Interview Manfred Frede

Mit gegenwärtig 2500 Vereinsmitgliedern, von denen 500 in der Abteilung Tennis angesiedelt sind, zählt der Turn- und Sportverein Bocholt von 1867/1896 e.V. zu den Großvereinen in der Region. Der Verein bietet nicht nur ein nahezu komplettes Sport- und Körperertüchtigungs-Programm, er verfügt auch über neun Tennisplätze, eine eigene Turnhalle, Außen-Sportanlagen und ein modern ausgestattetes Vereinsheim. Im Interview erklärt Manfred Frede, verantwortlich für die Pressearbeit des Vereins und selbst mit über 80 Jahren noch Spieler beim TSV, was den Seniorensport in seinem Verein so besonders macht, und wie es zu dem großen Andrang aus der älteren Generation kam.

Herr Frede, Anfang dieses Jahres hat der TSV Bocholt regional damit für Schlagzeilen gesorgt, dass er in der Altersklasse 75plus so viele Mannschaften stellt wie kein anderer Verein in Deutschland. Wie kommt es zu diesem Zulauf aus der „Silbernen Generation“?
Manfred Frede: Die demografische Entwicklung im Blick, forcierte das Vereinsmitglied Hermann Tenhumberg, unterstützt von Gerhard Wissen verstärkt das Tennis der Älteren. 2005 mit sieben Aktiven gegründet, bestritt diese erste 70er-Mannschaft bereits im Jahr darauf Medenspiele im Tennisverband Niederrhein. Weitere ehemalige Tennisspieler – viele auch aus anderen Clubs – stießen zu uns. Heute umfasst die Seniorenabteilung 40 Aktive zwischen 70 und 83 Jahren. Neben wöchentlichem Training sowie Meisterschaftsspielen fördern Geselligkeit, private Kontakte und Gemeinschaftsgeist den Zusammenhalt. Eine sehr gute Vereinsführung, ausgezeichnete sportliche Bedingungen – Plätze und Anlagen, gepflegt von drei Vereinsmitgliedern, präsentieren sich in bestem Zustand – und das jährlich gut besuchte überregionale Turnier des TSV Bocholt „70 und ein bisschen mehr“ sind mit ausschlaggebend für diese Entwicklung.Interesse wecken sicherlich auch die Erfolge der TSV-Senioren: In den Klassen 70 und 75 stieg man in die Regionalliga und wurde Niederrheinmeister.

Wie erklären Sie sich das große Interesse der über 70-Jährigen am Wettkampfsport?
M. Frede: Senioren sind heute in sehr vielen Sportarten aktiv. Längst weiß man um den Vorteil des an die individuellen Möglichkeiten angepassten Leistungssports im höheren Alter. Hinzu kommen allgemein verbesserte sportliche Bedingungen sowie immer wieder neue Erkenntnisse aus der Sportmedizin. Häufig ist auch eine frühere langjährige Wettkampfpraxis mitentscheidend, insbesondere den Tennissport im hohen Alter noch zu betreiben. Der Ehrgeiz, die eigene Leistungsstärke am Gegner zu messen, lässt viele der alten Haudegen nicht los.

Wie setzen sich die Mannschaften zusammen?
M. Frede: In den drei 75er-Mannschaften stehen, bis auf wenige Ausnahmen, erfahrene Spieler der Jahrgänge 1930 bis 1938. Zwei sind im 83. Lebensjahr. Die erste 75er spielt auch in dieser Saison in der Regionalliga, der höchsten deutschen Altersklasse, die zweite 75er gehört der Niederrheinliga an. Dem Wunsch der dritten 75er, nur auf Bezirksebene zu spielen, konnte der Verband aus organisatorischen Gründen nicht nachkommen. Man bestreitet Freundschaftsturniere.

Es haben sich bis jetzt drei Herrenmannschaften zusammengefunden. Was ist mit den Damen?
M. Frede: Noch ist mit zwei gemeldeten Mannschaften die Klasse 55 die obere Altersgrenze bei den TSV-Damen, obwohl auch hier schon einige Spielerinnen die 60 und 70 überschritten haben. Altersmäßig also ein sehr gemischtes Team.

