Wenn zwei sich streiten…

Die Tennissaison 2012 fing für den TC BW Neuss sehr vielversprechend an. Das Ende des Sommers stand dann allerdings im Zeichen der Feindseligkeit und Trennung. Was ist da bloß passiert?

Der Tennisclub Blau-Weiß Neuss, lange Zeit das Aushängeschild für den Leistungssport im Tennisverband Niederrhein und deutscher Rekordmeister im Herrentennis, litt schon seit längerem unter Mitgliederschwund und Geldproblemen. Von den einstmals über 500 Mitgliedern waren im Sommer 2012 nur noch etwas mehr als die Hälfte übrig.
Aufbruchsstimmung wollte der Vorstand daher erzeugen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Eine neue Tennisschule sollte es richten. Der Kirschbaum tennis base, die bislang für das gesamte Trainingsangebot des Vereins und vor allem für die Junioren-Ausbildung zuständig war, wurde daher der Vertrag fristgerecht gekündigt. Dem Vereinsvorstand zufolge verhinderte diese Kooperation die nötigen neuen Impulse. Die Begeisterung bei Marc Raffel (Foto Mitte), dessen Agentur M.A.R.A.-Sport-Consulting die Tennisschule betreibt, hielt sich verständlicherweise in Grenzen. Einfach akzeptieren wollte er diese Entscheidung schon gar nicht. Streit war also vorprogrammiert.

„Bundesliga und Base gehören zusammen!“

Das Angebot des BW Neuss, trotz allem der Teammanager des Bundesligateams zu bleiben, lehnte Raffel kategorisch ab. Seiner Ansicht nach könnten diese beiden Bereiche nicht voneinander getrennt werden, dafür seien sie viel zu sehr ineinander verzahnt. Als Reaktion auf die Vorstandsentscheidung konterte Raffel mit der Gründung einer eigenständigen Kirschbaum tennis base, die ebenfalls im Raum Rhein-Kreis Neuss als Nachwuchsschmiede angesiedelt ist.
Es folgte eine eher unerfreuliche Zeit. Vorwürfe des schlechten Wirtschaftens, Falschaussagen über die Vereinszukunft, Beleidigungen, vermeintliche Handgreiflichkeiten – derartige Beschuldigungen waren keine Seltenheit. Die Unterlassungserklärung gegen Raffel infolge seiner Äußerungen beendete schließlich dieses Kapitel der Auseinandersetzung.

Scheiden tut weh

Und in diesem Fall vor allem dem Verein Blau-Weiß Neuss. Denn wie Raffel schon angekündigt hatte, setzte er den Plan eines unabhängigen Tenniszentrums in die Tat um. Neue Heimat seiner Tennisakademie Kirschbaum tennis base ist der Sportpark Büderich in Meerbusch, der sowohl Sand- und Hallenplätze als auch Hartplätze zur Verfügung stellt. Die Auswirkungen für den Verein folgten auf den Fuß. Viele Spitzenspielerinnen und Spitzenspieler, besonders aus dem erfolgreichen Nachwuchskader, verließen den Verein, um bei der Kirschbaum tennis base zu bleiben. Sofort wurden besorgte Stimmen laut, die ein Ausbluten des Vereins befürchteten.
Doch der Verein sieht zuversichtlich in die Zukunft, sportlich wurde der Klassenerhalt nach hartem Kampf erreicht. Die Teilnahme an der Bundesliga 2013 ist auch finanziell gesichert und ein neues Trainerteam bereits verpflichtet. Diese Aufgabe wird das Trio Sascha Klör, Marius Zay und Kevin Deden übernehmen. Auch der Spielerkader steht fest und wird in dem Argentinier Leonardo Mayer sowie den Italienern Flavio Cipolla und Filippo Volandri von drei Hochkarätern angeführt, die es bereits unter die besten 100 Profis auf der ATP-Tour schafften und die Hoffnung auf sportliche Erfolge nähren.


■ Ronja Kokott
Foto: ©M.A.R.A Sport-Consulting
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Tags: TC BW Neuss
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