Sherlock Willi - Ein Platzwart ermittelt in Sachen Pfusch

Eine seltsame Bläschenbildung auf seinen Tennisplätzen gab Platzwart Willi (Name geändert) Rätsel auf. Er ging der Sache auf den Grund und stellte fest: seine Tennisservice-Firma hatte jahrelang schlecht gearbeitet. Eine erschreckende, aber wahre Geschichte.

Vier Tennisplätze hat die Anlage des Vereins und diese wurden jahrelang von ein und derselben Tennisservice-Firma instandgesetzt. Und mit den Jahren stellten sich verstärkt Mängel ein, die leider schon als typisch bezeichnet werden müssen: verminderte Wasserdurchlässigkeit und verschlechtertes Ballsprungverhalten. Als recht ungewöhnlich erschien Platzwart Willi allerdings, dass sich auf den Plätzen nach dem Bewässern oder nach Regenschauern Bläschen im Belag bildeten. Bei seiner Tennisservice-Firma nachgefragt, erhielt Willi keine befriedigende Erklärung für das Phänomen. Der Geschäftsführer war zunächst selbst ratlos und zog letztlich die für ihn einzig denkbare Begründung heran: Verunreinigungen der Container sollten für eine chemische Reaktion verantwortlich sein, die die Bläschenbildung verursachte. Dieselben Verunreinigungen in jedem Jahr, dazu nur bei diesem, aber nicht bei anderen Vereinen? Willi blieb skeptisch. Er recherchierte auf eigene Faust und bekam von anderer Stelle schließlich eine Auskunft, die ihn nachdenklich machte: Erfahrungsgemäß, so sagte man dem Platzwart, rührt eine solche Bläschenbildung von Faulgasen her, die sich dann bilden, wenn verunreinigtes Altmaterial in der Tennisdecke verbleibt. Um endgültige Sicherheit zu erlangen beschloss Willi, die Tennisservice-Firma bei der nächsten Frühjahrsinstandsetzung (FIS) auf die Probe zu stellen.

Die Firma in die Falle gelockt

So setzte der Platzwart mit Hilfe des Vereins im Frühjahr zwei Plätze selbst instand und gab nur die beiden anderen Plätze bei der Tennisservice-Firma in Auftrag. Ein anschließender Vergleich sollte Aufschluss geben. Die Arbeitskolonne der Tennisservice-Firma rückte an, innerhalb nur eines Tages hatte sie ihre Arbeiten abgeschlossen und war weitergezogen. Einer der Gründe, aus denen die Tennisservice-Firma derart zügig fertig geworden war, wurde schnell offensichtlich: von dem vorgehaltenen Neumaterial war nach der FIS noch jede Menge übrig. Und dabei hatte Willi wegen der großen Restmengen, die stets zurückgeblieben waren, bereits zwei Tonnen Sand weniger bestellt als in den Jahren zuvor. Von den georderten acht Tonnen Sand hatte er bei der Instandsetzung der ersten beiden Tennisplätze bereits über die Hälfte verbraucht und eigentlich hatte der Platzwart fest damit gerechnet, dass die Firmenarbeiter ihn im Laufe der Frühjahrsinstandsetzung nach Reservematerial fragen würden. Doch weit gefehlt. Für die Instandsetzung der anderen beiden Plätze verwendete die Firma nur rund zwei Drittel des verbliebenen Neusandes. Wie sie damit hatte auskommen können, liegt auf der Hand und war ebenfalls problemlos überprüfbar. Ein Blick in den Altsand-Container verriet: die Tennisservice-Firma hatte nicht einmal halb so viel alten Sand von den beiden Plätzen abgetragen wie Platzwart Willi von den beiden anderen herunterscharriert hatte. Die mengenmäßige Bilanz wurde auch nicht wesentlich verändert, rechnete man den Sand ein, den die Firmenarbeiter zur Zeitersparnis nicht zum Container gefahren, sondern unerlaubt an einer Böschung neben dem Gehweg abgekippt hatten.

Ums Schlämmen betrogen

Als die Mitarbeiter der Tennisservice-Firma wenige Tage nach der FIS zur Platzabnahme zurückkehrten, kam Weiteres ans Licht. Zunächst aber äußerte sich Willi noch lobend und stellte fest: „Die Plätze sehen aus wie aus dem Bilderbuch.“ Und das entsprach sogar den Tatsachen. Rein optisch waren die Tennisdecken äußerst gelungen. Bei der Platzbegehung aber war der Pfusch schnell ausgemacht. Ein wenig mit dem Fuß über den Belag gescharrt, schon zeigte sich der grüne Altbelag. Dass die Firma außerdem nicht wie vereinbart nass geschlämmt, sondern den neuen Sand trocken eingearbeitet hatte, war Willi sofort ins Auge gefallen. Damit war das Ergebnis des kleinen Tests, dem der Platzwart die Tennisservice-Firma unterzogen hatte, so bitter wie eindeutig. Willi, erfahren genug um zu wissen, dass solche Misswirtschaft in aller Regel nicht in Eigenregie von den Mitarbeitern betrieben, sondern vom Geschäftsführer veranlasst wird, ließ den Kolonnenführer beim Firmenchef anrufen und sich sodann das Telefon übergeben.

