Padel

Zwei Drittel Tennis, ein Drittel Squash

Was tut man, wenn man einen Tennisplatz auf sein Grundstück bauen möchte, jedoch keine ausreichende Fläche dafür besitzt? Ganz einfach: Man baut sich eine verkleinerte Ausführung und zieht Wände drum herum. 

Das hat, jedenfalls dem Histörchen nach, Don Enrique Corcuera 1965 auf seinem Grundstück in Mexiko getan und damit den Grundstein für eine neue Sportart, das Padel, gelegt. Umgrenzt war dieses allererste Padel-Feld von Betonmauern, welche Corcuera durch die Abwandlung der Tennisregeln in das Spiel integrierte. Richtig bekannt wurde die neue Racketsportart jedoch erst, nachdem der spanische Prinz Don Alfonso Hohenlohe-Langenburg nach einem Besuch bei Corcuerea auch in Spanien einige Plätze in diesem Stil und nach derselben Grundidee bauen ließ. Seit der Einführung des Padel in Spanien 1974 erfreut sich das dem Tennis entlehnte Spiel besonders in Argentinien, Mexiko und Spanien wachsender Beliebtheit. Mit seinem abwechslungsreichen und schnell zu erlernenden Spielverlauf findet es jedoch auch einen stetig zunehmenden Anhängerkreis in weiteren Ländern Europas. Und auch das Potential, dass in dieser Racket-Sportart steckt, spricht sich allmählich herum: seit Beginn des Jahres ist kein geringerer als der Sportartikelkonzern adidas offizieller Ausrüster des Deutschen Padel Verbandes.

Was wird dafür benötigt?

Der Begriff „Padel“ lässt sich mit „Paddel“ übersetzen und meint den früher aus Holz gefertigten Schläger, welcher aufgrund seines verkürzten Rackets äußerlich eine Ähnlichkeit zu einem Bootspaddel aufweist. Statt der üblichen Tennisschlägerbespannung besitzt der heutige Padel-Schläger einen Kern aus elastischem Schaumstoffmaterial, umgeben von einer stabilen Kunststoffhaut. Er kann auch eine Anzahl von Löchern aufweisen, die den Luftwiderstand herabsetzen und so einen kräftigeren Schlag ermöglichen. Die Preise für einen Padel-Schläger beginnen bei ca. 30,- €. Der Padel-Ball hat einen geringeren Luftdruck, sodass er langsamer fliegt, ist ansonsten jedoch nicht von einem herkömmlichen Tennisball zu unterscheiden. Der wohl größte Unterschied des Padel-Tennis zum gewöhnlichen Tennissport liegt im Spielfeld. Es ist in der Mitte ebenfalls durch ein Netz getrennt, mit einer Größe von 10x20 m jedoch deutlich kleiner als ein gewöhnlicher Tennisplatz. Außerdem ist es von Wänden umschlossen. Die hinteren Teile der 3 m hohen Seitenwände und die Rückwand bis zu einer Höhe von 3 m bestehen aus Glas oder Beton, die restlichen Wände aus einer bis zu 4 m hohen Drahtvernetzung. Alles, was nicht Drahtgitter ist, wird in das Spiel mit einbezogen. Wenn der Ball also gegen eine der Wände prallt - oder dagegen gespielt wird - wird dies in das Spielgeschehen integriert. Das Ergebnis sind lange und abwechslungsreiche Ballwechsel, die das Padeln so spannend machen. Die Kosten für den Bau eines Padel-Feldes können allerdings schnell bei 30.000 € liegen. Padel wird im Gegensatz zu Tennis übrigens nur im Doppel gespielt. Der Sport verlangt somit von jedem Spieler Teamgeist und ein gutes Zusammenspiel. Die auch hierzulande mit neuen Anlagen weiter zunehmende Trendsportart ist für alle Altersgruppen, für erfahrene Tennisspieler und für Amateure wunderbar geeignet, da sie einfacher zu erlernen ist als Tennis. Durch die kürzeren Wege zum Ball ist sie weniger kraftraubend und ein Spiel daher langlebiger.
Bald auch in Deutschland ein Erfolg?
In Spanien, Argentinien, Mexiko und einer immer größeren Anzahl vor allem südamerikanischer Länder stieg die Popularität des Padel-Tennis in den letzten Jahren enorm. Allein Spanien hat bereits über 300.000 Padel-Courts; 1991 wurde in Madrid der Internationale Weltverband des Padel gegründet und regelmäßig finden Europa- und Weltmeisterschaften mit den Spitzenspielern dieser Sportart statt. Gerade bei Jugendlichen steigt die Nachfrage nach modernen Trendsportarten immer mehr. Padel dürfte entsprechenden Zulauf finden. Bisher gibt es nach Angaben des Deutschen Padel Verbandes drei Padel-Anlagen in Deutschland: In Frankfurt am Main, Cuxhaven und Bernau. In diesem Sommer kommen gleich zwei neue hinzu: Köln und Berlin bekommen je zwei Outdoor-Padel-Courts. Für Tennisvereine ist Padel definitiv eine gute Möglichkeit, ihr Sportangebot zu erweitern und eine breitere Masse für den Racketsport zu begeistern. Im Kinder-Tennistraining eignet es sich besonders zum Erlernen der Grundschläge (Vorhand, Rückhand und Volley); aktive Tennisspieler können beim Padel gezielt Netzspiel (Volley und Smash) und Slice verbessern (da der Padelschläger keine Saiten hat, ist der Spieler gezwungen, den Ball punktgenauer zu treffen) – oder einfach, wie Rafael Nadal, als Ausgleich hin und wieder padeln. Wie der österreichische Hallentennismeister von 2004 und heutige Padel-Nationalspieler, Dr. Walter Treu, auf padel.at herausstellt: "Es ist ein Sport für 'Spieler', nicht für 'Arbeiter'."

