Tennissand kaufen, wo ihn der Profi kauft

Er ist rot, anspruchsvoll, pflegebedürftig und er hat seinen Preis. Er ist der Boden für triumphale Siege und bittere Niederlagen, für Spitzensport und Freizeit-Tennis. Die Rede ist vom Tennissand, der sehr viel mehr ist als bloß ein solider Untergrund für den Tennissport.

Als derart wichtiger Bestandteil des Tennisplatzes will seine Anschaffung gut überlegt und geplant sein. Doch worauf sollte man beim Kauf als Tennisverein eigentlich achten? Welche Faktoren spielen eine Rolle? Bei der Vielzahl von Anbietern hat man die Qual der Wahl. Die RETURNAL-Redaktion hat sich daher auf den Weg gemacht, um für Sie zu recherchieren, worauf es dabei wirklich ankommt.

Welche Sandkörnung verwendet man wofür?

Auf Tennisplätzen wird Sand mit 0-1 mm, 0-2 mm und 0-3 mm Körnung verwendet. Dabei ist darauf zu achten, dass sich bestimmte Korngrößen nur für gewisse Zwecke eignen. Vielen Vereinen ist Tennissand mit einer Korngröße von 0-2 mm ein Begriff, weil er für Instandsetzungsmaßnahmen benutzt wird. Zudem wird bei Tennisplätzen mit einschichtiger Bauweise ausschließlich Sand mit einer Körnung von 0-2 mm aufgetragen. Anders verhält es sich bei Tennisplätzen mit zweischichtiger Bauweise. Hier bildet Sand mit 0-3 mm Körnung meist die untere der beiden Schichten, auf die ein feinerer 0-2 mm-Belag aufgetragen wird. Für das Auftragen des Tennissandes nach zweischichtiger Bauweise gibt es nach DIN 18035-5 unterschiedliche Varianten. Nach ihnen richtet sich die Dicke der beiden Sandschichten.
Wichtig für den Tennisverein ist es, zu wissen, dass man die grobe Körnung von 0-3 mm nur im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme und nicht zur Frühjahrsinstandsetzung verwenden sollte, da dieses grobkörnige Ziegelmehl eine erhöhte Rutschgefahr und damit ein erhöhtes Verletzungsrisiko bedeutet. Tennissand mit einer Körnung von 0-1 mm ist am feinsten gemahlen und liefert die beste Qualität für die obere Schicht in zweischichtiger Bauweise, ist jedoch auch mit höheren Kosten verbunden. Ihm gegenüber hat sich Tennissand mit 0-2 mm Körnung durchgesetzt, da er nach DIN 18035-5 ebenfalls alle Richtlinien erfüllt.
Sandhersteller, die hochwertigen Tennissand herstellen und standardmäßig die 0-2 mm Körnung anbieten, mahlen mitunter ihren Sand auch feiner. Ob man tatsächlich den Sand zu der bestellten Körnung erhalten hat, zeigt sich nach den ersten Regenschauern. Je mehr grobe Körner man findet und zu entfernen hat, desto höher ist augenscheinlich der Anteil an grobem Sand.

Welche Rohstoffe werden für die Tennissandproduktion verwendet?

