Interview mit Jörg Hilpert

Auf den Plätzen des Tennisclubs Ellerbek e.V. wird dieser Tage nicht nur die Leidenschaft zum Tennissport ausgelebt: Dank der Aufnahme von Cardio Tennis in das Sportprogramm kann man nun auch gezielt etwas für die eigene Fitness tun. Jörg Hilpert, Leiter der Deutschen Tennisschule Ellerbek, spricht im Interview mit RETURNAL über seine Arbeit als Cardio-Tennis-Trainer.

Herr Hilpert, wie lange wird Cardio Tennis bereits von Ihnen angeboten?
Jörg Hilpert: In Ellerbek selber sind wir erst seit der letzten Sommersaison. Ich habe die Tennisschule allerdings vorher 17 Jahre in Hamburg Duvenstedt geführt und dort Cardio Tennis in den letzten eineinhalb Jahren ebenfalls angeboten. Angefangen hat alles am Tag der Offenen Tür 2010. Damals haben wir den Sport das erste Mal vorgeführt. Daraufhin haben zwei meiner Trainer die Ausbildung zum Cardio-Tennis-Trainer absolviert. Auch in der anschließenden Wintersaison konnten wir Cardio Tennis durchgehend anbieten.

Cardio Tennis fand großen Anklang?
Hilpert: Das ist sehr unterschiedlich. Zu Events wie dem Tag der Offenen Tür kommen natürlich viele Besucher. Als wir die Tennisschule in Ellerbek eröffneten, haben wir etwas Ähnliches veranstaltet: Damals gab es den Aktionstag „Deutschland spielt Tennis“, an dem wir uns beteiligt haben. In diesem Rahmen wurde auch Cardio Tennis vorgestellt. Die Resonanz war groß. Der Platz war ziemlich voll. Während des normalen Spielbetriebs sieht es allerdings anders aus. In der Wintersaison hatten wir in Duvenstedt immer einen festen Teilnehmerstamm – ungefähr vier bis sechs Personen. Innerhalb der Sommersaison ist die Resonanz grundsätzlich schlechter, das haben wir hier in Ellerbek ebenfalls erlebt. Im letzten Winter haben wir Cardio Tennis überhaupt nicht angeboten, da die Nachfrage nicht so groß war. Sicher werden wir es aber im Sommer wieder anbieten. Es ist einfach eine tolle Ergänzung zum Tennistraining, auch um ein bisschen was für die Fitness zu tun.

Tennisspielende der älteren Generation stehen dem Konzept „Tennis mit Musik“ meist doch eher kritisch gegenüber. Spiegelt sich das in der Gruppe wider, die am Cardio Tennis teilnimmt?
Hilpert: Das ist eine sehr gute Frage. Wenn man das Alter betrachtet, ist die Gruppe schon gemischt. Vom Geschlecht her spricht Cardio Tennis allerdings überwiegend die weiblichen Vertreter an. Männer sind da weniger für ‚Rumhopsen mit Musik’ zu begeistern. Und wenn Cardio Tennis sie vielleicht doch anspricht, dann trauen sie sich nicht mitzumachen. Da scheint bei den Männern noch eine Hemmschwelle zu existieren. Frauen sind da deutlich offener. Von den regelmäßig Teilnehmenden sind 90 Prozent Frauen.

Was macht den Spielern beim Cardio Tennis denn am meisten Spaß?
Hilpert: Das ist das Stichwort: Spaß. Zusammen Spaß in einer Gruppe zu haben, während Musik läuft, spricht viele Personen an, die sonst nicht so gerne Sport machen. Weiterhin glaube ich, dass der Fitnesscharakter einen wichtigen Punkt darstellt. Aus diesem Grund kommen auch ein paar Männer zum Spiel. Denn Cardio Training ist ja nicht speziell auf Techniktraining und eine Verbesserung der Spielstärke ausgerichtet, sondern stellt eigentlich ein Fitnesstraining mit Tennisübungen dar.

Wie werden die Leute auf Cardio Tennis aufmerksam?
Hilpert: Wir bewerben diesen Sport natürlich. Der Tag der Offenen Tür bietet sich dafür immer an, da er auch Leute anspricht, die kein Tennis spielen. Die kann man dann zum Mitspielen animieren, da Cardio Tennis ein nicht so sehr spielstärkenabhängiger Sport ist. Hauptsächlich werden allerdings bereits bestehende Vereinsmitglieder auf diese Sportart aufmerksam, da wir Listen im Verein aushängen oder gezielt Kandidaten ansprechen, von denen wir bereits wissen, dass sie interessiert sind. Und diese Spieler machen das eben zusätzlich zu ihrem Tennistraining. Häufig werden Elemente aus dem Cardiotraining sogar in das Tennistraining übernommen – insofern ist Cardio Tennis auf jeden Fall ein belebendes Element im Bereich des Tennistrainings.

Cardio Tennis scheint demnach gar nicht so populär in Vereinen zu sein. Warum haben Sie sich dennoch dafür entschieden, diese Sportart anzubieten?
Hilpert: Wir sind eine deutsche Tennisschule in Ellerbek, d. h., wir arbeiten auch sehr stark mit dem DTB und VDT zusammen. Wir versuchen ständig, unsere Angebote auf dem neuesten Stand zu halten – und Cardio Tennis gehört unbedingt dazu. Der Sport ist ja sehr stark propagiert worden. Überall wurde Werbung dafür gemacht, dass die Trainer die Ausbildung zum Cardio-Tennis-Trainer machen sollen. Und diesen Trend haben wir mitgemacht. Wir haben uns gesagt: „Ok, das bieten wir unseren Leuten an. Wir wollen etwas Neues zeigen, und wir wollen immer auf dem neuesten Stand sein.“ Zudem finden es bestehende Mitglieder natürlich toll, wenn ihnen ein abwechslungsreiches Training geboten wird. Aber unsere Erfahrungen sehen eben so aus, dass Cardio Tennis eher eine Randgeschichte ist. Der Sport hat vielmehr einen Eventcharakter.

Woran könnte das liegen?
Hilpert: Das hängt u. a. mit dem Namen zusammen, dass Cardio Tennis quantitativ nicht so gut aufgenommen wird.: „Cardio“ hat in Deutschland einen Reha-Charakter. Wenn die Leute „Cardiotraining“ hören, denken sie an Sport für Herzkranke. Der Name ist also ungeschickt gewählt. Er hat einen negativen Touch. Wir müssen den Spielern zunächst immer erklären, dass dieser Sport auch etwas für sie ist und nicht nur für Leute nach einem Herzinfarkt, die wieder auf die Beine gebracht werden sollen (Anm. d. Red.: Pulsmesser werden beim Ellerbeker Training meist nicht eingesetzt). Es entsteht also ein völlig falscher Eindruck – ausgelöst durch den Namen. Und das, glaube ich, ist auch ein Grund, warum Cardio Tennis nicht so populär ist. Den Sport anders zu nennen – das wäre viel besser.

■ Das Gespräch führte Ronja Kokott
■ Foto: ©ATV

Deine RETURNAL Redaktion

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.