Tägliche Sandplatzpflege während der Saison

Tägliche Sandplatzpflege während der Saison

Die regelmäßige Pflege während der Saison ist neben der Frühjahrsinstandsetzung entscheidendster Faktor für die Lebensdauer und Bespielbarkeit des Sandplatzes.

Im Idealfall sorgt ein Platzwart für die tägliche Pflege der anspruchsvollen Tennisplätze. In der Praxis ist dies jedoch nur bedingt umsetzbar, da in vielen Vereinen lediglich ehrenamtliche Helfer als Platzwarte fungieren und die Arbeitslast nicht allein bewältigen können. Auch deshalb ist es unumgänglich, dass die Spieler selbst ihren Teil zur täglichen Platzpflege beitragen. Selbstverständlich kann nicht erwartet werden, dass die Spieler größere Mängel ausbessern und Schäden beheben. Aber auch einfache Maßnahmen, wie das Entfernen von Blättern, Ästen und sonstigem Unrat vor dem Bespielen, zwischenzeitliches Bewässern an trockenen Tagen sowie das Abziehen des Platzes nach jedem Bespielen, sind für die Platzqualität von entscheidender Bedeutung.

Egalisieren

Der Tennisplatz ist nach jedem Spiel zu egalisieren, da durch Rutschen, Starten und Bremsen der Spieler Unebenheiten entstehen, die bei nachfolgenden Spielen zu Behinderungen führen können. Wird hier nachlässig gehandelt, begünstigt dies auch die allmähliche Entstehung von Mulden, Aufhöhungen und Pflanzenaufwuchs. Löcher müssen vor dem Egalisieren von Hand gestopft werden. Grobes, entmischtes Material der Deckschicht darf nicht in etwaige Mulden eingeschleppt werden, da es keine bindigen Anteile hat. Das Abziehen (auch: Wischen) ist mit einem Schleppnetz kreisförmig von außen nach innen durchzuführen (siehe Abb.); nur so wird der nach außen gespielte Sand wieder gleichmäßig auf dem Spielfeld verteilt. Vor dem Überqueren der Linien (insb. bei Stecklinien) empfiehlt es sich, das Schleppnetz vorne kurz anzuheben, um ein Herausziehen der Linien zu vermeiden. Geradezu sträflich vernachlässigt werden leider allzu oft die äußeren Bereiche des Platzes. In der Folge können sich dort in aller Ruhe Pflanzen ansiedeln, daher muss mindestens 2 x wöchentlich auch der Randbereich des Platzes mit abgezogen werden! Nach Bedarf sind die Linien mit einem Linienbesen vom Sand zu befreien. Selbstverständlich ist der Platz auch nach jeder Art der Belagsausbesserung und vor der Hauptberegnung zu egalisieren.

Abfegen

Zur Beseitigung von Grobmaterial und Rollkorn ist der Platz nach Bedarf abzufegen; das zusammengekehrte Material muss entsorgt werden. Grobkorn setzt sich besonders durch Auswaschungen bei starken Regenfällen an der Oberfläche ab, dieses sollte nicht abgefegt werden. Stattdessen ist der Platz aufzurauen und das Material mit dem Stahlrechen einzuarbeiten. Der Platz ist anschließend anzuwalzen. Gerade dann, wenn der Belag zu Verdichtung und Wasserundurchlässigkeit neigt, ist dieses Vorgehen besonders zweckmäßig. Fremdmaterial (Blätter, Zweige etc.) ist regelmäßig und gründlich vom Platz zu entfernen. Auf keinen Fall darf das organische Material sich in der Sportfläche festsetzen, da es einen Nährboden für Pflanzenaufwuchs darstellt.

Bewässern

Egal ob mit Bewässerungsanlage, Stativregnern oder per Hand bewässert wird: um die notwendige Bindung der wassergebundenen Ziegelmehldecke, und damit sowohl die technische als auch die Sportfunktion zu gewährleisten, muss der Platz stets erdfeucht gehalten werden. Trockene Plätze sollten genauso wenig bespielt werden wie zu feuchte. Je nach Witterungslage und Wetterverhältnissen sind die Bewässerungsintervalle individuell festzulegen. Bei Trockenheit kann ein oberflächliches Bewässern nach jedem Spiel, bei großer Hitze sogar mehrmals während eines Spiels notwendig sein, um eine notwendige sportfunktionelle Feuchtigkeit zu gewährleisten. Eine Hauptberegnung zur tieferen Durchfeuchtung sollte nach Möglichkeit am Abend oder (automatisch) in der Nacht (bei trockener Witterung zusätzlich morgens) erfolgen. Die Verdunstung ist dann am geringsten, der Wasserverbrauch entsprechend niedriger und die Durchdringung der Schichten am besten sicherzustellen; zudem speichert gerade die Lava-/Schlackeschicht die Feuchtigkeit am besten, wenn das Material kühl ist (ist es heiß, verdampft das Wasser hingegen). Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. empfiehlt, bei trockener Witterung ca. 5 Std. vor einer Nutzung oder Pflege des Platzes zu beregnen.  Bei ausgetrockneter dynamischer Schicht ist eine Gabe von 20l/m² notwendig; ist nur die Deckschicht ausgetrocknet, sind 10l/m² ausreichend, die Wassergaben sollten in Abhängigkeit von Länge und Intensität der Trockenperiode in mehreren Intervallen erfolgen, da zunächst die Oberflächenspannung abgebaut und der Boden aufnahmefähig gemacht werden muss. Zur Staubbindung genügt es, den Boden leicht zu überspritzen.

