Vegetationsflächen im grünen Bereich

Büsche, Bäume... Bodenwellen?

Nicht nur für räumliche Gliederung, ästhetischen Wert und Ökologie der Sportanlage spielen Bepflanzungen und Rasenflächen eine bedeutende Rolle. Mindestens ebenso wertvoll sind die sportfunktionellen Vorteile, die Vegetationsflächen auf Tennisanlagen mit sich bringen - vorausgesetzt, dass bei der Auswahl der Gewächse und ihrer Standorte einige wichtige Regeln beachtet werden.

Für die Spieler ist ein effektiver Schutz vor Sicht, Wind und Blendung sowie ein klarer Kontrast zwischen Spielfeldhintergrund und Ball wesentlich. Anwohner nahe der Tennisanlage wünschen einerseits die optisch ansprechende Eingliederung des Sportgeländes in die Umgebung und andererseits Schutz vor Geräuschimmissionen. Bepflanzungen können hier sehr gute Dienste leisten doch müssen nicht nur die Ansprüche der Mitglieder und Anwohner befriedigt werden. Der Verein ist i.d.R. daran interessiert, den Pflegeaufwand für die Vegetationsflächen möglichst gering zu halten. Vornehmlich gilt es aber, Schäden an den Sportflächen durch falsche Bepflanzung zu vermeiden. Nicht zuletzt muss auch im Bereich der Anpflanzungen die Verkehrssicherheit des Geländes gewährleistet sein. Um den Spagat zwischen all diesen unterschiedlichen Anforderungen zu schaffen, sind einige Aspekte zu berücksichtigen.

Windschutz und Kontrast herstellen

Für eine gute Erkennbarkeit der Bälle sollten gerade die Stirnseiten eines Tennisplatzes möglichst durch eine natürliche Bepflanzung abgeschirmt werden. Der dunkle Hintergrund schafft einen guten Kontrast zum gelben Tennisball. Die beste Wirkung wird erzielt, wenn sich die Bepflanzung im Bereich der hinteren Ausläufe auf der Längsseite des Platzes bis zur Höhe der Grundlinie fortsetzt (dasselbe gilt für die Nutzung von Blenden). Höhe, Breite, Tiefe und Perforation entscheiden dabei über die Wirksamkeit des Windschutzes. Kompaktere Schutzpflanzungen mit hoher Dichte und Tiefe aber nur geringer Breite können Windturbulenzen hervorrufen. Ein guter Effekt wird dagegen mit hohen, breiten Anpflanzungen erzielt, die genügend durchlässig und zugleich tief genug sind, dass sie vom Wind durchströmt und nicht durchblasen werden. Mit einer Pflanzung von z.B. 12 Metern Höhe und in 5-7 Reihen kann an der Leeseite ein Schutzbereich von ca. 200 m Tiefe geschaffen werden.
Solche Windschutzpflanzungen sollten mit Blenden kombiniert werden. Dadurch sind weniger Pflanzen nötig, der Laubwechsel nimmt geringeren Einfluss und es bleiben Werbeflächen für Sponsoren erhalten. Blenden sind auf einer Mindesthöhe von 2,50 m (Oberkante, ab Spielfläche) anzubringen. Anpflanzungen müssen in Abhängigkeit von ihrem Abstand zum Spielfeld entsprechend höher sein, um denselben Zweck zu erfüllen (der Neigungswinkel ist so auszugleichen).
Windschutz wirkt sich letztlich auch positiv auf Wasserverbrauch, Pflege- und Materialaufwand für den Tennisplatz aus: Er vermindert die Austrocknung des Platzes und damit den Beregnungsbedarf; zudem wird die Sandabtragung durch Wind und Staubbildung verringert.

