Wie erkenne ich eine gute Tennisservicefirma?

Guter Service, schlechter Service

Die Zeiten haben sich geändert, auch in Bezug auf die Herrichtung von Tennisplätzen. Konnte sich bis vor 20 Jahren fast jeder Tennisverein einen Platzwart leisten, der sich dieser Arbeit professionell annahm, so sucht man heute häufig nach einer Tennisservice-Firma, die diesen Job übernimmt. Auf Werbeslogans, die mit „20 Jahren Erfahrung“ titeln, sollte man dabei nicht blind vertrauen.

(von Sophie Augustin und Uwe Lehert - RETURNAL Redaktion) Eine Tennisservice-Firma arbeitet heutzutage im Akkord. Ihre Hauptarbeitszeit ist zwischen März und Anfang Mai. Sechs Wochen Zeit also, um den Löwenanteil des Jahreseinkommens zu verdienen. Deshalb haben viele Firmen ihr Einsatzgebiet auf ganz Deutschland ausgeweitet. Mobile Kolonnenarbeit macht’s möglich. Tennisvereine können davon profitieren, denn die Konkurrenz ist groß und das drückt den Preis. Das Manko: Die Mitarbeiter sind überwiegend nicht fachgerecht ausgebildet. Das Motto lautet hier „learning by doing“. Oft erarbeiten sich Studenten in solchen Firmen einen Nebenverdienst. Da sich mit ihnen Personalkosten sparen lassen, werden die Studenten gerne angestellt. Das stellt an sich noch kein Problem dar. Aber die Studenten arbeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit nur während ihrer Studienzeit, im Durchschnitt also höchstens 4-5 Jahre, in diesem Nebenjob. Für die Firma bedeutet das, dass sie immer wieder neue ungelernte Arbeiter einstellt. „20 Jahre Erfahrung“ ist demnach nicht immer gleichbedeutend mit professionellen Arbeitskräften.

Learning by doing ersetzt nicht das Know-How

Aus diesem Umstand folgern auch für die Frühjahrsinstandsetzung (FIS) viele Vereine: Das kriegen wir genauso gut selbst hin. Eigentlich ein löblicher Vorsatz, denn gemeinsame Arbeit schweißt den Verein zusammen. Doch auch das größte Engagement ersetzt nicht das Know-How, das man haben muss. Selbst wenn es bloß am richtigen Werkzeug mangelt, wirkt sich das schon negativ auf den Platz aus. Vereine sollten nie aus den Augen verlieren, dass gute Plätze mit das wertvollste Kapital sind, das sie besitzen. Zudem braucht man verantwortungsvolle und kräftige Mitstreiter. Schon aufgrund der veränderten Altersstruktur hat nicht jeder Verein hiervon genügend unter seinen Mitgliedern. Zudem mussten viele Vereine einen länger anhaltenden Mitgliederrückgang durch höhere Beiträge ausgleichen. Dafür erwarten die Mitglieder jetzt entsprechende Qualität und mehr Service und sind eventuell nicht mehr ohne weiteres dazu bereit, auch die Instandsetzungsarbeiten mitzutragen. Wer da am (falschen) Platz spart, muss sich Kritik und weitere Austritte gefallen lassen. Eine FIS in Eigenregie durchzuführen ist nur etwas für Vereine, die sich sicher sind, eine Kombination aus Sachverstand, Erfahrung und genug bereitwilliger Arbeitskraft ihr eigen nennen zu können. Denn auch bei engagierten Mitgliedern sind fachgerechte Arbeit und ehrenamtliches Engagement nun mal zwei Paar Schuhe. Das zeigt sich auch in der Tatsache, dass sich die Zeitspanne zwischen Platzbau und erster Grundüberholung in den letzten Jahren stark verkürzt hat. Tennisplätze können nur so lange gut erhalten bleiben, wie sie intensiv und professionell gepflegt werden.