Warum Padeln?

Es gibt zahlreiche Argumente, die für die Einrichtung eines Padel-Courts auf einer Tennisanlage sprechen:

  • benötigt viel weniger Platz. Bis zu drei Padel-Courts passen auf die Fläche eines Tennisplatzes!
  • durch Kunstrasen-, Beton- oder Zementboden jahreszeitenunabhängig, pflegeleicht und günstig im Unterhalt
  • leicht und schnell zu erlernen, daher weniger Frustaufbau beim Spiel, stattdessen Spaß und Erfolgserlebnis von Beginn an
  • verlangt viel weniger Krafteinsatz, hat dafür deutlich effektivere Spielzeiten
  • spricht ein breites Publikum an
  • durch schnelle Erlernbarkeit, höhere Ballkontrolle, kleineres Feld und geringere Krafterfordernis auch geeignet für Kinder, Senioren, Herzpatienten und behinderte Menschen
  • durch das Spiel im Doppel sehr gesellig
  • guter Ergänzungssport zum Tennistraining: schult koordinative Fähigkeiten, Reaktionsgeschwindigkeit, Ausdauer, Spielübersicht u.v.m.
  • Familiensport Padel: Familienmitglieder verschiedenen Alters und unterschiedlichen Geschlechts können problemlos mit- und gegeneinander spielen; die Ausrüstung ist günstiger als Tennisequipment, die Bälle halten länger, die Schläger müssen nicht bespannt werden und können, da nicht auf eine Person abgestimmt, innerhalb der Familie abwechselnd genutzt werden – Padel ist daher für Familien leichter finanzierbar als Tennis - und Mitglied ist Mitglied
  • Padel-Kurse können recht unkompliziert auch von Tennislehrern gegeben werden
  • Padel kann ein Leben lang betrieben werden

Insgesamt ist der Padel-Sport als tolle Möglichkeit zu sehen, durch ein neuartiges und leicht zugängliches Sportangebot den Tennisclubs wieder mehr Leben einzuhauchen und die Mitgliederzahlen gerade über den Faktor Fun- und Breitensport wieder steigen zu lassen. Der Vergleich, Tennis und Padel verhalten sich zueinander wie Skifahren zu Snowboarden, ist kaum von der Hand zu weisen: "Tennis und Skifahren ist Tradition, während Snowboarden und Padel als cool, trendig, relaxing und mit 100% Spaßfaktor gesehen wird." (Österreichischer Padel Verband) Zu den ersten zu zählen, die eine aufstrebende Trendsportart anbieten, dürfte dem eigenen Erfolg kaum abträglich sein. Und zu guter Letzt stellt Padel einen unkomplizierten Einstieg in den Racketsport dar, der manchen sicher auch zum Tennis führen mag.

