Bau von Beachtennis-Plätzen - Mehr als nur eine Sandgrube

Interview über den Bau von Beachtennis-Plätzen mit Maximilian Hamm, Koordinator des Arbeitskreises Beach Tennis beim DTB

Beach-Tennis ist ein abwechslungsreicher Trendsport, der nicht nur Spaß macht, sondern für Vereine eine echte Chance darstellen kann, das Vereinsleben zu beflügeln und die Mitgliederzahlen wieder steigen zu lassen. Doch lohnt sich der Bau einer Beach-Tennis-Anlage für einen Verein? Welche Kosten kommen auf ihn zu? Und wie läuft das Ganze ab?

RETURNAL sprach mit Maximilian Hamm, der seit Beginn des Jahres im Arbeitskreis Beach Tennis des Deutschen Tennis-Bunds (DTB) tätig ist und dort auch den Bau von Beach-Tennis-Feldern in Deutschland vorantreiben möchte. Beim TV Oeffingen war er maßgeblich an der Planung der vereinseigenen Beachanlage beteiligt.

Herr Hamm, Sie haben beim TV Oeffingen eine Beachanlage geplant und umgesetzt, auch mit Hilfe der Firma Vision. Was muss ein interessierter Tennisverein beachten?
Hamm: Als ersten Schritt sollte der Tennisverein die Frage beantworten, ob er einen bereits bestehenden Tennisplatz in ein oder mehrere Beach-Tennis-Felder verwandeln möchte, oder ob ein völlig neues Anlegen eines Beach-Tennis-Platzes die bessere Lösung für die Gegebenheiten darstellt. Oftmals haben Vereine Tennisplätze, die nicht mehr genutzt werden und zu verwittern drohen – dies lässt sich mit einem Umbau in Beach-Tennis-Felder verhindern. Aber auch freie Flächen in Anlagennähe eignen sich; hier muss dann selbstverständlich neu gebaut werden.

Was sind Vor-und Nachteile der beiden Varianten?
Hamm: Der Hauptunterschied zwischen den beiden verschiedenen Vorgehensweisen liegt vor allem im erheblichen Preisunterschied – während die Umwandlung eines Platzes in eine Beach-Tennis-Anlage in der Regel nur einen vierstelligen Betrag kostet, ist der aufwendige Neubau mit einem Kostenfaktor von mindestens 30.000 Euro verbunden; je nach Struktur kann er auch deutlich teurer werden.

Nehmen wir an, es sollen bestehende Plätze umgewandelt werden. Wie gestalten sich die Baumaßnahmen?
Hamm: Zunächst werden das Netz und die Netzpfosten abgebaut. Je nachdem, ob der Platz in naher Zukunft noch einmal für den Tennissport benutzt werden soll, wird der Sand sofort auf dem Platz verteilt, oder in einem Zwischenschritt eine Abdeckung auf dem Platz verlegt. Dafür sollte zum Beispiel eine Teichfolie verwendet werden. Je nachdem, ob überschüssiges Wasser abgeleitet werden soll oder nicht, können noch entsprechende Abflüsse verlegt werden. Es ist darauf zu achten, dass die vorhandenen Bodenhülsen auch für die Netzpfosten der Beachanlage verwendet werden können.

Und dann kommt der Sand ins Spiel?
Hamm: Genau. Danach wird der Sand – normalerweise in der Körnung 0/2 - aufgeschüttet. Danach kann das Feld umrandet werden. Dazu verwendet die Firma Vision in Italien überwiegend mit Sand gefüllte Abwasserrohre in einem Durchmesser von 50 Zentimeter. Da diese in Deutschland aber nur zu einem recht hohen Preis erhältlich sind, können auch Alternativen verwendet werden, zum Beispiel aus Holz.
Schließlich müssen die Netzpfosten und Netze angebracht, die Linien gespannt werden. Entweder können diese mit Haken im Boden installiert oder außerhalb vom Platz befestigt werden. Wichtig ist, dass ein Spannen der Feldbegrenzung möglich ist. Ist der Tennisplatz noch nicht umzäunt, sollte das nachgeholt werden, denn Beach-Tennis-Felder sind beliebt bei Hunden, Katzen und anderen Tieren.
Alle weiteren möglichen Arbeiten betreffen nur noch die optische Aufwertung und werden je nach Budget durchgeführt. Beispielsweise ist es möglich, die Umzäunung des Platzes mit Banden auszustatten, die für Firmenwerbung genutzt werden können.

