Pfuschbeseitigung auf sieben Sandplätzen

20 Tonnen runter, 10 Tonnen rauf

Seine Plätze hatte der TC Waldreben* in Baden-Württemberg über Jahre von einer Tennisservice-Firma instand setzen lassen. Der Pfusch der Tennisservice-Firma hätte den Verein in diesem Jahr beinahe sein Renommee und einen Teil seiner Einnahmen gekostet, doch der ganze Vorstand packte an und konnte das Ruder gerade noch herumreißen.

Es war jahrelang dieselbe Tennisservice-Firma, die der TC Waldreben mit der Frühjahrsinstandsetzung (FIS) beauftragt hatte, doch die Klagen der Spieler wurden immer lauter. Die Böden waren butterweich geworden und auch durch tägliches Walzen nicht fest zu bekommen, bis nach Regen oder Bewässerung die Plätze wieder bespielbar waren, dauerte es länger und länger. Zur FIS 2010 beauftragte der TC schließlich eine andere Tennisservicefirma, die möglichst alle Probleme auf einen Schlag beheben sollte. Doch über viele Jahre angewachsenes Unkraut zu entfernen, sämtliche Linierungen in Ordnung zu bringen und die Mängel der Tennisdecken innerhalb einer einzigen regulären FIS zu beheben, liegt außerhalb des Möglichen. Beim TC verschärften sich die Probleme mit den Sportböden sogar noch weiter, denn die neue Tennisservice-Firma arbeitete nicht besser, als die alte. So wurde auf Anweisung des Firmenchefs auch 2010, wie bereits in den Jahren zuvor, zu viel neuer Sand auf die Plätze aufgebracht – Hauptursache der Wasserundurchlässigkeit und der weichen Böden. 2011 wurden die Platzprobleme schließlich zu einer ernsthaften Bedrohung für den TC. Die Profimannschaften, die viel Geld für die Nutzung der Anlage bezahlen, wollten sich derart mangelhafte Plätze als Trainingsort nicht mehr lange bieten lassen. Und auch Platzwart Dieter W.* hatte es längst satt.

Der Chef der Tennisservice-Firma verweigerte die Leistung

Als die Arbeiter der Tennisservice-Firma zur FIS 2011 beim TC eintrafen, erklärte Dieter W., er wünsche im Zuge der FIS einen größeren Sandabtrag als üblich und wollte Auskunft über den für die Zusatzleistung anfallenden Preisaufschlag. Da die Mitarbeiter nicht autorisiert waren, hierüber zu entscheiden, verwiesen sie Dieter W. mit seinem Anliegen an den Geschäftsführer der Servicefirma. Im Telefongespräch war mit diesem kein Übereinkommen möglich, der Geschäftsführer sträubte sich hartnäckig, dem Wunsch des Kunden nachzukommen und verweigerte jegliche Leistung, die die Standard-Frühjahrsinstandsetzung übersteigen würde. Nur zu verständlich, dass Dieter W. nun den Gedanken fasste, die Mitarbeiter der Tennisservice-Firma sofort der Anlage zu verweisen. Ohne weitere Rücksprache mit der Firmenzentrale konnten Dieter W. und die Mitarbeiter der Tennisservice-Firma vor Ort dann doch noch eine Einigung im Interesse des Vereins erzielen. Nun stand ein immenser zusätzlicher Arbeits- und damit auch Zeitaufwand an, um die gewünschte Maßnahme durchzuführen, den Tennisservice-Mitarbeitern blieben jedoch nur wenige Tage, bis sie sich unweigerlich zur FIS auf der Tennisanlage eines anderen Auftraggebers einzufinden hatten. So erklärte sich der gesamte Vorstand des TC Waldreben bereit, tatkräftig bei den Arbeiten mitzuwirken.

Der gesamte Vorstand war auf dem Platz

Die Zusammenarbeit von Servicemitarbeitern und Vorstand lief wie am Schnürchen, was in ganz besonderem Maße dem Engagement von Platzwart Dieter W. zu verdanken war. Innerhalb kürzester Zeit organisierte er 100 neue Linienanker sowie diverse neue Linien und einen Buggy, ohne den der Abtransport der gewaltigen Mengen Tennissand von den Plätzen nicht zu bewältigen gewesen wäre. Täglich packten die Vorstandsmitglieder des Vereins nach Kräften zu, um gemeinsam mit den drei Männern der Tennisservice-Firma die verpfuschten Plätze wiederherzustellen. Alle sieben Tennisplätze des TC mussten im Zuge dieser Frühjahrsinstandsetzung, die im Grunde schon als Sanierungsmaßnahme bezeichnet werden kann, zweimal scharriert werden, um der erheblichen Mängel Herr zu werden. Einen reibungslosen Ablauf stellte auch hier Platzwart Dieter W. sicher, der den Abtransport der vollen und die Bereitstellung weiterer leerer Container optimal timte.