Übrigens:

Varianten dieses Trendsports, die fälschlicherweise immer wieder mit dem Padel verwechselt oder gleichgesetzt werden, sind Paddle-Tennis und Platform-Tennis. Paddle-Tennis wurde bereits 1915 erfunden, nämlich von dem Episkopalpriester Frank Peer Beal. Er wollte den Kindern des New Yorker Stadtviertels Lower-Manhatten neue Freizeitaktivitäten bieten und dachte sich dafür Paddle-Tennis aus. Es wurde schnell sehr beliebt und 1941 wurde der neue Sport bereits in ca. 500 amerikanischen Städten gespielt. Vom Padel unterscheidet es sich zum einen durch die Verwendung von Holzschlägern mit weniger Profil, zum anderen durch das Spielfeld. Die Größe bleibt gleich, jedoch wird das Paddle-Tennisfeld mit Abstand zu den Spielfeldmarkierungen nur von einem Zaun umgeben, der als Abgrenzung dient und nicht mit ins Spiel einbezogen wird. Das Platform-Tennis unterscheidet sich von den beiden anderen Arten dahingehend, dass es komplett von Kunststoffglaswänden umgeben ist und diese auch alle in das Spiel integriert werden. Die Bälle gleichen beim Platform-Tennis eher denen vom Squash-Spiel. Sowohl Paddle- als auch Platform-Tennis können im Gegensatz zum Padel auch im Einzel gespielt werden. Zwei separate Platform-Tennis-Courts hat z.B. der baden-württembergische TC Gäufelden bereits seit 1996 auf seiner Anlage. ▪ JT

Padel-Court-Anlagen

Deutschland
Padel Frankfurt
Tenniszentrum Niddapark
Am Ginnheimer Wäldchen 1
60431 Frankfurt am Main
www.padel-frankfurt.de
www.tenniszentrum-niddapark.de
Tel.: 0176-32330601
info@padel-frankfurt.de
Padel-Courts: 1
Besonderheit: Padeln bis in die Nacht dank Flutlicht.

Sportclub Schwarz-Weiß Cuxhaven
Feldweg 66/68
27474 Cuxhaven
www.sw-cuxhaven.de
Tel.: 04721-554611
info@sw-cuxhaven.de
Padel-Courts: 2
Besonderheiten: Padeln auf dem Sandplatz

Tenniszentrum Bernau
Buchenstr. 17
83233 Bernau am Chiemsee
www.tenniszentrum-bernau.de
Tel.: 08051-8822
tenniszentrum.bernau@t-online.de
Padel-Courts: 1
Besonderheiten: überdachte Anlage

Universität zu Köln
Zülpicher Wall 1
50674 Köln
www.campussport-koeln.de
Tel.: 0221-4702359
Hochschulsport@dshs-koeln.de
Padel-Courts: 2 (ab Sommer 2012)
Besonderheiten: Padeln auf dem Uni-Campus

Padel Berlin
Wiesenweg 1-4
10365 Berlin
www.padelberlin.de
Tel.: 030-20256790
Padel-Courts: 2 (ab 17.Juni 2012)
Besonderheiten: Padeln in der Hauptstadt

Österreich
Sportcenter Pichlergasse
GDG Sportcenter Graz
Pichlergasse 22
8041 Graz
Tel.: +43 (0) 316 462780

GM-Sports Resort
Eisgrabenstr. 32
5081 Anif
www.gm-sports.at
Tel.: +43 (0) 664 885 166 90
office@gm-sports.at


Schweiz
Tennisclub Unterengstingen
Chriesihogerweg
8103 Unterengstringen
www.tcue.ch
Tel: +41 (0) 44 750 5910
Padel-Courts: 1
Pilotprojet des Schweizer Padel Verbandes

Tennis- und Padelschule Bienz
Artilleriestr. 27
8200 Schaffhausen
www.padelschule-bienz.ch
Tel.: +41 (0) 52 625 60 20
info@tennisschule-bienz.ch

Weiterführende Links

www.dpv-padel.de (Homepage des Deutschen Padel Verbandes)
www.siwsspadelassociation.ch (Homepage des Schweizer Padel Verbandes)
www.padel.at (Österreichischer Padel-Sportverband)
paddleslice.de/paddle_tennis/information/ (Homepage der Firma PaddleSlice Deutschland, mit Angebot aller Produkte und vielen Informationen rund ums Thema)
www.padel-concept.com (Konzeptionierung und Umsetzung von Padel-Projekten, Anlagenbau und -pflege, Marketing usw.)
www.rtl-hessen.de/videos.php?video=14703 (Vorstellung des Sports mit einem kurzen Video)

Foto: ©Deutscher Padel Verband, ©Padel Berlin

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Tags: Padel
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