Padel-Tennis - Trendsport in der Metropole

In der letzten Ausgabe der RETURNAL wurde Padel-Tennis bereits als aufsteigende Trendsportart vorgestellt. Während der Sport an sich bereits seit den Sechziger Jahren betrieben wird und vor allem in Spanien und Südamerika verbreitet ist, fristet er in Deutschland eher ein Nischendasein. Die Anzahl der Padel-Anlagen nimmt jedoch auch hierzulande zu und der Trendsport findet immer mehr Anhänger. RETURNAL sprach mit Alexander Hillbricht von Padel Berlin, wo im vergangenen Sommer eine neue Anlage eröffnet wurde.

Herr Hillbricht, Padel Berlin wurde im vergangenen Jahr als erste Padel-Anlage der Hauptstadt eröffnet. Handelt es sich dabei nur um ein Center, das Sportplätze zur Verfügung stellt, oder ist es auch ein Verein?
A. Hillbricht: Ich bezeichne es als Sportanlage für jedermann. Padel Berlin basiert genauso auf Mitgliedern wie auf Laufkundschaft, sprich Menschen, die nur stündlich den Platz buchen wollen. Bei mir kann also jeder spielen und muss nicht erst in den Verein eintreten. Mit einer Mitgliedschaft hat man allerdings die Möglichkeit, günstiger und öfter spielen zu können.

Der Sport an sich ist ja in Deutschland noch gar nicht so weit verbreitet. Wie kommt jemand, der von Padel noch gar nichts gehört hat, auf diesen Sport? Machen Sie selbst auch Werbung?
A. Hillbricht: Bevor ich meine Anlage eröffnet habe, habe ich eine großflächige Akquise gemacht. Ich habe die Tennisvereine informiert, die Medien, die Schulen und und und. Ich habe sozusagen generell erst mal den Kontakt aufgenommen. Denn schon mal etwas von Padel gehört, gelesen oder gesehen haben, kann bisher eigentlich nur jemand, der zufällig drauf gestoßen ist. Aktuell kommt man nicht wirklich auf diesen Sport. Morgen kommt allerdings der Senat für Inneres und Sport bei mir vorbei und kann sich durchaus vorstellen, die Sportart Padel etwas mehr publik zu machen.

Was haben die Besucher bei der Eröffnungsfeier erleben können?
A. Hillbricht: Für die Eröffnungsfeier hatten wir eine Musikanlage aufgebaut und entsprechend auch für Verpflegung gesorgt. Jeder, der vorbeikam, konnte in den Sport reinschnuppern. Wir haben letztlich also nur eine kleine Feier veranstaltet und die Leute hauptsächlich spielen lassen.

Das stieß sicher auf große Resonanz?
A. Hillbricht: Es handelt sich ja um eine Sportart, die in Deutschland bisher kaum einer kennt. Da Padel aber kinderleicht zu spielen ist und beispielsweise auch Frauen gegen Männer antreten können, stieß es dementsprechend auf sehr gute Resonanz. Die Wände drum herum machen den Sport eben so komplex und lustig. Das hat den Leuten gefallen. Viele sind später auch wiedergekommen.

Wie viele Plätze stehen Padel Berlin denn zur Verfügung?
A. Hillbricht: Aktuell haben wir zwei Plätze. Langfristig gesehen sollen es jedoch vier werden. Aber das muss natürlich Schritt für Schritt geplant werden. Wir orientieren uns dabei an der Auslastung und den Mitgliedern. Erst einmal wird also auf zwei Courts gespielt, von denen einer im November überdacht und winterfest gemacht wird.

Demnach muss man im Winter nicht auf Padel verzichten, sondern kann zu Ihnen kommen?
A. Hillbricht: Richtig. Wir hatten von vornherein für uns festgelegt, dass wir einen ganzjährigen Sport anbieten wollen. Dementsprechend haben wir uns nach einem passenden Überdachungssystem umgeschaut und etwas gefunden, das den Platz nicht nur überdacht, sondern wie eine Art Traglufthalle komplett einhüllt. Da die Luft drinnen zusätzlich beheizt wird, können die Leute auch im Winter – den äußeren Bedingungen trotzend – bei angenehmen Temperaturen und in kurzen Sachen Padel spielen.

Wenn man nun als Padel- und Tennis-Neuling zu Ihnen kommt und spielen möchte, was muss man mitbringen?
A. Hillbricht: Den Menschen, die hier vorbeikommen, sage ich ganz klar – egal ob sie jetzt alleine gekommen sind oder zu zweit – dass sie beim nächsten Mal mindestens zu zweit, besser noch zu viert, kommen sollten, da Padel immer zu vier gespielt wird. Weiterhin sage ich den Leuten: Bringt entsprechendes Schuhwerk mit, das heißt Sportschuhe mit Profil. Und kleidet euch sportlich. Probiert Padel heute einfach mal aus! Die erste Stunde ist bei mir immer komplett kostenlos. Man muss weder Schläger noch Bälle bezahlen. Diese kann man auch bei den nächsten Besuchen entsprechend bei mir leihen. Sobald die Überdachung steht, werden die Schläger dann gegen eine entsprechende Gebühr verliehen. Die Bälle werden aber weiterhin kostenlos sein.

