Pfusch, Tricks und Abzocke der Tennisservice-Firmen

Trotz der Vielfalt der Methoden, die die Tennisservice-Firmen bei der jährlichen Frühjahrsinstandsetzung (FIS) anwenden, geht man doch davon aus, dass die Arbeiten stets sachgerecht ausgeführt werden. In manchen Fällen ist dies ein großer Irrtum.

Haben Sie schon feststellen müssen, dass auf Ihren Tennisplätzen etwas nicht ganz stimmt? Der Ball springt nicht mehr so wie früher, das Wasser braucht nach einem Regenfall mitunter 1-2 Tage bis es abgelaufen ist und die Plätze wieder bespielbar sind? Der Boden ist weicher geworden, die Linierung ist schief und krumm, es bestehen Unebenheiten und bei Nässe ist Blasenbildung zu sehen und dies, obwohl Sie die jährliche Frühjahrsinstandsetzung Ihrer Anlage von einer professionellen Tennisservice-Firma durchführen lassen? Machen Sie nicht voreilig das Alter der Plätze oder unzureichende Pflegemaßnahmen von Platzwart und Spielern dafür verantwortlich, dass sich auf Ihren Plätzen schon bald nach Saisonbeginn Probleme bemerkbar machen. Denn solcherlei Mängel können auch Anzeichen dafür sein, dass bei Ihnen gepfuscht worden ist.

Pfusch Nr. 1 - Walzen vor dem Scharrieren

Es kann durchaus ratsam sein, im Falle einer über den Winter stark hochgefrorenen Tennisdecke, einen Tennisplatz vor dem Abtragen des alten Sandes zu walzen. Sachgerechte Konsequenz ist dann aber auch, dass beim Scharrieren mehr Kraft und Zeit aufgewendet werden müssen, um das Altmaterial hinreichend zu entfernen. Zudem ist laut „Handbuch Tennisanlagen“ (herausgegeben vom DTB) für das Vorwalzen eine leichte Walze einzusetzen. Bei diesem Arbeitsschritt pfuschen unseriöse Tennisservice-Firmen wie folgt: unabhängig von der tatsächlichen Notwendigkeit wird der Platz grundsätzlich und mit einer schweren Walze vor dem Scharrieren gewalzt. Der alte Sand und ebenfalls die organischen Verunreinigungen werden dadurch tief in den Boden gepresst. Beim anschließenden Scharrieren wird dann nur die leichter zu entfernende, oberste Schicht abgekratzt; ein guter Teil des verschmutzen Altmaterials verbleibt jedoch in der Tennisdecke. Pflanzenkeime, Samen, Moos- und Algensporen, die beim Walzen tiefer in den Belag eingearbeitet wurden, verbleiben somit im Spielfeld und ziehen auf Dauer verstärkten Aufwuchs nach sich; Blasenbildung nach einem Regenschauer kann ein Anzeichen für Faulgase sein, die die organischen Verunreinigungen im Sportbelag bilden. Feinverriebenes und verdichtetes Material, das ebenfalls in den Boden gepresst wurde, schränkt die Wasserdurchlässigkeit ein. Aufgrund des geringen Abtrags im Zuge der FIS kann außerdem die Ziegelmehldecke Jahr für Jahr ein wenig anwachsen. Laut DIN 18035-5 sind die sportfunktionellen Eigenschaften bis zu einer Abweichung von 2mm von der Normdicke (= 25mm) gewährleistet, d.h. selbst wenn ‚nur‘ dieser Pfusch stattfindet, verliert der Platz innerhalb weniger Jahre stark an Bespielbarkeit.

Pfusch Nr. 2 - Einwalzen der Linien ohne vorher zu prüfen bzw. zu spannen

Auch hinsichtlich der Linierung geht es unredlichen Tennisservice-Firmen wieder darum, Zeit und Mühen zu sparen. Linien, die nach der letzten Saison eigentlich nachgespannt werden müssten, werden stattdessen einfach gerade eingewalzt. Indem mit der großen statt mit der kleinen Walzrolle zuerst über die Linien gewalzt wird, wird verhindert, dass die Linien sich aufgrund ihrer geringen Spannkraft sichtbar verschieben. So wird der Platzwart die optisch korrekten Linien nach der Instandsetzung abnehmen, ohne den Pfusch sofort zu bemerken. Erst wenn der Platzwart selbst zu einem späteren Zeitpunkt die Walze einsetzt, tritt das Problem zum Vorschein: Der Platzwart walzt nun korrekt, mit der kleinen Walzrolle zuerst, und muss feststellen, dass die Linien sich gehörig verschieben oder hochwellen. Es ist unmöglich, die ungespannten Linien mit dem korrekten Walzverfahren nochmals gerade einzuwalzen.