Diese Frage ist beim Kauf nicht ohne Weiteres zu beantworten. Hier ist Vertrauen zum Händler erforderlich. Zudem ist es notwendig, zielgerichtete Fragen zu stellen, um an die für den Tennisverein wichtigen Informationen zu gelangen.
In der Regel sollte für die Tennissandproduktion Ziegelbruch verwendet werden. Ziegelbruch sind Dachpfannen oder Ziegelsteine, die nach der Herstellung aufgrund von Produktionsfehlern nicht mehr zur Abdeckung von Häusern geeignet sind. Diese werden dann in Brech-, Sieb-, und Mischverfahren zu Tennissand gemahlen. Man erhält ein hochwertiges Produkt. Diese Ziegel sind es auch, die dem Tennissand seine charakteristische rote Farbe geben. Jedoch ist der Einkauf von Ziegelbruch für die Tennissandfirmen recht teuer. Deshalb greifen einige von ihnen auf Alternativen zurück. Zusätzlich zum Mehl aus Ziegelbruch wird wiederaufbereitetes Altmaterial von abgerissenen Häusern oder alten Industrieschornsteinen verwendet. Es enthält häufig noch Rückstände von Beton und Mörtel oder ist mit Schadstoffen wie Blei belastet. Zudem bleiben Moossporen als Überreste von Grünbewuchs im Ziegelmehl erhalten und beeinträchtigen die Betriebssicherheit des Platzes. Für den Tennissand wird aufbereitetes Altmaterial häufig mit frisch produziertem Ziegelmehl vermischt. Ist ein Anteil an recyceltem Material im Tennissand enthalten, mindert das das Spielvergnügen und kann die Umwelt belasten. Besonders problematisch ist es, wenn Dachziegel von alten Kuhställen für das Ziegelmehl verwendet werden. Das von den Kühen ausgeschiedene Methan-Gas hat sich meist über Jahre oder Jahrzehnte in den Dachpfannen festgesetzt. Auch zu Mehl verarbeiteter Bauschutt mindert die Tennissandqualität. Manche Hersteller strecken das schadstoffbelastete Material durch andere Zusatzstoffe, sodass man dem Sand seine mindere Qualität nicht im ersten Moment ansieht.
Innerhalb welcher Grenzen die Beimischung anderer Materialien zulässig ist, regeln die DIN-Normen. Mit Zertifikaten nach DIN 18035-5 bestätigt der Händler die Einhaltung dieser Qualitätsstandards.

Was sagen Zertifikate aus?

Vor dem Kauf sollte man sich darüber informieren, welche Rohstoffe zur Tennissandproduktion verwendet werden, denn Tennissand muss laut DIN 18035-5 bestimmte Eigenschaften und Anforderungen erfüllen, um als Sportbaustoff zugelassen zu werden. Zertifikate und Gütesiegel bieten Anhalts- und Orientierungspunkte, die eine Beurteilung des Tennissandes ermöglichen. Um ein Zertifikat zu erhalten, müssen Tennissand-Anbieter ihre Produkte durch externe und unabhängige Institute prüfen lassen. Wenn diese die Qualität des Sandes bestätigen, bekommen die Händler die Zertifikate ausgehändigt.
Auch wenn der Laie mit den Fachtermini und teilweise kryptischen Angaben wenig anfangen kann, sollte man den Händler um Einsicht bitten. Die Zertifizierung des Sandes ist nicht verpflichtend. Eine bereitwillige Auskunft zeigt an, dass der Anbieter nichts zu verbergen hat und die Zertifizierungen echt sind. Wichtig ist es auch, sich in diesem Zuge über den Zeitpunkt der letzten Kontrolle und die Kontrollhäufigkeit zu informieren. Ein Siegel, das länger als zwölf Monate zurückliegt sagt wenig über die Qualität des aktuellen Angebots aus, da die Zertifikate stets mit der Laufzeit von einem Jahr vergeben werden. Mit einer Zertifizierung des Tennissandes wird auch vermieden, dass dieser bei seiner Entsorgung als Sondermüll deklariert werden muss, was zusätzliche Kosten und Aufwand für den Tennisverein bedeuten würde.

Was sollte der Tennissand kosten?

