Tennissand und Ziegelmehl…

…meinen natürlich dasselbe. Den klassischen roten Tennisplatzbelag. Die Diva des Tennisvereins und das Hätschelkind des Platzwartes, wenn es nach den Ansprüchen des Materials geht.

Sandplätze gehören in den hiesigen Breitengraden zu den beliebtesten und am häufigsten zu findenden Tennisplatzarten und sind auch im Profi-Sport fest etabliert. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Neben seiner ästhetisch-klassischen Wirkung hat das Belagssystem mit Ziegelmehl äußerst vorteilhafte sportfunktionelle Eigenschaften: es reflektiert im Gegensatz zu vielen Hartplatzbelägen keine Hitze, bringt aufgrund des Schichtaufbaus eine gute Trittdämpfung mit sich und begrenzt das Verletzungsrisiko auch durch die gute Rutschfähigkeit, die das abrupte Abstoppen von Bewegungen verhindert. Zweifelsohne gehört der Sportboden mit der roten Oberfläche aber auch zu den anspruchsvollsten Tennisbelägen im Hinblick auf Pflege, Materialanforderungen und Intoleranz gegenüber Abweichungen von der DIN 18035-5. Den Lebenszyklus von durchschnittlich 20 Jahren erreicht ein Sandplatz ohne nennenswerte Qualitätsverluste nur, wenn all diesen Komponenten ausreichende und fachmännische Fürsorglichkeit entgegengebracht wird.

Wie dick darf die Ziegelmehldecke sein?

Im Schichtensystem eines Tennisplatzes kommt der Deckschicht aus Ziegelmehl eine besonders wichtige Rolle zu, denn sie wird während der Tennisplatznutzung stark beansprucht und abgenutzt. Gleichzeitig hängen von ihrer Beschaffenheit Sportfunktionalität und Dränagewirkung in höchstem Maße ab. Um beides zu gewährleisten, sind die richtige Schichtdicke und eine sachgerechte Pflege unbedingt einzuhalten. Die korrekte Schichtdicke des Tennenbelags beträgt nach DIN 18035-5 im gewalzten Zustand 25mm; der Belag kann ein- oder zweischichtig eingebaut werden (siehe Tabelle). Die einschichtige Bauweise ist vorzuziehen, und das nicht nur aus dem praktischen Grund, für das Nachstreuen und für etwaige Ausbesserungen nur eine Sorte Sand bevorraten zu müssen. Bei zweischichtigen Bauweisen, bei denen die Tennisdecke mit einer 5mm dicken Oberschicht aus Ziegelmehl der Körnung 0/1 abschließt, besteht eine erhöhte Gefahr, dass sich durch die Anreicherung und/oder Einschwemmung von Feinmaterial in tiefere Lagen Wasserundurchlässigkeit einstellt. Allerdings kann sich ungeachtet der Bauweise Wasserundurchlässigkeit auch dann ergeben, wenn die Ziegelmehldecke insgesamt zu dick ist. Stellt man auf seinen Plätzen fest, dass das Wasser nicht mehr richtig abläuft, ist daher anzuraten, die Dicke der Ziegelmehlschicht zu überprüfen. Hierzu ist nicht mehr nötig, als am Rand des Platzes ein kleines Loch zu graben. Mit einem Lineal kann die rote Ziegelmehlschicht, die sich deutlich von der darunterliegenden Lavaschicht unterscheidet, dann einfach gemessen werden. Das Loch ist hinterher wieder ordnungsgemäß zu verfüllen und zu verdichten. Sofern dies nicht umgehend geschehen kann, so ist das Loch selbstverständlich abzusichern, damit es keine Gefahrenquelle darstellt. Wird bei der Messung festgestellt, dass die Tennisdecke die Normdicke von 25mm überschreitet (der Toleranzbereich beträgt +/- 2mm), kann dieser Mangel vergleichsweise einfach behoben werden: im Zuge der nächsten Frühjahrsinstandsetzung wird eine entsprechend größere Menge Ziegelmehl abgetragen als normalerweise üblich, um so den Überschuss zu beseitigen. Anschließend wird nur so viel neues Material aufgebracht, wie zur Wiederherstellung der Normdicke benötigt wird. Bei besonders starken Überschreitungen der Normdicke kann es sein, dass die adäquate Reduzierung der Ziegelmehlschicht nicht innerhalb einer einzigen Frühjahrsinstandsetzung stattfinden kann, weil die unteren Lagen sehr festgebacken sind. Eine Reduzierung über zwei oder mehrere Frühjahrsinstandsetzungen hinweg kann hier Abhilfe schaffen; im Zweifel sollte ein Fachbetrieb hinzugezogen werden.

