Nach der Rente das sportliche Comeback

Tennis ist ein Sport für Jung und Alt. Wer einmal die Freude am Spiel entdeckt hat, kehrt immer wieder auf den Court zurück. Kaum verwunderlich ist es deshalb, dass sich immer mehr Wettkampfmannschaften in der Altersklasse 70plus formieren. 

Der Altersdurchschnitt in Deutschland steigt an. Es werden weniger Kinder geboren, und die Lebenserwartung nimmt zu. Heute sind ca. vier Millionen Bürger in der Bundesrepublik Deutschland 80 Jahre alt und älter. Für das Jahr 2050 prognostiziert das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Zahl der über 80jährigen auf ca. zehn Millionen. Diese Entwicklung macht auch vor dem Tennissport und den Vereinen nicht halt.

Demografischer Wandel als Chance

Was in den Medien meist negativ dargestellt und als Ende von wirtschaftlichem Wachstum und Innovation betrachtet wird, hält jedoch auch Chancen bereit, denn der demografische Wandel kann durchaus positiv gestaltet werden. Für Tennisvereine heißt es frühzeitig und angemessen auf den Trend zu reagieren und die Bedürfnisse der Generation 70 plus in den Blick zu nehmen. Die „Alten“ von heute und morgen sind aktiv. Sie wollen sich körperlich betätigen, spielen und gewinnen.
Ein anschauliches Beispiel ist der TSV Bocholt. Im westlichen Münsterland gelegen, stellt der Verein in der aktuellen Saison drei Mannschaften in der Altersklasse 75plus. Der TSV Bocholt ist mit dieser Quote nationaler Spitzenreiter. Kein anderer Verein in Deutschland stellt mehr Mannschaften in dieser Altersklasse. Aber auch andernorts trifft man Senioren auf Sportanlagen und Tennisplätzen an. In immer mehr Vereinen findet sich mindestens eine 70plus-Mannschaft.
Der Begriff „Seniorensport“ ist in diesem Zusammenhang allerdings irreführend, denn als „Senior“ gelten streng genommen nicht erst die 65Jährigen. Wissenschaftlich gesehen gehören Sportler ab einem Alter von 30 Jahren der Gruppe der Senioren an. Die motorischen Fähigkeiten verschlechtern sich zunehmend, und die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Um dem Alterungsprozess Einhalt zu gebieten und die Beweglichkeit lange zu erhalten, gilt sportliche Betätigung als eines der effektivsten Mittel.

Sport hält jung

Vor allem mit den sogenannten Zivilisationskrankheiten haben viele Menschen mit zunehmendem Alter zu kämpfen: Etwa Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Übergewicht kann mithilfe von Sport und maßvollem Genuss am Essenstisch entgegengewirkt werden.
Das Wissen um die Wichtigkeit von altersgemäßer Bewegung macht sich auch die Industrie zunutze. Längst weiß sie um die Kaufkraft der Älteren, und besonders Fitnessstudios und Anbieter von Sportgeräten engagieren sich eifrig auf dem Markt rund um die Rentner und Pensionäre.

Lebenslange Leidenschaft

Auch im Bereich des Vereinssports erkennt man verstärkt das Potenzial der Generation 70plus. Die Älteren verfügen meist nicht nur über mehr Freizeit als die Jüngeren, sie haben auch einen großen Erfahrungsschatz, den sie im Vereinsleben einbringen können. Zudem gilt Tennis als „Lifetime-Sport“, da er sich für alle Altersklassen eignet. Wer sein Leben lang auf dem Platz stand, kann und wird an seiner Leidenschaft festhalten, auch wenn die Knochen morscher werden.
Aber nicht nur alteingesessene Tennisliebhaber sind eine wichtige Zielgruppe, auch das Werben um Neueinsteiger kann sich lohnen, denn auch im fortgeschrittenen Alter ist es noch möglich, mit dem Tennisspielen zu beginnen. Der Sport fordert nicht nur körperlich, auch der Kopf ist gefragt, da Strategie mindestens so wichtig ist wie Ausdauer und Technik. Der Wettkampf mit anderen ist dabei von zentraler Bedeutung. Im Tennis wie auch in vielen anderen Sportarten werden daher regelmäßig Senioren-Weltmeisterschaften ausgerichtet, bei denen sich auch noch über 80Jährige messen können.

■ Julia Pfrötschner
■ Foto: ©TSV Bocholt

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