So beseitigen Sie die klassischen Sandplatzprobleme

So beseitigen Sie die klassischen Sandplatzprobleme

Während mancher Schaden durch Sorgfalt und Achtsamkeit vermieden werden kann, stellen sich einige Mängel auch bei ordnungsgemäßer Pflege ganz unvermeidlich ein.

Spielbetrieb, Witterungseinflüsse und natürlicher Materialverschleiß sind (Mit)Verursacher von Wasserundurchlässigkeit, unzureichender Scher- und Trittfestigkeit sowie mangelnder Ebenflächigkeit auf Sandplätzen. Diese Mängel schränken die Nutzung der Sportflächen in erheblichem Maße ein; ihrer Beseitigung ist daher oberste Priorität einzuräumen. Dass nicht bei jedem Problem ein Fachbetrieb konsultiert werden muss, zeigt die folgende Aufklärung über Ursachen und Behebung von klassischen Mängeln auf dem Tennisplatz.

1. Mangelnde Wasserdurchlässigkeit und Oberflächenscherfestigkeit

Einer Kornveränderung durch Witterungs- und mechanische Einflüsse unterliegen naturgemäß alle Tennenbeläge. Eine häufige Folge solcher Einwirkungen ist ein erhöhter Anteil an abschlämmbaren Kornanteilen in der oberen Deckschicht; der Sand wird immer feiner zerrieben und im Laufe der Zeit stellt sich eine Verschlechterung der Wasserdurchlässigkeit ein. Dass tatsächlich eine Feinteilanreicherung die Ursache der Wasserundurchlässigekeit ist zeigt sich darin, dass der (gesamte) Belag bei Nässeeinwirkung plastisch wird und nach dem Abtrocknen extrem stark aushärtet. Abhilfe schafft in diesem Fall die Wiederherstellung der funktionellen Kornzusammensetzung. Dazu wird der Belag nach einer Reinigung und Egalisierung der Oberfläche in erdfeuchtem Zustand mit einem Stahlrechen aufgeraut und Stützkornmaterial (Körnung 1/2mm) intensiv eingearbeitet (schlämmen, einschleifen, egalisieren). Je nachdem, wie dick die Deckschicht vor der Maßnahme ist, kann es notwendig sein, zuvor Material abzutragen. Die Beobachtung des Platzes nach Durchführung der Maßnahme gibt Aufschluss darüber, ob der Mangel erfolgreich beseitigt werden konnte oder ggf. Korrekturen oder umfangreichere Maßnahmen durchzuführen sind.
Besteht Unsicherheit über das Ausmaß der Feinteilanreicherung in der Belagsdecke oder gar der Verdacht, dass bereits abschlämmbare Anteile in die Zwischenschicht eingesickert sind, kann ein Prüflabor zur Untersuchung der einzelnen Schichten und der Korngrößenverteilung im Tennenbelags herangezogen werden.
Die Entstehung oder Vermehrung abschlämmbarer Kornanteile muss allerdings nicht zwangsläufig zu einer veränderten Kornzusammensetzung auf der gesamten Fläche des Platzes führen. Auch kann eine lokale Ansammlung der Feinanteile an tiefergelegenen Spielfeldstellen (in Senken oder an den Spielfeldrändern in Richtung des Gefälles) erfolgen. Ursachen für diese Art Feinteilanreicherungen sind vor allem Wasserbewegungen infolge starker Niederschläge oder falscher Beregnung, die einen entsprechenden Transport der Feinteile bewirken. Die betroffenen Stellen sind nach einem Schauer bzw. der künstlichen Bewässerung leicht ausfindig zu machen, da sie langsamer abtrocknen als der Rest der Sportfläche. Folge dieser verminderten Wasserdurchlässigkeit ist wiederum, dass die Stellen plastisch und rutschig werden. Sofern sie sich in weniger stark bespielten Bereichen des Platzes bilden, stellen sie außerdem einen besonders günstigen Nährboden für unerwünschten Pflanzenaufwuchs, Algen- und Moosbildung dar. Solche örtlichen Feinteilanhäufungen sind durch Abschaben mit der Schaufel, Kelle oder Flachharke (Ziehharke) zu beseitigen, das abgeräumte Material ist zu entsorgen. (Die Vertiefungen sind wie unten beschreiben aufzufüllen.)
Eine ganz andere Problematik, die sich durch eine Kornveränderung in der Tennisdecke einstellen kann, ist die Erhöhung des Anteils an Grobkorn in der oberen Deckschicht. Diese kommt insbesondere dann zustande, wenn die mechanischen Einwirkungen Veränderungen lediglich im Feinkornbereich bewirken: indem nur die feinen Kornanteile weiter zermahlen werden, ergibt sich eine relative Erhöhung des Grobkornanteils. Das Grobkorn setzt die Oberflächenscherfestigkeit herab und bringt insgesamt eine höhere Verletzungsgefahr bei Stürzen mit sich. Freigelegtes Grobkorn ist durch Aufrauen und Walzen wieder einzuarbeiten; Rollkorn hingegen ist Grobkorn, das bereits zu stark formverändert ist, um sich wieder mit dem anderen Material zu verbinden, und muss daher abgefegt und entsorgt werden.
Selbstverständlich ist nach jeder Art der Ausbesserung die Oberfläche zu egalisieren und ggf. zu verdichten.