Pfusch Nr. 3 - Fixierung von Linienenden mit Nägeln

Es gibt verschiedene Umstände die dazu führen können, dass die Enden der Platzlinien nach oben abstehen. Etwa, dass das Bodenrohr sich zu tief im Boden befindet, oder dass es vom Linienende aus zu weit nach innen versetzt ist. Auch wenn eine Tennisservice-Firma die falsche Linienverankerung und damit die hochstehenden Enden nicht selbst verursacht hat, ist es nicht akzeptabel, wenn sie zur Befestigung der Linienenden auf lange Nägel zurückgreift! Dieser Pfusch kann die Linie beim Entfernen der Nägel beschädigen. In der Folge wird eine Erneuerung der Linie früher unumgänglich werden, als es bei einer korrekt gespannten Linie üblich wäre. Statt mit Nägeln zu pfuschen wäre das alte Bodenrohr zu entfernen und nach der Auffüllung des zurückgebliebenen Loches mit Schlacke und Sand ein neues Bodenrohr in ca. 6 cm Entfernung zum Linienende einzubauen. Das Bodenrohr darf dabei weder zu tief noch zu hoch eingestampft werden. Auch dann, wenn die Tennisservice-Firma nicht für die falsch gesetzten Bodenrohre oder die genagelte Linienenden verantwortlich ist, sollte es im Rahmen eines guten Service zu erwarten sein, dass die eine oder andere Linie in der beschriebenen Weise von der Tennisservice-Firma gerichtet wird. Sind mehrere Linien betroffen ist die Berechnung einer Gebühr für die zusätzliche Arbeit allerdings durchaus berechtigt. Den vorgefundenen Linienpfusch zu ignorieren oder gar fortzuführen kann für ein seriöses Unternehmen jedoch kaum in Frage kommen.

Pfusch Nr. 4 -  Auffüllen von Vertiefungen ohne vorheriges Walzen

Wiederum viel Zeit ersparen sich Tennisservice-Firmen, indem sie direkt nach dem Abtragen des Altmaterials Vertiefungen und Belagsdurchtritte mit neuem Sand auffüllen. Während kleinere Löcher im Zuge des Schlämmens ausgeglichen werden, sind größere Vertiefungen nur sachgerecht auszugleichen, indem freigelegtes Grobkorn oder Schlacke durch Walzen wieder eingearbeitet wird, ehe Sand zur Wiederherstellung der Oberflächenebenheit aufgebracht wird. Die Tennisservice-Firmen ‚überspringen‘ dieses Zwischenwalzen und überdecken das gelockerte Grobmaterial mit Ziegelmehl. Dieser Pfusch bringt nicht nur mit sich, dass Spuren beim Schlämmen entstehen können. Im Laufe der Saison gelangt das unbefestigte Grobmaterial an die Oberfläche des Sportbelags, wo es die Bespielbarkeit des Platzes erheblich mindert und eine Stolpergefahr für die Spieler darstellt.

Pfusch Nr. 5 -  Auslassen des Walzvorgangs

Zwischen dem Abtragen des alten und dem Verteilen des neuen Sandes muss der gesamte Platz gewalzt werden. Tennisservice-Firmen, die unlauter arbeiten, überspringen diesen Schritt. Ist der neue Sand erst verteilt, kann nicht mehr nachvollzogen werden, ob der Platz zuvor gewalzt wurde oder nicht. Durch das anschließende Schlämmen wird der Platz außerdem schön fest, so dass erst recht nicht auffällt, dass nicht gewalzt wurde. Die Tennisservice-Firma walzt statt des gesamten Platzes ausschließlich die Linien ein. Bei diesem Pfusch wird durchaus organisiert vorgegangen: liegen mehrere Plätze nebeneinander, scharrieren zwei Mitarbeiter noch den letzten Platz fertig, während der Dritte auf dem ersten Platz die Linien einwalzt. Soweit sieht für den Platzwart, der gerade nach dem Rechten sieht, alles korrekt aus und er verschwindet vorerst wieder. Sobald keine Aufsichtsperson mehr zugegen ist wird sehr rasch gearbeitet, um den Pfusch schnell über die Bühne zu bringen. Während ein Arbeiter alle Linien fertig einwalzt karren die anderen das Altmaterial vom Platz, nehmen aber auf dem Rückweg gleich volle Karren Neumaterials mit, um Wege einzusparen. Keine Frage, dass ein Platz, auf dem bereits Streuhaufen verteilt sind, nicht mehr zu walzen ist. Der neue Tennissand wird eilig verteilt, der Platzwart freut sich bei seiner Rückkehr über den Arbeitseifer und das Tempo mit dem die Kolonne vorankommt und ahnt nicht, dass man nicht besonders schnell, sondern schlicht unvollständig gearbeitet hat. Folgen dieses Pfuschs sind zum einen, dass der Verein vergleichsweise häufig nachwalzen muss, um den Sportbelag ausreichend fest zu erhalten. Zum anderen wird nicht nur das Walzen selbst ausgelassen, sondern in logischer Konsequenz auch das Ausbessern von Unebenheiten, denn diese werden erst durch das Walzen des Platzes überhaupt sichtbar.