Alle Schuld von sich gewiesen

Der Platzwart konfrontierte den Geschäftsführer der Tennisservice-Firma zunächst mit dem Altmaterial als Ursache der Bläschenbildung. Der Firmenchef aber wollte davon gar nichts hören. Er stritt ab, dass die Arbeit seiner Tennisservice-Firma die Bläschenbildung herbeigeführt hatte und wollte nicht einmal einräumen, dass die Theorie von den entstehenden Faulgasen an sich stimmen könnte. Schließlich erdreistete er sich auch noch, als Gegenargument anzuführen, dass Willi alljährlich die Plätze ohne Beschwerden abgenommen habe. Damit habe er selbst bestätigt, dass die Arbeiten stets fachgerecht ausgeführt wurden. Heftig wurde der Streit zwischen Platzwart und dem Chef der Tennisservice-Firma, als Willi das Schlämmen zur Sprache brachte. Zu Recht echauffierte sich der Platzwart, der vor Jahren gerade wegen der damals noch weniger verbreiteten Schlämm-Methode zu dieser Tennisservice-Firma gewechselt war. Das Schlämmen war im Angebot enthalten und entsprechend auch bezahlt, also war auch die Leistung von der Firma zu erbringen. Der Firmenchef stellte sich weiter quer, behauptete, bei einem nachträglichen Schlämmen würden starke Schuhabdrücke im Belag zurückbleiben und erklärte schließlich, wenn Willi darauf bestehen würde, dass jetzt noch geschlämmt wird, dann wäre das Risiko dabei vom Verein zu tragen. Das heftige Streitgespräch wurde von Willi schließlich abgebrochen.

Zur Beschädigung aufgefordert

Wie einer der damaligen Kolonnenarbeiter RETURNAL berichtete, wurden die Mitarbeiter im Anschluss an diesen Streit von ihrem Chef dazu angehalten, beim Schlämmen mit Absicht kräftige Stiefelabdrücke in den Belag zu treten. Dieser Aufforderung zur Sachbeschädigung kam jedoch keiner von ihnen nach. Die Gründe dafür, warum nicht geschlämmt wurde, scheinen in einer zwielichtigen Firmenpolitik zu liegen. Die Termine werden vom Chef für die Kolonne so eng geplant, dass diese im Grunde keine andere Wahl hat als zu pfuschen. ‚Wichtige‘ Kunden werden zuerst berücksichtigt, kleinere Vereine geraten ins Hintertreffen. So auch ein kleiner Verein ganz in der Nähe der Anlage, dessen Platzwart sich telefonisch beim Kolonnenführer erkundigte, wo die Arbeiter denn wohl blieben. Der Chef hatte dem dortigen Platzwart von einer Woche auf die nächste versprochen, dass das Serviceteam in Kürze eintreffen würde. Erst vom Kolonnenführer erfuhr der Platzwart schließlich, dass der Verein tatsächlich erst Wochen später auf dem Plan stand. Der Kolonnenführer rief seinen Chef an, wollte die vier Plätze des Vereins „dazwischenschieben“, doch der erklärte den Kunden für „unwichtig“ und ließ keine Planänderung zu. Unwichtig erschien der Firma offenbar auch Willis Anlage. Da der Verein in diesem Jahr von vier Plätzen nur noch zwei in Auftrag gegeben hatte, schienen finanzielle Gründe naheliegend und die Vermutung stand im Raum, dass der Verein sich über kurz oder lang gar keine Service-Firma mehr würde leisten können. Damit wurde sie wirtschaftlich uninteressant. Schließlich ahnte niemand, dass Willi lediglich zur Kontrolle der Firma zwei Plätze selbst instandgesetzt hatte.

In Zukunft genauer hinschauen

Die Kolonne der Tennisservice-Firma schlämmte schließlich die Plätze nach, nachdem sie den restlichen Neusand und weiteren Sand aus dem Lager unter Aufsicht des Platzwartes eingestreut hatte. Auch beim Schlämmen blieb Willi am Platz und zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Nichts anderes hatte er erwartet, denn dass es nicht die Unfähigkeit der Arbeiter, sondern der Termindruck vom Firmenchef war, der die minderwertigen Resultate verschuldete, war ihm schon lange klar gewesen. In Zukunft will er jedoch schärfer kontrollieren, was genau auf seinen Plätzen passiert. Sherlock Willi wird also auch weiterhin wachsam und auf der Hut sein.

Können Sie von Geschichten wie dieser ein Lied singen? Haben Sie möglicherweise ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder haben Sie Fragen, welche die Platzpflege oder andere Bereiche der Vereinsarbeit betreffen? Die RETURNAL bieten Ihnen und Ihrem Verein die Möglichkeit, andere Tennisfreunde an Ihrer Geschichte und Ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen. Wir bilden eine Plattform des Austauschs, auf der Sie sich - gern auch anonym - anderen mitteilen und gegenseitig von den Erfahrungen jedes Einzelnen profitieren können.

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