Kommunikation statt Missverständnis

Und so heißt es auch bei der Auswahl einer Servicefirma für den Verein: unbedingt wachsam sein! Es spricht dabei weder etwas gegen die Arbeit im Kolonnensystem, noch gegen studentische Hilfskräfte, so lange die Firma einen hauptverantwortlichen Mitarbeiter mitschickt, der als Ansprechpartner für den Verein fungiert und das nötige Fachwissen mitbringt. Die Zusammenarbeit zwischen Verein und Servicefirma funktioniert nur dann richtig gut, wenn die Kommunikation stimmt. Dazu müssen beide Parteien beitragen. Eine Firma, die sich durch gute Erreichbarkeit auszeichnet und auf die Fragen des Kunden verständnisvoll eingeht, steht möglicherweise auf einem solideren Fundament als eine Firma, bei der der Kunde im Dunkeln gelassen wird, bis die Rechnung auf dem Tisch liegt.
Umgekehrt ist es auch wichtig, dass der Verein selbst eine Kompetenzperson bereitstellt, die sich mit den Anlagen auskennt und schon im Vorfeld auf mögliche „Problemzonen“ der Plätze hinweisen kann. Dass jemand im Verein sich mit der Materie beschäftigt hat und der Firma ein wenig über die Schulter schauen kann, hilft beim Ausräumen von Missverständnissen und beugt Mängeln vor.

Gut informiert - auf beiden Seiten

Für einen Verein auf der Suche nach den richtigen Dienstleistern stellt sich erst einmal die Frage nach geeigneten Informationsquellen. In der Branche ist das wichtigste Medium immer noch die Mund-zu-Mund-Propaganda. Andere Tennisvereine nach ihren Erfahrungen zu fragen, funktioniert seit Generationen – allerdings monopolisieren in der Konsequenz einzelne Firmen die Region. Das Internet ist als Informationsquelle zu Recht nicht mehr unterschätzt; Kommentar- und Bewertungsseiten verraten oft viel darüber, ob ein Anbieter in Frage kommen sollte oder nicht. Die Online-Auftritte der Firmen verhelfen dem Suchenden manchmal ebenfalls schon zu einem ersten Eindruck von der zu erwartenden Arbeit. Als Indikator für das Fachwissen der Firma kann hier z.B. die Angabe über die Dicke der Ziegelmehlschicht fungieren. Diese variiert von Anbieter zu Anbieter zwischen 20 und 50 mm. Laut DIN 18035-5 sind auf Tennisplätzen 25 mm Dicke möglichst einzuhalten. Firmen, die das Doppelte, also 50 mm, als Idealwert angeben, fallen damit durch das Raster. Das Leistungsangebot, das die Firma im Netz präsentiert, kann ebenfalls viel über den Stand des Knowhows aussagen. Firmen, die auf die Nassschlämmmethode setzen, gehen mit der Zeit; wer nur das trockene Walzen und Abziehen kennt und anbietet, hat den Fortschritt der Technik verpasst. Wer jedoch ausschließlich die Schlämmmethode im Repertoire hat, ist sich möglicherweise nicht über die individuell verschiedenen Ansprüche der Sandplätze im Klaren. Gezieltes Nachfragen kann hier Aufschluss geben, ob es tatsächlich am Fachwissen fehlt. Eventuell erfährt man auf der Firmenseite auch etwas über die Ausbildungspraxis von Firmenleitung und Mitarbeitern, das den Ausschlag gibt, sich zu entscheiden. Nach und nach werden Sie sich durch die Recherche selber Fachwissen aneignen. Das hilft Ihnen beträchtlich bei der Auswahl der richtigen Firma. Aber natürlich muss jeder Verein seine eigenen Erfahrungen machen. Hinzu kommen unterschiedliche Prioritäten: für den einen ist die lokale Bindung wichtiger, für den anderen der Preis und für den dritten die Breite des Dienstleistungsangebots.