Pfusch Nr. 6 - Zuviel neuer Sand

„Für die Frühjahrsinstandsetzung eines Platzes werden ca. 2,5t Sand benötigt“. Dies ist die Empfehlung vieler Tennisservice-Firmen auf ihren Internetseiten. Und dies ist auch die Menge, die sie im Zuge der FIS auf jedem Ihrer Plätze aufbringen. Und die Menge, die Sie bezahlen. In Abhängigkeit von den Platzverhältnissen und vom Materialabtrag können jedoch auch 1,5 bis 2 Tonnen pro Platz vollkommen ausreichen. Es gilt vor allem: der Bedarf der einzelnen Plätze kann sehr stark variieren. Lage, Alter, Nutzungsintensität, Umfang und Professionalität der Platzpflege durch den Verein und/oder eine Tennisservice-Firma und schließlich auch die immer unterschiedlich verlaufenden Herbst-/Winterperioden nehmen erheblichen Einfluss darauf, welche Anforderungen ein Platz an die nächste Frühjahrsinstandsetzung stellt. Ferner muss gewährleistet sein, dass einem Auftrag von 2,5t neuem Sand auch ein entsprechender Abtrag von Altmaterial vorangegangen ist, damit die Dicke der Tennisdecke nach der FIS auch im sportfunktionellen Bereich von min. 23 bis max. 27mm liegt. Doch unseriöse Tennisservice-Firmen ziehen, abgesehen vom finanziellen Gewinn durch den Verkauf des Ziegelmehls, einen weiteren Vorteil daraus, wenn sie neues Material in überreichlicher Menge auf dem Platz verteilen: Stärkere Verunreinigungen und eingewalzte Unkräuter, die beim oberflächlichen Scharrieren in der Tennisdecke zurückbleiben, werden unter der starken Schicht frischen Sandes regelrecht begraben und somit effektiv kaschiert. Die Service-Firma kann bei der Abnahme einen optisch tadellosen Platz präsentieren.
Wird mehr neuer Sand aufgebracht als nötig, wächst in der Folge die Ziegelmehlschicht mit jeder so durchgeführten Instandsetzung Jahr für Jahr an; der Boden wird immer weicher. Dieser Effekt wird umso früher eintreten, wenn hinzukommt, dass der Boden vor dem Scharrieren gewalzt und zu wenig Altmaterial heruntergenommen wurde. Die Folgen für die Plätze sind gravierend: Die dicker werdende Schicht sorgt nicht nur dafür, dass die Böden immer weicher und schlechter zu bespielen sind: Je höher die Sandschicht ist, umso schwerer verbindet sie sich auch mit den darunter liegenden Schichten. Dies begünstigt, dass der Boden kaum noch richtig fest werden kann. Hinzu kommt, dass durch das Vorwalzen unter dem neuen Sand eine verdichtete Schicht alten Ziegelmehls die Verbindung der Schichten weiter erschwert. Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt sehr schnell dazu, dass auf den Plätzen das Wasser nicht mehr richtig ablaufen kann.
Es hat sich gezeigt, dass eine Vielzahl von Vereinen auf ihren Plätzen mit genau solchen Problemen zu kämpfen hat, die von einer zu dicken Ziegelmehlschicht verursacht werden. Ungleich geringer ist die Zahl derer, bei denen Mängel von einer zu dünnen Tennisdecke herrühren. Das alteingesessene Sportanlagen-Serviceunternehmen Mensing bekundet auf seiner Internetseite, dass in über 90% aller Fälle ausschließlich die Tennisdecke für die auftretende Wasserundurchlässigkeit eines Platzes verantwortlich ist. Übereinstimmend mit unseren Erkenntnissen gibt das Unternehmen als einen der häufigsten Gründe an, dass im Zuge der Frühjahrsinstandsetzungen über Jahre hinweg zu wenig Material abgetragen und zu viel neues Ziegelmehl aufgestreut wurde. Es ist geradezu bezeichnend: das Unternehmen bietet speziell eine Deckenreduzierung für solche Plätze an. Nach DIN 18035-5 soll die Ziegelmehldecke (in gewalztem Zustand) auf Tennisplätzen eine Gesamtdicke von 25mm haben; der Toleranzbereich beträgt +/- 2mm. Vereine, die die FIS von Tennisservice-Firmen durchführen lassen, berichten mitunter, dass sie bei Nachmessungen bis zu 50 Millimeter dicke Tennisdecken feststellen mussten.