Wie unterscheiden sich die Rahmenbedingungen für die älteren Spieler von denen der jüngeren?
M. Frede: Die 27 Mannschaften des TSV Bocholt (Jugend 14 bis zu den Senioren 75) trainieren zu unterschiedlichen Zeiten auf der Anlage. Wird das Training für die Jugend noch durch den vereinseigenen Trainer durchgeführt, so gestalten alle übrigen Mannschaften ihr Training selbst. Unterschiede in den Rahmenbedingungen gibt es im Übrigen nicht.

Die Gruppe der Senioren nimmt im Zuge des demografischen Wandels immer mehr zu und gewinnt so auch an Wichtigkeit. Hat der TSV Bocholt aktiv um die Senioren geworben oder sind diese quasi in die Altersklasse „hineingewachsen“?
M. Frede: Zu keiner Zeit hat der TSV um Senioren geworben. Ausgang war die Gründung der ersten 70er-Mannschaft. Es folgten die erwähnten Neuzugänge sowie das spätere „Hineinwachsen“ in die 75er.

Bietet der TSV Bocholt den älteren Spielern ein besonders Angebot, das speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist?
M. Frede: Die älteren Spieler unterliegen wie alle Aktiven dem vom Verein erstellten Trainingsplan, der für die 70er und 75er montags und donnerstags auf der Anlage je zwei Stunden Spielzeit vorsieht. Während der Wintermonate ist wöchentliches Training in der Halle. Das bereits erwähnte überregionale TSV-Turnier „70 und ein bisschen mehr“ wurde erstmalig 2007 mit 20 Teilnehmern durchgeführt. 2012 waren es 45 Aktive.

Welches Potenzial sehen Sie im Bereich des Seniorentennis für den Verein?
M. Frede: Von der bisherigen Entwicklung ausgehend, ist für die Seniorenabteilung sowohl für die 70er als auch die 75er weiterer Zuwachs durch Alterszunahme und Neuzugänge zu erwarten. Ob hier allerdings der Boom weiterhin anhält, bleibt abzuwarten. Sicherlich werden die Senioren künftig nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in der Altersklasse noch weiter nach oben rücken. Schon ist die 80er-Klasse im Blick!

Tennis hat zwar den Ruf, eine Sportart für Jung und Alt zu sein, doch hält sich der Vorwurf, Tennis sei u. a. schädlich für die Gelenke, belaste Knie und Ellbogen. Was sagen Sie zu diesem Vorurteil? Verträgt sich das Tennisspielen mit der Gesundheit?
M. Frede: Tennis und Gelenke, ein Dauerthema. Dem Tennis verschrieben, spielen die meisten unserer Oldies seit 5 Jahrzehnten ohne körperliche Beeinträchtigung. Alle sind gut trainiert und häufig ist die Bandage Prophylaxe, nur in einzelnen Fällen unumgänglich. Ja, bestimmte Gelenke unterliegen im Tennis einer stärkeren Belastung. Deswegen diesen Sport jedoch als gesundheitsgefährdend einzustufen, wäre völlig falsch. Letztlich ist keine athletische Sportart frei von Risiken. „Sind Griffstärke und Schlägerhaltung korrekt? Führen Sie den Schlagarm richtig?“ Die von einem kompetenten Sportarzt zunächst gestellte Frage, wenn es im Ellenbogen schmerzt: der Tennisarm. Überdies hat ein Tennisarm eine Reihe möglicher anderer Ur-sachen, die erfahrungsgemäß mit dem Tennisspiel rein gar nichts zu tun haben.

■ Das Gespräch führte Julia Pfrötschner
■ Foto: ©TSV Bocholt, Manfred Frede

Kontakt

TSV Bocholt
Hemdener Weg 163
46399 Bocholt
Tel.: 02871/39454
Fax: 02871/31643
E-Mail: kontak@tsv-bocholt.de
Homepage: www.tsv-bocholt.de

Tennisabteilung: 
http://www.tsv-bocholt.de/tsv-bocholt/abteilungen/tennis.html

Deine RETURNAL Redaktion

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.