Wer nicht nachsieht, hat das Nachsehen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein Spruch, auf den Sie sich besinnen sollten, wenn Sie Ihre Plätze nicht in Eigenregie instandsetzen. Eine seriöse Firma hat Interesse daran, ihre Arbeit offenzulegen. Mithilfe einer punktuellen Kontrolle der Arbeitsschritte können Sie vermeiden, dass es erst bei der Endabnahme zur Besprechung der mangelhaften Arbeit kommt. Kontrollieren Sie, ob die besprochenen Arbeiten zu Ihrer Zufriedenheit ausgeführt werden. Und zwar während des Arbeitsprozesses. Schauen Sie nach, ob das Verhältnis zwischen abgetragener und aufgetragener Sandmenge ausgeglichen ist, z.B. indem Sie überprüfen, wie viel Altmaterial bei der Deponie entsorgt wurde. Gerne schütten unseriöse Firmen die Tennisplätze mit Sand zu, teilweise in Absprache mit Ziegelmehllieferanten. Oder von der alten Deckschicht wird zu wenig abgenommen, um sich Arbeit zu sparen. So kommt es zu einem optisch zwar sehr ansprechenden Ergebnis, die Mängel werden aber bald offensichtlich. Spätestens, wenn der Platz sich beim ersten leichten Regen in einen sumpfigen Sandkasten verwandelt: Kein Match auf Matsch. Wenn Sie also das Gefühl haben, der Wasserablauf auf der neu hergestellten Fläche sei schlechter geworden, messen Sie die Schichtstärke ruhig mal nach. Ihre Mitglieder werden es Ihnen danken. Wer sich nach der Auftragserteilung aus den Vorgängen zurückzieht und die Firma unbesehen machen lässt, tut sich damit keinen Gefallen. Regelmäßige Kommunikation ist für beide Parteien wichtig. Durch konkretes Nachfragen wird man ernst genommen..

Verantwortung - nicht bloß für eine FIS

Eine gute Tennisservice-Firma wird Sie im Erstgespräch darauf hinweisen, dass die Behandlung der Plätze über die Frühjahrsinstandsetzung hinausgehen muss. Wenn sie nicht von sich aus Beratung dazu anbietet, fragen Sie. Im Dienstleistungssektor sollte jedes Unternehmen gern dazu bereit sein, Ihnen auch bei weiteren Maßnahmen beratend zur Seite stehen. „Ganz großes Tennis“ baut auf eine gute Basis, den Tennisplatz. Insofern sollte von provisorischen Maßnahmen abgesehen werden. Langfristig geplante Platzpflege ist die erfolgsversprechende Alternative. Ein paar Wochen nachdem die FIS zum ersten Mal durch die Tennisservice-Firma vorgenommen wurde, können kleine Defizite erkennbar sein. Gute Service-Firmen bieten einen Kulanzzeitraum für nachträglich auftretende Mängel. Sowie die Servicefirma dieselbe Tennisanlage zum zweiten Mal herrichtet, können die tatsächlichen Ursachen für auftretende Mängel identifiziert werden. So zum Beispiel, ob das Wasser auf einem Platz so spärlich abläuft, weil dieser benachbart zu einem Bach gebaut wurde oder zu viel Sand das Versickern verlangsamt, oder ob ein anderer Ursprung in Betracht kommt. Jeder Tennisplatz hat seine individuellen Eigenschaften, die auch eine Servicefirma erst kennenlernen muss. Ein Platzwart, der sich auskennt, ist da natürlich Gold wert. Wie bei einem Hausarzt, der die Krankengeschichte nach einer Weile bestens kennt, kann auch bei einer Tennisservicefirma eine langjährige Zusammenarbeit sinnvoll sein, wenn das gegenseitige Einvernehmen gut und die Arbeit solide ist. Je länger das Arbeitsverhältnis zwischen Club und Tennisservice-Firma besteht, desto besser sind die Kenntnisse der Firma über die Beanspruchung und die Schwachstellen der einzelnen Plätze. Mit der Zeit kann mittels guter Platzpflege und gezielter Instandhaltungsmaßnahmen durch Verein und Serviceleister die Qualität der Plätze nachhaltig angehoben werden. Damit bedarf die Tennisanlage auch immer weniger Extra-Leistungen neben der FIS; Grundüberholungen können sich um Jahre nach hinten verschieben lassen, die „Lebensdauer“ der einzelnen Plätze verlängert sich. Auch für die Service-Firma lohnt sich die mehrjährige Zusammenarbeit, da sie die Bearbeitung dieser Tennisanlage zeitlich und finanziell fest einplanen und somit besser kalkulieren kann. Eventuell lässt sich bei einer mehrjährigen Kooperation auch ein preisliches Entgegenkommen seitens der Tennisservice-Firma erwirken. In einem solchen Fall gilt dann vielleicht auch für sehr viele Jahre der Satz von Tennislegende Bill Tilden: „Never change a winning team!“▪ SOA/UL

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