Jeder Tennisverein möchte gern hochwertigen Tennissand beziehen. Aber Qualität hat, wie so oft, ihren Preis. Unterscheiden muss man preislich zwischen losem und in Säcken verpacktem Ziegelmehl. Die exakten Preise pro Tonne Tennissand können erheblich zwischen Anbietern variieren, liegen aber für losen Sand im Durchschnitt zwischen 60 € und 75 €. Für verpackten Tennissand in 20 kg-Säcken zahlt man ungefähr 150 € pro Tonne, also etwas mehr als das Doppelte. Für die großen Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind mehrere Faktoren verantwortlich. Besonders der große Preiskampf zwingt die Unternehmen dazu, sich gegenseitig zu unterbieten. Doch ein günstiger Preis sollte nicht zu Lasten der Qualität gehen. Hochwertiger Tennissand kostet ungefähr 70 € pro Tonne. Zwar ist dieser Preis keine Garantie für ein einwandfreies Produkt, doch kann er zumindest als Indikator für gute Qualität dienen, denn jede Firma muss Geldmittel für Personal, Technologie, Zertifikate und hochwertigen Ziegelbruch aufwenden. Legt eine Tennissandfirma einen Preis weit unterhalb der 70 €-Grenze fest, sollten Sie den genauen Grund dafür erfragen. Sind Faktoren wie Geschäftsbeziehungen für den Preisnachlass verantwortlich, so gehen die Kostenvorteile nicht zu Lasten der Qualität. Im Zweifelsfall sollten Vereine das Zertifikat des Tennissandanbieters prüfen und nicht zuallererst am Spieluntergrund sparen.
Sollte ich losen oder abgepackten

Tennissand bestellen?

Es empfiehlt sich, bei der Sandbestellung im März/April zusätzlich zu dem losen Sand für die Frühjahrsinstandsetzung eine gewisse Menge abgepackten Tennissand zu bestellen. Der abgepackte Sand wird in 20-30 kg-Säcken geliefert und lässt sich im Geräteschuppen problemlos trocken lagern. Wird der Sand benötigt, lässt er sich in einer Schubkarre mühelos zum Platz transportieren und auf das Spielfeld auftragen.
Um sich die höheren Kosten für den abgepackten Sand zu sparen, hat man alternativ die Möglichkeit, zur Frühjahrsinstandsetzung zusätzlichen losen Sand zu bestellen und diesen in Sandcontainer zu füllen. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass die Einlagerung in die Sandcontainer eine unangenehme Arbeit darstellt, ebenso wie das Herausnehmen und Aufstreuen des Sandes während der Saison. Im Idealfall stehen die Tennissandboxen in Platznähe, häufig wird der Sand jedoch weiter weg am Zaunrand aufbewahrt. Die Praxis zeigt daher häufig, dass der lose Sand während der Saison im Container bleibt. In diesem Fall kann sich die bequeme aber teurere Variante des abgepackten Sandes bezahlt machen, da die Kosten für eventuelle Sanierungsarbeiten häufig um ein Vielfaches höher sind als der Sand in Tüten.

Sollte ich den Tennissand beim Händler bestellen oder über eine Tennisservicefirma?