Tennissand – Körnung, Qualität und Lagerung

Tennissand – oder Ziegelmehl - wird in unterschiedlichen Körnungen angeboten, die in Abhängigkeit vom Schichtaufbau bzw. vom Anwendungsbereich verwendet werden. Bei einschichtiger Bauweise (gängigste Variante) wird ausschließlich Ziegelmehl der Körnung 0/2 gebraucht; nur in Ausnahmefällen, bei erhöhtem Feinkornanteil, kann Tennissand der Körnung 1/2 als Stützmaterial benötigt werden. Die zweischichtigen Bauweisen (unüblich) sind nach DIN-Norm drei Varianten für Tennisplätze möglich (siehe Tabelle). Die Körnung des Sandes muss gedrungen oder kubisch sein, da platte bzw. spitzige Körner nicht ausreichend verdichtungsfähig sind und zu Rollsplitt führen. Erstere werden durch die Zerkleinerung der Ziegel in einer Hammermühle hergestellt. Bei Zerkleinerung in einer Prallmühle hingegen entsteht die für Tennisplätze unbrauchbare splittähnliche Form. Zudem sind Korngrößenverteilung und Schadstoffgehalt ausschlaggebend für die Güte des Tennissandes. Es sollte nur Sand verwendet werden, der nach DIN 18035-5 geprüft und zertifiziert wurde. Für entsprechend geprüfte Tennenbaustoffe verleiht die Gütegemeinschaft Tennen- und Naturrasenbaustoffe e.V. das Gütezeichen „Tennenbaustoffe RAL-GZ 515/1“. Hierfür ist neben der Erfüllung der Anforderungen an die Baustoffe und deren fachgerechte Produktion eine kontinuierliche Eigenüberwachung sowie die turnusmäßige jährliche Fremdüberwachung fortlaufend zu sichern. Die Gütegemeinschaft verleiht und beurkundet das Gütezeichen jeweils bis zum 31. März des Folgejahres und veröffentlicht die aktuelle Liste der Zeichenbenutzer und der güteüberwachten Produkte. Mit gesunder Skepsis ist Anbietern zu begegnen, die auch die Entsorgung des alten Tennissandes anbieten, unter ihnen finden sich einige schwarze Schafe, die den frischen Sand mit dem verschmutzten Altmaterial verpanschen. Insbesondere dann, wenn der Lieferant behauptet der Altsand würde von ihm „aufbereitet“, ist Vorsicht angeraten. Wie der Tennissandproduzent Biedermann Kamine + Bau GmbH erklärt, würde die Aufbereitung des nassen, verunreinigten Tennissandes ein Vielfaches gegenüber der Neuherstellung kosten. Auch von sogenanntem Recyclingsand (aus gebrauchten Dachziegeln hergestellt) sollte man meist besser die Finger lassen. Dieser enthält teils noch pflanzliche Verunreinigungen wie Algen- und Moossporen, die in der Feuchtigkeit des Tennisplatzes schnell wieder gedeihen; zudem werden bisweilen Sande zugesetzt, die Verzahnungs-, Dränage- und Wasserbindungseigenschaften herabsetzen oder gar schädliche Stoffe enthalten.
Tennissand bietet einen fruchtbaren Nährboden für Pflanzen und Moose und muss trocken und gut abgeschlossen gelagert werden. Loser Sand ist daher im Idealfall in überdachten Räumen auf festem Untergrund und in separaten Boxen unterzubringen. Besonders hygienisch und praktisch für die Saisonpflege sind die kleineren Abpackungen in Säcken von meist 25kg. Gerade bei der Lagerung in Boxen, die im Außenbereich stehen, zieht das Material Feuchtigkeit und auch die Ansiedelung von Pflanzensporen kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. Sand, der in der Vorsaison nicht aufgebraucht wurde aber im Frühjahr noch ausreichend trocken und sauber ist, sollte am besten bei der Frühjahrsinstandsetzung (FIS) mitverarbeitet und für die kommende Saison wieder frischer Sand gelagert werden. Falls die FIS von einer Firma durchgeführt wird, sollte diese dazu angehalten werden, den Sand vom Vorjahr zu verbrauchen. ▪ NIK

Varianten zweischichtiger Bauweisen nach DIN 18035-5

  Variante 1 Variante 2 Variante 3
  Körnung Schichtdicke Körnung Schichtdicke Körnung Schichtdicke
Unterschicht 0/2 20 mm 0/3 20 mm 0/3 15 mm
Oberschicht 0/1 5 mm 0/1 5 mm 0/2 10 mm

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