Mit welchen Kosten hat ein Verein zu rechnen?
Hamm: Den größten finanziellen Posten stellt bei der einfachen Variante der Sand dar. Gleichzeitig ist mit ihm auch der meiste Aufwand der Baumaßnahmen verbunden. Wenn Sie von einem Beach-Tennis-Feld ausgehen mit der Größe 16 mal 8 Meter, dazu noch einen Auslauf einberechnen, kommen Sie auf 140 Tonnen Sand. Es sollte also möglich sein, mit den Lieferfahrzeugen möglichst nah an den entsprechenden Platz heranzufahren – je weiter der Sand vom Feld entfernt ist, desto mehr Aufwand und mehr Kosten entstehen. Das Netz (etwa 100 Euro), das Linienset (etwa 60 Euro) und weiteres Feldzubehör ist bei der Firma Vision erhältlich.

Was ist die Rolle der Vereine während des Platzbaus?
Hamm: Die Kosten hängen unter anderem auch damit zusammen, ob der Verein Mitglieder stellt, die tatkräftig den Bau der Felder unterstützen, wie das zum Beispiel auch beim TV Oeffingen der Fall war oder beim TC Ladenburg geplant ist. Es ist zu prüfen, ob mit einem Zuschuss des Landes-Sportbunds oder der Stadt zu rechnen ist. Der Verein kann sich jederzeit an den Beach-Tennis-Arbeitskreis beim DTB wenden, der bei Fragen zu Spielregeln, Turnieren oder anderen Vereinsaktionen die richtige Anlaufstelle ist.

Und wie gestaltet sich die Bauvariante, bei der ein völlig neuer Platz angelegt wird?
Hamm: Wird eine Anlage wie in Oeffingen von Grund auf neu erbaut und eingezäunt, ist mit einem finanziellen Aufwand von mindestens 30.000 Euro zu rechnen – allein der Zaun hat in Oeffingen um die 15.000 Euro gekostet. Bei dieser Bauvariante muss wesentlich mehr Arbeit investiert werden. In Oeffingen wurde auf einem freien Grund eine Anlage in der Größe 24 mal 28 Meter erbaut. Dafür musste zunächst über die gesamte Fläche ein halber Meter Erde abgetragen und eine Drainage gelegt werden. Darauf wurde ein Fließ gelegt und ein Blitzschutz eingebaut, denn die Anlage wurde mit einem Metallzaun eingegrenzt. Zudem mussten Stromleitungen und Vorrichtungen für das Flutlicht verbaut werden. In Oeffingen wurde noch eine vier Meter breite Fläche mit Platten gefliest, die als „Aufenthaltsbereich“ genutzt und mit Liegestühlen und Sonnenschirmen ausgestattet werden kann. Außerdem ist eine Seite mit einer Tribüne aus Natursteinen ausgestattet.

Wie aufwendig ist die Pflege eines Beach-Tennis-Platzes?
Hamm: Während der Saison braucht ein Beachplatz nur sehr wenig Pflege. Es müssen lediglich die stärker bespielten Flächen mit Sand ausgeglichen und die Fläche hin und wieder mit einem Rechen aufgelockert werden. Auch müssen die Plätze für den Winter nicht besonders vorbereitet werden. Lediglich die Netze werden abgenommen, abgedeckt werden muss nichts. Im Frühjahr gibt es keine arbeits- und kostenaufwendige Instandsetzung, sondern lediglich eine Art „Frühjahrsputz“, bei dem altes Laub, Gras oder andere Pflanzen aus dem Sand entfernt werden. Danach kann wieder gespielt werden. Der Sand sollte jedoch in regelmäßigen Abständen je nach Verwitterung erneuert werden.

Das Gespräch führten Gesche Gerdes und Malin Baruschke
■ Foto: ©Maximilian Hamm

Deine RETURNAL Redaktion

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.