leute in die Tennisvereine ziehen. Inwiefern können sich Speed Badminton und Tennis auch sportlich ergänzen?
B. Sitohang: Speed Badminton ist schon eine andere Sportart, bei der man koordinativ auch was ganz anderes lernt. Aber man bekommt schon mehr Gefühl in den Arm, wenn man ab und zu Speed Badminton spielt. Einfach, um mal den Trefferpunkt woanders hinzulegen und ohne Schleife oder Topspin zu agieren. Koordinativ kann man sich so weiterentwickeln. Wenn man dazu noch Speed Badminton im Sand spielt, kräftigt das ordentlich die Beine und das fördert auf jeden Fall die Antrittsschnelligkeit und die Sprungkraft.
F. Goldmann: Von großem Vorteil ist sicher die Spielfeldgröße: ein Tenniscourt bietet gleichzeitig 4 Speed Badminton-Spielern Platz für Einzelmatches bzw. 8 Spielern, wenn Doppel gespielt wird. Da nicht hinter der Grundlinie agiert wird, kann dieser Platz von weiteren Spielern zum Warm-Up oder zur Reaktionsschulung genutzt werden – für die kürzere Distanz nimmt man einfach den Fun Speeder®, der leichter und weniger schnell ist, als der Match Speeder®. Speed Badminton ist außerdem sehr attraktiv für die Mitgliederwerbung: dass man auf dem Tennis-Court nicht nur auf eine Sportart festgelegt ist und nach Lust und Laune wechseln kann, sorgt für eine Win-Win-Situation. Gerade junge Menschen, denen man außerhalb des Schulsports neue Möglichkeiten der Körpererfahrung geben sollte, finden so auf dem Tennisplatz gleich zwei Spielvarianten.
Welche Ziele möchten Sie persönlich im Speed Badminton noch erreichen?
B. Sitohang: Bei mir geht zurzeit erst einmal die Uni und das Examen vor. Daher spiele ich eher nebenbei, als Ausgleich zum Unistress. Eine Einheit pro Woche reserviere ich mir dabei fürs reine Spielen, die andere Einheit für Schlag- und Lauftraining. So kann ich das Ganze etwas mehr professionalisieren. Für mich persönlich sollte es möglich sein, unter die 20 Besten in Deutschland zu kommen.
F. Goldmann: Ich muss sagen, dass ich jetzt nach Berlin noch mehr Blut geleckt habe. Ich will noch erfolgreicher sein - und vor allem als Trainer die Sportart anderen nahebringen. Es ist einfach schön, zu sehen, wie andere Speed Badminton erlernen und Spaß daran haben. Es wäre auch schön, wenn es in einigen Jahren eine Speed Badminton-Bundesliga gäbe. Momentan ist der Zeitpunkt perfekt, um mit Speed Badminton anzufangen. Die Turniere sind offen und man muss nur an wenigen teilgenommen haben, um in die Rangliste reinzurutschen.

Speedminton®, Blackminton®, Speeder®, Fun Speeder®, Night Speeder® und Match Speeder® sind geschützte Marken der Speedminton GmbH

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