Gummiring statt Tennisball und Schläger

Ringtennis

An einem sonnigen Sonntag trafen sich acht der WM14-Kandidaten aus dem A-Kader vor einer Sporthalle zum gemeinsamen Training. Dort trainierten die jungen Ringtennisspieler mit aufgemalten Linien und einem selbst aufgebauten Netz auf dem ungewohnten Asphaltboden. Sie wollen sich damit auf den „harten Boden Südafrikas“ vorbereiten. Bereits zum dritten Mal findet die Weltmeisterschaft im Ringtennis statt. 2014 werden sich die Spieler in der Provinz Gauteng in Südafrika treffen. 

World Tenniquoits Federation

Auch wenn die Meldefrist für die WM noch nicht begonnen hat, sind bis zum jetzigen Zeitpunkt die Teilnahme von Deutschland, Indien, Brasilien, Bangladesch, Polen, Weißrussland und Südafrika wahrscheinlich. Die Veranstalter hoffen, dass an der kommenden WM mehr Nationen teilnehmen werden als im Jahr 2010. In Südafrika werden die Teilnehmer mit ganzer Kraft um die sechs WM-Titel kämpfen. Einige Wettbewerbe werden in verschiedenen Kategorien ausgetragen, wie das Frauen- und Männereinzel, Teamwettbewerbe oder – erstmals als offizielle Disziplinen – das Frauen- und Männerdoppel sowie das Mixed. Während man in Deutschland meist von „Ringtennis“ spricht, ist auf der internationalen Bühne der englische Begriff „Tenniquoits“ geläufig – ein Neologismus, der die Kombination von Tenniselementen und Ringwurf beschreibt (quoits = Wurfringspiel).

Von den Schiffsplanken auf den Vereinsboden

Auskunft über die Herkunft des Sports und darüber, wo er in der Vergangenheit gespielt wurde, gibt vor allem die etwas altertümliche Bezeichnung „Deck-Tennis“. Vor rund hundert Jahren waren es kreisförmig gebundene Taue, die von den Reisenden auf den großen Ozeandampfern über ein Netz geworfen wurden. Über die Seewege breitete sich das Spiel zunehmend aus und wurde durch Touristen, Emigranten, Händler und Geschäftsleute auf die verschiedenen Kontinente getragen. Nach Deutschland brachte Hermann Schneider den Sport 1925, nachdem er Deck-Tennis auf einer New-York-Reise mit dem Dampfer Mauretania kennengelernt hatte.
Die ersten nationalen Turniere fanden 1929 in Deutschland statt, wo sich ein Jahr später auch der erste Ringtennisclub in Karlsruhe gründete. Südafrika und Indien folgten mit Landesmeisterschaften jeweils im Jahr 1960. Unter der Führung dieser drei Nationen kam es 2004 schließlich auch zur Gründung des Ringtennis-Weltverbandes „World Tenniquoits Federation“ (WTF). Das erklärte Ziel der Organisation ist es, dem Wettkampfsport Ringtennis zu einer größeren Reichweite zu verhelfen. Zudem legt die WTF Richtlinien für internationale Turniere fest.

Spielregeln für jedermann

Ringtennis ist ein Rückschlagspiel, das mit einem speziell für den Sport konzipierten Moosgummiring und ohne Schläger gespielt wird. Ziel eines jeden Spiels ist es, den Ring so in das gegnerische Feld zu werfen, dass der Mitspieler diesen nicht fangen kann. Ausgetragen wird es entweder im Einzel oder im Doppel. Das Spielfeld darf im Einzelspiel die Breite von 3,70m nicht überschreiten und im Doppel nicht mehr als 5,50m betragen. Das Spielfeld darf maximal 12,20m lang sein, und die Höhe des Netzes darf 1,55m nicht überschreiten. Der Spieler darf weder das Netz mit dem Ring berühren noch das Feld übertreten. Als Fehler wird gewertet, wenn ein Ring unsauber oder überschlagend über das Netz geworfen wird. Er muss in einer fließenden Bewegung gefangen und auch wieder zurückgeworfen werden. Berührt der Ring das gegnerische Feld, so ist dies ein „Ring“ für die Werfer. Steht es unentschieden, spricht man von „Ringgleichheit“. Erwachsene Frauen und Männer ab dem 19. Lebensjahr spielen zweimal zehn Minuten, bei den darunterliegenden Jahrgängen werden zweimal sechs Minuten gespielt.

Nationale Organisation und Wettkämpfe

Ringtennis ist in Deutschland als Turnspiel im Deutschen Turner-Bund organisiert. Über das ganze Jahr werden Wettkämpfe ausgetragen, die ihren Höhepunkt bei den Deutschen Meisterschaften (DM) sowie den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften (DMM) finden. In diesem Jahr finden die DM zum 66. Mal statt und werden vom 13. bis 15. September in Roßdorf (Hessen) ausgetragen.
Neben den nationalen Ringtennisorganisationen in Deutschland, Indien und Südafrika gibt es vor allem in einigen Ländern Südamerikas, Ozeaniens und Südostasiens Landesverbände.

Nicht nur für Profis

Diese Sportart ist vor allem auch für den Schulsport besonders geeignet, denn Mädchen und Jungen können so zusammen in einem Team gegeneinander spielen. Heute kooperieren Vereine meist mit naheliegenden Schulen, um Schülern und auch Lehrern den Sport nahezubringen. So wurde Ringtennis bereits seit den 30er Jahren an Schulen und Universitäten in Großbritannien, den USA und Australien gespielt und galt schon damals als förderlich bei der Schulung der Hand-Augen-Koordination. Mittlerweile gibt es einige Schulen in Deutschland, die im Sportunterricht Ringtennis anbieten. Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern wird die Sportart in der Schule ausgeübt. Außerdem werden regelmäßig Turniere und Meisterschaften der Schulklassen 4-6 gegen andere Schulen bestritten, somit wird der Ringtennissport in anderen Städten und Schulen bekannter. Schließlich ist Ringtennis ein geeigneter Freizeitsport für alle Altersklassen.

■ Julia Schäfer
■ Fotos: ©ringtennis.de

Mehr Informationen

Alles rund um das Ringtennis in Deutschland finden Sie auf der Homepage des deutschen Ringtennisverbandes unter http://ringtennis.de/.

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