Abstand halten, auf Schattenwurf achten

Ungünstiger Schattenwurf auf dem Platz sollte vermieden werden. Eine unterschiedliche Besonnung der Sportfläche kann das Graswachstum von Rasenflächen und die Abtrocknung der Sportflächen nach Regen oder Bewässerung beeinträchtigen. Daher sind generell alle stammbildenden und hochwachsenden Gehölze vorrangig an der Nordwest- bis Nordostseite der Tennisfelder zu platzieren. Lange Schattenzeiten begünstigen die Bildung von gefährlichem Moos- und Algenaufwuchs. Doch nicht nur aus diesen Gründen ist für einen ausreichenden Abstand der Bepflanzung zur Sportfläche zu sorgen. Je näher Gehölze am Spielfeld gepflanzt sind, desto schneller wachsen selbst Wurzeln von sportplatzgeeigneten Gewächsen in den Sportbelag hinein. In der Folge können Schäden im Schichtensystem und Bodenwellen in der Deckschicht entstehen. Diese müssen aufwändig und oft kostenintensiv beseitigt werden; im schlimmsten Fall stirbt dabei auch die Pflanze selbst ab. Durch das Einwachsen in Zäune können Pflanzen auch beschädigt werden. Es können sich zudem Sicherheitsrisiken für die Spieler ergeben.
Nicht zuletzt sollen Laub, abgebrochene Zweige und Äste etc. auf der Sportfläche nicht zur Plage werden. In Abhängigkeit von Wachstumsverhalten, Formgestalt und Wuchshöhe der vorgesehenen Gehölzart ist ein Abstand von 1,50m oder mehr zur Spielfeldeinfriedung einzuhalten. Dieser Abstand beugt den beschriebenen Problemen vor und erleichtert zudem Rückschnitt- und Pflegemaßnahmen an den Gehölzen sowie anfallende Reparaturarbeiten am Zaun.

Schutzmöglichkeit Erdwall

Einen besonders wirkungsvollen Windschutz bietet ein bepflanzter Erdwall oder Damm, der um den Tennisplatz herum aufgeschichtet wird. Insbesondere bei einem Neubau kann diese Alternative vorteilhaft genutzt werden: vom Aushubmaterial können 130-200m³ zur Aufschüttung des Walls genutzt werden; damit werden die Materialkosten für den Wall ebenso eingespart, wie die Entsorgungskosten für den Abraum. Die Erhöhung, die den Tennisplatz umläuft, schafft bereits für den Sportboden Schutz vor angreifendem Wind. Der eigentliche Windschutz für den Platz wird durch die Bepflanzung des Damms erreicht. Durch die erhöhte Lage reicht die Bepflanzung mit 1-2-jährigen Junggehölzen aus, um schon nach wenigen Jahren eine wirkungsvolle Schutzvegetation zu bieten. Erosionsgefährdete Hänge und Böschungen werden zudem durch die Bepflanzung befestigt. Wird der Wall als abgestufte Böschung angelegt, besteht daneben auch die Möglichkeit, ihn als Zuschauertribüne zu nutzen. Bei der Anlage eines Erdwalls muss auf jeden Fall daran gedacht werden, eine Schneise oder Rampe für Walzen, Schubkarren und anderes Arbeitsgerät einzuplanen.

Gestaltungsmodul Pflanzkübel

Sofern Gehölze näher an der Spielfeldumzäunung platziert sein sollen oder solche Pflanzen bevorzugt werden, die sich aufgrund ihres Wurzelwachstums eigentlich nicht eignen, sind Pflanzkübel die einzige Alternative. Kübel, die sich zur Kultur von Sträuchern oder Bäumen eignen, schlagen je nach Größe und Material mit 200,- bis rund 1000,- Euro pro Stück zu Buche. Bei der Pflege muss ein Mehraufwand bei der Bewässerung und Düngung eingeplant werden. Kübelpflanzungen erweitern dafür den Gestaltungsspielraum erheblich: Schon die Auswahl der Pflanzgefäße eröffnet unterschiedliche stilistische Möglichkeiten. Da die Kübel portabel sind, ist zudem die Kultur fremdländischer Gehölze (z.B. Palmen oder Orangenbäume) möglich und es kann ein ganz besonderes Flair auf die Anlage gezaubert werden. Natürlich ist bei den frostempfindlichen Pflanzen für den Transport der schweren Kübel und für eine Einwinterungsmöglichkeit ebenso zu sorgen, wie für die Pflege in den Wintermonaten.

Bepflanzung als Lärmimmissionschutz?