Gibt es auch die Möglichkeit, Trainingsstunden zu bekommen?
A. Hillbricht: Man kann natürlich auch Trainerstunden buchen. Das passiert sogar relativ häufig. In den entsprechenden Stunden lernen die Anfänger bei mir die Technik des Padel und können üben, die Wände in das Spiel einzubeziehen.

Sie haben eben schon den Punkt angesprochen, dass Padel sich auch dazu eignet, dass Personen unterschiedlichen Geschlechts und Kraft miteinander spielen. Spiegelt sich dies ebenfalls im Mitgliederbild wider?
A. Hillbricht: Momentan haben wir zwar tatsächlich mehr männliche Mitglieder, aber immerhin auch 30 Prozent Frauen. Bei dieser Sportart kann man zu Recht behaupten, dass Frauen und Männer auf gleichem Niveau miteinander spielen können, egal ob sie Anfänger oder Fortgeschrittene sind. Und das ist wie gesagt das Schöne an Padel. Hier geht es wirklich nicht um Kraft oder Schnellkraft. Die ersten drei Schritte sind vielleicht wichtig, aber – solange man kein Profi ist – nicht entscheidend. Ich habe schon Familien hier gehabt, wo die Kinder mit ihren Großvätern gespielt haben. Es ist also auch eine Sportart für die ganze Familie. Ebenso können drei Frauen gegen einen Mann spielen und zwei Frauen gegen zwei Männer. Es ist absolut kein Unterschied zu sehen, da es wirklich darum geht, eher technisch zu spielen, als dass man draufhaut. Wer hier nur mit Kraft spielt, hat meistens schon verloren.

Padel Berlin war Ende September Gastgeber für die German Padel Masters 2012. Haben Sie bereits weitere Turniere oder Veranstaltungen konkret in Planung?
A. Hillbricht: Wir planen, ein monatlich stattfindendes Turnier zu organisieren. Da können Anfänger und Fortgeschrittene auch mal Wettkampfbedingungen kennenlernen und sich an neuen Spielgegnern ausprobieren. Zudem könnte ich mir durchaus vorstellen eine inoffizielle Wintermeisterschaft zu arrangieren, zu der ebenfalls Doppel aus anderen Städten eingeladen werden. So können auch diese im Winter nochmal Padel spielen und sich auf gleichem Niveau wie zu den Deutschen Meisterschaften messen.

Was glauben Sie, kann einen traditionellen Tennisspieler reizen, den Padelschläger in die Hand zu nehmen und diesen Sport auszuprobieren?
A. Hillbricht: Zunächst einmal können Tennisspieler meist relativ schnell mit Padel-Ball und Padel-Schläger umgehen. Gespielt wird ja nicht mit Tennisbällen. In Padel-Bällen ist der innere Druck geringer. Dadurch fliegt er etwas langsamer und springt höher. Die Schläger sind etwas kürzer als Tennisschläger, daran muss man sich natürlich erst gewöhnen. Die meisten kriegen das aber relativ schnell hin. Tennisspieler können zudem viele der ihnen bekannten Schläge, wie die Grundschläge und Volleys, anwenden. Der große Vorteil gegenüber dem Tennis ist allerdings seine gelenkschonende Spielweise. Sollte man technisch vielleicht nicht so versiert sein oder Tennis nicht von der Pike auf gelernt haben, ist man beim Padel dennoch nicht so stark der Gefahr ausgesetzt, Ellbogenprobleme, Schulterprobleme oder Knieprobleme zu bekommen. Weiterhin merken Tennisspieler, sobald sie anfangen die Wand zu benutzen, wie es im Ballwechsel immer weiter gehen kann. Es gibt zwar einige Ähnlichkeiten zwischen Padel und Tennis, aber ebenso viele Unterschiede. Ein Tennisspieler, der auch mal was anderes erleben möchte als das übliche Tennis und doch dem Tennis treu bleiben will, der sollte auf jeden Fall einmal Padel ausprobieren.

Eine letzte Frage: Gibt es etwas zum Thema Padel, das Sie Tennisvereinen gerne mit auf den Weg geben möchten?
A. Hillbricht: Das hört sich jetzt vielleicht verrückt an, was ich sage, aber ich weiß: wenn Tennisspieler einmal Padel gespielt haben, kann es durchaus passieren, dass sie eher zum Padelschläger greifen werden als zum Tennisschläger.

Das Gespräch führte Ronja Kokott
 Fotos: ©Padel Berlin 

Mehr Informationen

http://www.dpv-padel.de/
http://www.padelberlin.de/

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