INFO: Die Bewässerung darf nur als Beregnung und niemals mit einem gebündelten Wasserstrahl erfolgen. Letzteres würde zu ungleichmäßiger Feuchtigkeitsverteilung, Ausspülungen, Materialabschwemmungen und damit Schäden in der Tennisdecke führen. Zu verwenden sind Schläuche mit Fächerdüsenaufsatz, stationäre Kreis- und Wenderegner oder fest installierte Beregnungsanlagen. Für die Beregnung von Hand mit der Fächerdüse sind Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt, um eine gleichmäßige Beregnung der Sportfläche zu erreichen.

Entfernen von Moos- und Algenbewuchs

Moos- oder Algenbefall ist umgehend zu entfernen. Bei möglichst trockener Wetterlage sind die betroffenen Flächen mit Hilfe eines Eisenrechens, Drahtbesens oder Schabers gründlich zu reinigen. Die abgekratzten Flächen lässt man abtrocknen, dies bewirkt ein natürliches Absterben der Gewächse. Die Reste können leicht abgekehrt werden. Ggf. ist die gereinigte Fläche aufzulockern und neues Material einzuwerfen. Sollte der Moos- oder Algenbefall häufig wiederkehren, kann partiell Eisensulfat oder Viehsalz eingesetzt werden. Diese Mittel entziehen dem Boden vorübergehend die Feuchtigkeit und verhindern dadurch die Bildung von Unkraut. Bei häufigem Gebrauch wird allerdings ebenfalls die Schichtenbindung des Belags zerstört; die mechanische Reinigung ist daher unbedingt vorzuziehen. Auf andere als die genannten chemischen Mittel ist zu verzichten. Sie belasten die Umwelt, bescheren später Entsorgungsprobleme, greifen z.T. Textilien, Schuhe, Bälle und Schlägerbesaitung an und sind nicht zuletzt aufgrund der Grundwasserbelastung für Sportflächen häufig nicht zugelassen.

Beseitigung von Unebenheiten

Insbesondere in den stark bespielten Bereichen an der Grundlinie oder innerhalb des T-Feldes kommt es häufiger zu Vertiefungen im Belag. Um solche Mulden zu beseitigen, wird erdfeuchtes Ziegelmehl aufgefüllt und anschließend mit einem Scharrierschaber eingeschleift. Sollten die Vertiefungen so gravierend sein, dass bereits eine Vermischung des Tennenbelags mit der dynamischen Schicht bzw. Deckenschicht stattgefunden hat, so ist das vermischte Material zuvor zu entfernen und durch neues Material zu ersetzen, Löcher sind mit Ersatzmaterial aufzufüllen und zu verdichten, tiefe Mulden müssen ggf. in mehreren Durchgängen ausgeglichen werden, da sich neues Ziegelmaterial nur bis zu einer Höhe von ca. 1 cm mit der alten Schicht verbinden kann. Ein Ruhetag ist einzulegen. Wurden alle Vertiefungen ausgeglichen und geebnet, ist das Neumaterial durch Bewässerung einzuschlämmen. Nachdem die Bereiche ausreichend abgetrocknet sind, ist der gesamte Platz mit einem Abziehbesen (am besten aus PVC) zu egalisieren. Insbesondere nach stärkeren Regenfällen ist es zu empfehlen, den Platz durch das Abfegen mit einem harten Abziehbesen oder einem Stahldrahtbesen aufzurauen, damit Verschlämmungen an der Platzoberfläche entfernt werden. Sollte dabei Grobkorn der Deckenschicht freigelegt werden, ist dieses durch Aufrauen mit einer Aufrauschiene und anschließendes Walzen wieder einzuarbeiten. Nach stärkeren Niederschlägen ist die Platzfläche mit Ziegelmehl nachzupudern.

Walzen

Nur in den ersten Wochen nach der Frühjahrsinstandsetzung (FIS) und im Rahmen besonderer Ausbesserungsarbeiten sollte der Platz in erdfeuchtem Zustand kreuzweise gewalzt werden. Hierfür sind Walzen mit geteilten Bandagen und gefasten Kanten zu verwenden; die Breite des Walzenkörpers sollte mindestens 50 cm betragen. Damit wird vermieden, dass der Tennenbelag unnötig abgeschert wird und die Walze das Tennenmaterial vor sich herschiebt, anstatt es zu walzen. Ihre Festigkeit erhalten Sandplätze durch die Lagerungsdichte der Sandkörnchen; diese wird durch eine korrekte FIS hergestellt und durch regelmäßige Bewässerung aufrechterhalten. Häufiges Walzen schadet dem Belag! Die Feuchtigkeit wird aus dem Material gepresst, die Sportdecke zu stark verdichtet und die Schichtenbindung kann so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, dass sie brüchig wird, Risse entstehen oder die Deckschicht sich vom Unterbau löst.
Es empfiehlt sich, einen Platzpflegeplan anzulegen bzw. Wochenpflegeberichte zu protokollieren. Darin aufzunehmen sind, unter Vermerk der jeweiligen Platznummer, die folgenden Punkte:

  • Platzkontrolle
  • Wassergaben
  • Ausbesserung von Durchtritten
  • Beseitigung von Vertiefungen
  • Abziehen
  • Reinigung des Belags
  • Linierungsarbeiten
  • Einbau v. Reservematerial
  • Auflockerung des Belags
  • Entfernung von verschlämmtem Material
  • Behandlung von freigelegtem Grobkorn
  • Entfernung von Pflanzenaufwuchs
  • Walzen

Nur, wenn all diese Maßnahmen in ihrer notwendigen Regelmäßigkeit, sowie gründlich und mit dem richtigen Arbeitsgerät durchgeführt werden, sichert man sich eine optimale Bespielbarkeit des Platzes und vermeidet die generelle oder frühzeitige Entstehung von Mängeln. Und was ist schöner, als zufriedene Gesichter der Spieler und ein gepflegter Platz, der zum Spielen förmlich einlädt?!

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