2. Wasserundurchlässigkeit durch Drainagemängel

Abschlämmbares Feinkorn kann auch im Bereich des Drainagesystems die Entwässerung negativ beeinflussen: im Laufe der Zeit kann das Material in die Dränrohre einsickern und dort (in Teilabschnitten) die Rohre zuschlämmen. Das Problem kann bei Ringdränsträngen (Dränleitungen, die das Spielfeld am Rand umlaufen) nicht selten durch eine einfache Spülung behoben werden. Auch die Sammlerleitungen von Dränsystemen sind so oft gut freizubekommen. Die Spülung der Dränstränge innerhalb eines Spielfeldes ist allerdings aufgrund geringerer Rohrquerschnitte und Rohrlängen von etwa 50 Metern mit Schwierigkeiten verbunden. Gegebenenfalls führt eine Spülung der Leitungen hier nicht zum Erfolg und die Leitungen müssen ersetzt werden. In Anlagen, die nur durch sogenannte Ringdränstränge entwässert werden, ist unter Umständen auch das Fehlen eines Drainagesystems unterhalb des Spielfeldes Ursache der Wasserundurchlässigkeit. Der nachträgliche Einbau von zusätzlichen Dränleitungen ist allerdings möglich, ohne dafür den gesamten Belag abzuräumen. Stattdessen wird dieser streifenartig entfernt und gelagert. Anschließend werden aus der Tragkonstruktion die Gräben für die Leitungen ausgefräst und die Dränrohre verlegt. Nach dem Auffüllen der Drängräben mit Dränpackungsmaterial bis etwa 15cm unterhalb der Oberkante des Tennenbelags erfolgt der Einbau von Baustoff der dynamischen Schicht; anschließend wird der Tennenbelag eingebaut.