Pfusch Nr. 7 - Unebenheiten werden beim Nassschlämmen nicht entfernt

Bevor in diesem Punkt von Pfusch gesprochen werden kann, muss differenziert werden: innerhalb einer FIS können nur kleine Unebenheiten durch sorgfältiges Nassschlämmen ausgeglichen werden. Ein Niveauausgleich ist bei stärkeren Vertiefungen nur im Rahmen mehrerer Arbeitsgänge oder gar mehrerer Frühjahrsinstandsetzungen möglich; d.h. die Ebenheit kann auch bei konsequenter Behandlung der betroffenen Stelle ggf. erst im Laufe der Jahre wieder ganz hergestellt werden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ein Platz zuvor stets mit der Trockenmethode instandgesetzt wurde. Sowohl bei den kleinen als auch bei größeren Unebenheiten wird jedoch von Tennisservice-Firmen nicht immer das bestmögliche – und häufig versprochene – Resultat erzielt. Denn zum Ausgleichen der Unebenheiten ist es erforderlich, die betroffenen Stellen mehrfach zu schlämmen. Da dies jedoch einen nicht unerheblichen zeitlichen Mehraufwand bedeutet, wird das Einebnen der Unebenheiten innerhalb des Schlämmvorgangs schließlich nicht mit der notwendigen Sorgfalt vorgenommen. Wird ein Platz schon seit mehreren Jahren nass geschlämmt, weist aber nach wie vor große Unebenheiten auf, so kann das seine Ursache darin haben, dass nicht gewissenhaft gearbeitet wurde. Gerade während des Nassschlämmens sind größere Vertiefungen in der Tat einfach auszumachen, denn wie auch nach einem Regenschauer bilden sich Pfützen in den betroffenen Bereichen. Es ist anzuraten, dass gerade beim Schlämmen der Platzwart oder ein anderer Sachkundiger des Vereins anwesend ist, um die gründliche Behandlung dieser Stellen zu kontrollieren und ggf. die Tennisservice-Firma darauf aufmerksam zu machen. Selbst wenn die Tennisservice-Firma innerhalb einer FIS den Bereich nicht ganz ebnen kann, wird die Unebenheit durch eine sachgemäße Behandlung geringer und die Pfütze entsprechend kleiner, bis sie im Laufe der Jahre schließlich ganz verschwindet.

Pfusch Nr. 8 - Arbeiten in der Dunkelheit

Gerade diejenigen Service-Firmen, die die Plätze von ihren Mitarbeitern im Akkord instand setzen lassen, lassen oft ohne Skrupel auch bis weit nach der Abenddämmerung weiterarbeiten. Das nächtliche Arbeiten sollte jedoch unbedingt vom Tennisverein aus unterbunden werden, denn die Arbeitskräfte haben in der Regel früh morgens mit den Arbeiten begonnen und sind am Abend entsprechend erschöpft – Fehler und Nachlässigkeiten sind in diesem Zustand selbst beim besten Willen nicht auszuschließen und auch die Arbeit des nächsten Tages leidet unter dem Mangel an Erholung (vom Befinden der Arbeiter ganz zu Schweigen). Zudem erscheinen die Tennisplätze gerade beim Einsatz kleiner Strahler buchstäblich in einem anderen Licht als am Tage. Insbesondere Unebenheiten sind bei veränderten Licht- und Schattenverhältnissen  ganz anders wahrnehmbar. Flutlicht beeinträchtigt die Sichtverhältnisse zwar weniger, doch ist der Einsatz von künstlichem Licht in beiden Fällen mit erheblichen Stromkosten verbunden – und die trägt am Ende der Verein. Der Tennisverein sollte also in jedem Fall darauf achten, dass die Tennisservice-Firma nachts nicht arbeitet. In der Winterzeit kann von Sonnenaufgang bis ca. 20h, in der Sommerzeit bis 21h gearbeitet werden. Indem Sie späteres Arbeiten auf Ihren Plätzen verbieten, gewährleisten Sie eine angemessene Regeneration der Arbeiter, verhindern fehlerhaftes Arbeiten aufgrund schlechter Beleuchtung und schwindender Konzentrationsfähigkeit und schonen Umwelt und Vereinskasse durch die Einsparung zusätzlicher Stromkosten.

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