Häufig überschätzt wird die Wirkung von Baum- und Strauchbeständen hinsichtlich ihrer lärmmindernden Wirkung. Zwar können Bepflanzungen durchaus als effektive Geräuschpufferzone zwischen Sportflächen und angrenzenden Wohngebieten fungieren, hierfür ist jedoch eine umfangreiche Dimensionierung der Pflanzstreifen notwendig: Eine physisch befriedigende Lärmminderung ist erst durch eine breite Bepflanzung mit höhengestaffelten, dichtbelaubten Gehölzen zu erreichen. Mit einer Pflanzstreifenbreite von 50-100m etwa kann eine Minderung von 5-10 dB(A) erzielt werden. Angesichts dieser Zahlen sollte man sich jedoch nicht entmutigen lassen, auch wenn Pflanzungen in ausreichender Dimension nicht realisierbar sind: eine ‚grüne Grenze‘ übt auf benachbarte Anwohner stets eine positive psychische Wirkung aus und trägt damit in jedem Falle zur Umfeldverbesserung bei.

Fachbereich Pflanzenwahl

Bei der Auswahl der Pflanzen für die Sportstätte sollte man mindestens den Empfehlungen der Fachliteratur folgen. Noch besser ist es, einen Landschaftsarchitekten zu beauftragen – oder wenigstens zu Rate zu ziehen – der sich auf Sportanlagen spezialisiert hat; er weiß um die besonderen Ansprüche, Problembereiche und sportfunktionellen Erfordernisse, die ein Sportbetrieb an seine Begrünung stellt. Die Investition in eine solche Dienstleistung kann auf lange Sicht reichlich Ärger und Kosten sparen.
Grundsätzlich kann Folgendes festgehalten werden: auf kurzlebige Stauden und exotische Gehölze, deren Ansprüchen der Standort nicht gerecht werden kann, ist aufgrund ihres erhöhten Pflege- bzw. Erneuerungsaufwands zu verzichten (eine Ausnahme bilden, wie oben beschrieben, Kübelpflanzen). Stattdessen sind einheimische Bäume, Sträucher und (langlebige) Stauden zu wählen.
Wer sich bei der Wahl der Bepflanzung auf Nadelgehölze verlegt, um dadurch herbstlichem Blätterfall vorzubeugen, tut sich und dem Sportgelände nicht unbedingt einen Gefallen. Zumindest als Windschutzpflanzung und/oder in unmittelbarer Spielfeldnähe angesiedelt, stellt sich mit Blick auf die vermeintlich bessere Wahl früher oder später Ernüchterung ein: manche Nadelbaumarten bieten durch ihre ‚starre‘ optische Wirkung schlichtweg keinen schönen Anblick und sie gewährleisten aufgrund von ‚Verkahlung‘ im unteren Bereich keinen langfristigen Wind- und Sichtschutz. Durch ihren meist starken, lichtundurchlässigen Schattenwurf ist der Tennisplatz dauerhaft kühl und kann nur langsam abtrocknen. Laubbäume werfen zudem ihre Blätter erst zum Ende der Freiluftsaison ab, während die Nadeln und Zapfen der Nadelbäume z.T. über das gesamte Jahr hinweg von den Plätzen entfernt werden müssen.
Gänzlich abzusehen ist von flachwurzelnden Gehölzen, da diese besonders gern ihre Wurzeln in die oberen Bereiche des Spielfeldbelags schieben; hier ist insbesondere auf Weiden und Pappeln zu verzichten, von deren Schädigungspotenzial so mancher Tennisverein ein Lied singen kann. Abzuraten ist ebenfalls von Linden, bei denen der Laubfall besonders früh einsetzt und der Honigtaufall zu einem echten Ärgernis werden kann. Geeignet sind unter anderem Hasel (Corylus avellana), Eberesche (Sorbus aucuparia), Kreuz- und Sanddorn (Rhamnus carthartica, Hippophae rhamnoides) sowie einige Eichen- und Ahornarten. Für die Begrünung von Böschungen können bspw. Efeu (Hedera helix), verschiedene Mispelsorten (Cotoneaster) oder Johanniskraut (Hypericum calycinum) verwendet werden. Welche Pflanzen in Frage kommen, hängt von der Lage (sonnig, schattig, trocken etc.) und der Bodenqualität des jeweiligen Standortes ab. Für die Auswahl der passenden Gewächse sollte unbedingt ein Gärtner hinzugezogen werden.
Die Bepflanzung der Randzonen der Sportanlage sollte landschaftsorientiert erfolgen; an den Sportflächen sollen natürlich sportfunktionelle Aspekte im Vordergrund stehen. Gärtnerische Bepflanzung sollte den Bereichen von Gebäuden und Terrassen vorbehalten bleiben. Ein guter Überblick über die Anlage ist dabei mehr wert als eine mit Beeten und Kübeln überfrachtete Terrasse.