10 Tonnen Sand zu viel auf den Plätzen

Schlussendlich wurden über 20 Tonnen Sand von den 7 Plätzen heruntergeholt. Von den 17,5 Tonnen neuem Tennissand, die die Tennisservice-Firma standardgemäß als Einbaumaterial angeliefert hatte, wurden gerade einmal 10 Tonnen auf den Plätzen verteilt. Das Ausmaß des jahrelangen Pfuschs wird angesichts der Zahlen einmal mehr deutlich; es musste doppelt so viel Sand abgetragen werden, wie anschließend aufgetragen wurde. Ein Blick zurück auf die Zahlen vergangener Jahre zeigt den Grund für diese Differenz: in 2010, wie auch in den Jahren zuvor, wurden auf Empfehlung der Tennisservice-Firmen bei jeder FIS 17,5t, das heißt 2,5t pro Platz an Neusand eingebaut; wie sich leicht aus den Belegen der Altsandentsorgung der Containerdienste entnehmen lässt, wurden Jahr für Jahr aber nur 10 bis 11t, also etwa 1,5t pro Platz abgetragen. Die von Tennisservice-Firmen üblicherweise empfohlene halbe Tonne pro Platz an Nachstreusand für die Saison eingerechnet, müsste ein Spiel- und Witterungsbedingter Materialverlust von 1,5t pro Platz und Jahr stattfinden, um solche Differenzen zwischen Abtrags- und Einbaumenge noch im Sinne der Sportfunktion des Belages begründen zu können. Wie die ungeheure Übermenge an Sand auf den Plätzen des TC überdeutlich zeigt, ist dies nicht der Fall.

Katastrophe abgewendet, Zukunft gesichert

Beim TC Waldreben verließ man sich jahrelang im guten Glauben an Fairness und Sachverstand auf Tennisservice-Firmen, die in der Tat stets einen netten und guten Eindruck hinterlassen hatten; auch sahen die Tennisplätze nach der FIS stets einwandfrei aus, und das trotz übler Pfuscherei. Der TC Waldreben ist damit jedoch kein Einzelfall, sondern ein Beispiel dafür, wie geschickt und skrupellos einige Tennisservice-Firmen die Vereine um ihr Kapital bringen. Der Fall zeigt, dass sie dabei auch vor Clubs mit großem Renommee nicht Halt machen. Doch zugleich gibt der TC ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass man mit gutem Willen und starkem Einsatz eine echte Katastrophe verhindern kann. Das Ergebnis der bemerkenswerten, kooperativen Bemühungen von Vereinsvorstand und Servicemitarbeitern und des organisatorischen Eifers von Platzwart Dieter W. kann sich sehen lassen. Bereits in diesem Jahr wurde ein tolles Ergebnis in Sachen Platzqualität erzielt und damit großer Imageschaden abgewendet. Für die nächsten Jahre stehen noch kleinere Nacharbeiten auf den Plätzen an, wie der sukzessive Austausch alter Linierungen, der Ausgleich von Mulden und die weitere Reduzierung zweier Tennisdecken, die durch den Pfusch am schlimmsten in Mitleidenschaft genommen waren. Maßnahmen, die unmöglich innerhalb einer FIS oder eines Jahres abgeschlossen werden können. Einen Drei-Jahres-Plan hierfür hat der TC Waldreben gemeinsam mit den Service-Mitarbeitern der diesjährigen FIS angelegt. Der Auftrag für die FIS 2012 geht wohl an eine andere Tennisservice-Firma – und die wird sich aufgrund der schwarzen Schafe, die dem TC den großen Ärger eingebracht haben, sicher erst einmal verstärkt auf die Finger sehen lassen müssen. Mit Instandsetzungsmaßnahmen wie der Erneuerung sämtlicher Spielfeldmarkierungen investiert der TC Waldreben auch weiter in die Zukunft. Doch schon seit dem Frühjahr 2011 spielt man dank einer großartigen Teamleistung beim TC wieder auf Plätzen von echtem internationalen Niveau. Chapeau! ▪ NIK

* Namen von der Redaktion geändert

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