Wer glaubt, dass die Servicefirmen die Konditionen für Tennissand nur mit einer Auftragserteilung für z.B. die Frühjahrsinstandsetzung an die Tennisvereine weitergeben, der irrt sich. Zum Tagesgeschäft gehört es mittlerweile, dass Tennisvereine nur den Tennissand bei den Servicefirmen bestellen. Der Hintergrund, warum dies geschieht, ist leicht erklärt. Vereine erhalten aufgrund der geringen Abnahmemenge beim Händler eher keinen Rabatt, die Tennisservicefirma mit ihren hohen Bestellvolumen hingegen schon. Die meisten Servicefirmen geben diesen Rabatt nahezu vollständig an den Kunden weiter. So ist man als Verein in der Lage, Geld zu sparen. Bevor man also direkt beim Händler bestellt, sollte man die Sandpreise mit denen der Tennisservicefirmen vergleichen. Dabei ist darauf zu achten, ob Tennisverein und Servicefirma den gleichen Sandlieferanten haben. Ansonsten ist der Preisvergleich sinnlos. In der Regel arbeiten Servicefirmen mit Sandlieferanten zusammen, die in Ihrem Einzugsgebiet liegen. Daher gehen Sie wie folgt vor: Recherchieren Sie im Internet nach einem Tennissandhändler und suchen Sie in dieser Region nach einer Servicefirma. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese beiden zusammenarbeiten ist sehr hoch. Danach können sie anrufen, gezielt nachfragen und Preise vergleichen. Im Grunde aber sollte bei einer Sandbestellung ohne Auftrag die Servicefirma nicht mit ihrem eigenen Sandlieferanten in Konkurrenz stehen, sondern den Sand zu den gleichen Konditionen wie dieser verkaufen. Erfahrungsgemäß wird das nur selten praktiziert.
Kann ich bei einer Auftragsvergabe an eine Tennisservicefirma den Tennissandhändler frei wählen?
Tennisservicefirmen arbeiten eng mit Tennissandfirmen zusammen. Die Lieferabwicklung erfolgt über die Jahre hinweg routiniert. Beauftragt man als Tennisverein eine Servicefirma mit z.B. einer Frühjahrsinstandsetzung, dann sollte man die Herkunft des Tennissandes erfragen. Informieren Sie sich daraufhin über den Tennissandhersteller ausführlich im Internet und rufen Sie gegebenenfalls bei ihm an. Vergleichen Sie bei Ihrer Recherche auch die von dem Händler und der Servicefirma angegebenen Preise miteinander. So gehen Sie sicher, dass Sie auch das Produkt erhalten, wofür Sie bezahlen. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass eine Tennisservicefirma qualitativ minderwertigen Tennissand günstig einkauft und ihn als Qualitätsprodukt weiterverkauft, aber Kontrolle ist an dieser Stelle besser als Vertrauen. Sollte man bereits Erfahrungen mit einem bestimmten Tennissandhändler gemacht haben und nicht mit dessen Sand zufrieden sein, dann sollte man gegebenenfalls darauf bestehen, den Tennissand von einem Sandhersteller seiner Wahl zu erhalten, vorausgesetzt man hat überhaupt noch Vertrauen in die Tennisservicefirma. Ist dies der Fall, so wird sie sicher auf Ihren Wunsch eingehen, denn die Firma möchte Sie als Kunde ja nicht verlieren. Es gibt aber Situationen, in denen es durchaus legitim ist für eine Servicefirma, diese Bitte abzuschlagen, da Kostenvorteile aufgrund von Einmalbestellungen nur geringfügig greifen. Aber fragen kostet nichts!

Was sollte noch beachtet werden?

Wenn es darum geht, den richtigen Tennissandanbieter auszuwählen, sollte man sich vorher mit anderen Tennisvereinen beraten. Jeder Tennisverein verfügt über eigene Erfahrungen mit Tennissandherstellern und Servicefirmen. Zudem sollte man sich nach den Referenzen der Sandfirma erkundigen. In der Regel geben die Sandhersteller bereitwillig darüber Auskunft, wenn Tennisprofis und namhafte Vereine ihren Sand kaufen, mitunter wird dies schon über ihre Internetseite kommuniziert. Man sollte es den Tennisprofis gleichtun. Man kann davon ausgehen, dass sie sich mit dem Tennissand auskennen.
Qualitativ hochwertiges Ziegelmehl zu haben ist das Eine, das termingerechte Ausliefern an den Verein das Andere. Ein wichtiger Baustein für eine zufriedenstellende Lieferung ist die frühzeitige Kommunikation zwischen Tennissandhändler und Verein. Es ist wichtig, den Tennissand einige Wochen vor der Frühjahrsinstandsetzung zu bestellen. Viele Tennissandhersteller planen ihre Routen bereits Anfang März. Bestellen Sie Ihre Lieferung erst kurzfristig, kann es mitunter zu einem Preisaufschlag kommen. Zudem sollten Verein und Händler die Anlieferung des Sandes miteinander absprechen. So können sich Sandhändler und Spediteure frühzeitig auf örtliche Besonderheiten wie schmale Zufahrten und enge Einmündungen einstellen, Wendemöglichkeiten abschätzen und die benötigten Lieferfahrzeuge einteilen.
Ist der Sand geliefert, empfiehlt es sich, ihn unter Abdeckplanen vor Wind und Nässe zu schützen. Die Kosten für Abdeckplanen betragen zwischen 16 € und 25 € pro Stück.

Bei der Recherche zu diesem Artikel sind der RETURNAL-Redaktion zwei Ziegelmehl-Anbieter ganz besonders positiv aufgefallen, die wir auf den nächsten Seiten genauer vorstellen. ▪ DA,LL,RM

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