Rasenflächen

Rasenflächen dienen als gliedernde, aufgrund ihrer Querbarkeit zugleich verbindende und trennende Elemente. Sie werden gern als Ablagefläche für Taschen und Jacken oder als Ruhe-, ‚Zuschauer‘- und Wartezone genutzt. Kinder nehmen eine einladende Rasenfläche gerne an, um sich dort spielerisch auszulassen. Sofern die Rasenfläche auch sportlich genutzt werden soll (z.B. für Spiel und Gymnastik), muss sie im Aufbau, in Ansaat und Bewässerung den gleichen Kriterien folgen, wie eine reine Sportrasenfläche (die genauen Anforderungen sind der DIN 18035-4 zu entnehmen). Doch wie bei Sportrasenflächen ist auch bei der Anlage eines Rasens als Nebenfläche eine vorherige Bodengütebestimmung sinnvoll und der Boden gegebenenfalls aufzubereiten. Insbesondere ist auf eine ausreichende Wasserdurchlässigkeit der Fläche zu achten; d.h. vor der Neuanlage einer nicht sportlich genutzten Rasenfläche ist der Boden zumindest mit Sand der Körnung 0/3 abzumagern. Grenzt die Rasenfläche an eine Sportfläche mit anderer Belagsart, ist das Hinüberwachsen des Rasens durch eine entsprechende Einfassung auszuschließen.

Pflege, Instandhaltung und Verkehrssicherheit

Die regelmäßige Pflege von Gehölzpflanzungen umfasst das Harken, das mindestens zweimal jährlich (Frühjahr und Herbst) erfolgen muss, die Auflockerung des Bodens und eine Bodenpflege durch Mulchen (mit Laub, Mähgut, geschreddertem Strauchwerk oder Rindenmulch). Das unterdrückt Unkraut und stellt die Bodengare* als Verdunstungsschutz her. Hecken müssen während der Vegetationsphase mehrfach gestutzt werden; bei älteren, hochgewachsenen Gehölzen ist eine Verjüngung durch Winterschnitt durchzuführen. Zu Wässern und zu Düngen sind sowohl Pflanzungen als auch Rasenflächen nach Bedarf. Die Pflege von Rasen-Nebenflächen fällt selbstverständlich um ein Vielfaches geringer aus, als die Instandhaltung von Sportrasenflächen. In jedem Falle aber ist regelmäßiges Mähen notwendig.

Pflege & Inspektion

für Vegetationsflächen  ohne sportliche Nutzung

■ Wässern
■ Düngen
■ Pflanzenschutz
■ Beschnitt (zur Verjüngung; bei Überwucherungen; zur Wahrung der Verkehrssicherheit
■ Pflanzen auswechseln/ nachpflanzen
■ Mähen, Vertikutieren, Aerifizieren, Besanden
■ Harken, Auflockern, Mulchen
■ Überprüfen technischer Einrichtungen für die Vegetation
■ Überprüfen der Verkehrssicherheit von Pflanzen und Flächen
■ Säuberung der Flächen

Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, sind Schnittmaßnahmen so auszuführen, dass Kinder nicht in zurückgeschnittene Äste fallen können oder andere Verletzungsgefahren entstehen. Schnittgut ist sofort abzuräumen (es sei denn, es soll zum Mulchen des Bodens verwendet werden). Sofern Wurzelwerk entfernt wird, ist sicherzustellen, dass das betroffene Gehölz ausreichend Standsicherheit behält. Sicherheitsgefährdende Schäden an Rasenflächen (Löcher, Wühlschäden und andere gefährliche Hindernisse) sind umgehend zu beseitigen. Nach stärkeren Regenfällen sind Schlammfänge und Entwässerungsrinnen der Vegetationsflächen zu reinigen.Beherzigt man die vorgestellten Grundsätze für Anlage, Auswahl und Pflege von Vegetationsflächen auf Sportanlagen, so kann sich der Verein für viele Jahre und Jahrzehnte an attraktiven, pflegeleichten und zweckdienlichen Grünstreifen und Gewächsen erfreuen. Denn bei sachgerechter Bebauung und Behandlung sind die Pflanzanlagen stets im grünen Bereich – aber niemals auf dem Spielfeld. ▪ NIK

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