3. Unebenheiten

Starke Unebenheiten können ihre Ursache in unzureichenden Pflegemaßnahmen haben. Nachlässigkeit beim Nachwerfen oder beim Abziehen des Platzes etwa führen dazu, dass Senken und Erhöhungen nicht regelmäßig ausgeglichen werden und sich in der Folge immer weiter verschlimmern; Fehler beim Abschleppen können langwellige Materialaufhöhungen hervorrufen. Doch auch der Spielbetrieb selbst, mit Start-, Dreh-, Stoß- und Rutschbewegungen der Spieler, ist für die Entstehung von Unebenheiten verantwortlich. Entsprechend ist hiervon jeder Tennisplatz betroffen. Und nicht jede Unebenheit kann durch einfaches Abziehen egalisiert werden. Löcher in der Tennisdecke dürfen auf keinen Fall schlicht ‚zugeschleppt‘ werden. Denn dadurch würden sie entweder mit Feinmaterial aufgefüllt, was die Wasserdurchlässigkeit gefährdet, oder Grobmaterial eingezogen, was sich negativ auf die Scherfestigkeit auswirkt. Löcher sind daher vor dem Egalisieren des Platzes mit entsprechendem erdfeuchten Ersatzmaterial aufzufüllen; erst nachdem dieses festgestampft wurde, kann der Platz wie gewöhnlich geebnet werden. Reichen die Löcher allerdings bis in die dynamische Schicht hinunter, muss diese vor dem Verfüllen profilgerecht mit Ersatzbaustoff (Lava bzw. Schlacke, 0/16mm) hergerichtet und festgestampft werden, bevor das Ersatzmaterial der Tennisdecke eingebaut wird.
Mulden, wie sie durch besonders starke Bespielung in manchen Bereichen des Platzes entstehen, bedürfen ebenfalls einer besonderen Behandlung: vor dem Auffüttern solcher großflächigen Unebenheiten muss der vorhandene Belag zunächst aufgeraut und angefeuchtet werden, um eine ausreichende Verzahnung mit dem anschließend aufzubringenden Neumaterial zu gewährleisten. Danach wird das neue Material trocken aufgeworfen, eingeschlämmt und mit einem Scharrierschaber eingeschleift. Die anschließende Überprüfung der Ebenheit erfolgt mittels der 4-m-Richtlatte in verschiedenen Richtungen. Die Funktionsgerechte Ebenheit ist hergestellt, wenn die Spaltweite bei dieser Kontrolle nicht mehr als 5mm beträgt. Bei sehr stark ausgespielten Mulden ist es notwendig, die Auffütterung in mehreren Schritten durchzuführen. Das Material muss zwischendurch immer wieder abtrocknen. Wird zu viel neuer Sand auf einmal aufgebracht, ist eine ausreichende Materialverbindung nicht möglich. Die Folge sind Wasserundurchlässigkeit und eine beständige Beweglichkeit des Belages an der entsprechenden Stelle. Dies wiederum bringt Unfallgefahr und schlechtes Ballsprungverhalten mit sich.
Senken und Mulden laufen außerdem stets Gefahr, mit Feinanteilen vollzulaufen. Dadurch neigen sie bei Nässe zum Verschlammen, was Trittsicherheit und Balllaufverhalten verschlechtert und Moos- und Algenbewuchs begünstigt. Hat eine Feinteilanreicherung bereits stattgefunden, ist diese zunächst nach den oben beschriebenen Maßnahmen zu beseitigen, bevor eine Auffüllung und Wiederherstellung der Ebenheit erfolgen kann.
In stark beanspruchten Bereichen wird gelegentlich ein so hoher Materialabtrag verursacht, dass bei unzureichenden Nachstreumaßnahmen das Grobkorn der dynamischen Schicht ‚freigespielt‘ wird. Dies bringt in manchen Fällen auch eine Vermischung der Baustoffe von Deckschicht und dynamischer Schicht mit sich. Davon betroffene Stellen sind auszukoffern und zu entsorgen, da sie keine ausreichende Bindungsfähigkeit mehr besitzen. Die Oberfläche der dynamischen Schicht ist anschließend von Resten der Deckschicht zu befreien und mit dem entsprechenden Baustoff wieder aufzubauen. Um eine gute Verzahnung zu erreichen, kann sie mit Lavasand der Körnung 1/4mm abgestreut werden. Nach einer Verdichtung der dynamischen Schicht mit dem Handstampfer erfolgt der profilgerechte Einbau der Ziegelmehldecke mit erdfeuchtem Material, das anschließend einzuschleifen, anzuwalzen und zu egalisieren ist. Sofern noch keine Vermischung der Schichten stattgefunden hat genügt es, die Lava oder Schlacke zu verdichten und den Tennenbelag profilgerecht neu einzubauen.
Mulden und Aufhöhungen der Belagsdecke können ihre Ursache auch in einer unzureichenden Herstellung des Platzes haben. Rühren sie von einer mangelhaften Ausbildung des Oberflächenplanums der dynamischen Schicht oder der dynamischen Tragschicht her, wird es nicht genügen, die Tennisdecke zu überarbeiten. Die Korrektur der Oberfläche der dynamischen Schicht ist in solchen Fällen unumgänglich. Dazu muss an den betroffenen Stellen der Tennenbelag vollständig entfernt und die Oberfläche der entsprechenden Schicht von Resten der Deckschicht gereinigt werden. Im Falle von Aufhöhungen wird die dynamische Schicht auf eine Dicke von min. 30mm (bei Aufbau ohne Tragschicht max. 120mm), bzw. die dynamische Tragschicht auf eine Dicke von min. 100mm abgetragen. Bei Absenkungen hingegen wird die Schicht nach dem Aufrauen der Oberfläche bis zur erforderlichen Schichtdicke mit entsprechendem Ersatzbaustoff aufgefüllt und abgewalzt. Im Anschluss ist der Tennenbelag sorgfältig wieder einzubauen.
Nach allen Maßnahmen, bei denen neuer Sand aufgefüllt wurde, sind die betroffenen Bereiche großzügig zu beregnen, damit das Neumaterial gut mit dem alten Tennenbelag abbindet.

4. Entscheidungshilfe Sanierungsbedarf

Es empfiehlt sich, Unebenheiten, Nennhöhenabweichungen und schwer abtrocknende Stellen vor deren Beseitigung zu dokumentieren. Hierfür werden die Messergebnisse der Überprüfung von Ebenheit und Schichtdicke kartiert und die betroffenen Stellen nach Art der Abweichung mit unterschiedlichen Farben schraffiert. Eine solches Dokument verdeutlicht bildhaft das Ausmaß der Abweichungen und der problematischen Bereiche. Dies kann nicht nur im Hinblick auf eine eventuelle Sanierung des Platzes eine gute Entscheidungshilfe sein. Auch kann nach der Durchführung einer Maßnahme sehr gut nachvollzogen werden, ob diese erfolgreich war. Taucht bald nach der Behandlung an derselben Stelle wieder ein Mangel auf, ist unter Umständen eine Nachbehandlung notwendig. Möglicherweise rührt der Mangel auch von einem umfangreicheren Problem her, als zunächst angenommen. Die Mängel zu kartieren ist in jedem Fall hilfreich, um die Entwicklung eines Platzes zu kontrollieren, sicherere Diagnosen zu den Ursachen auftretender Probleme stellen zu können, und damit schneller und effektiver Maßnahmen zur Beseitigung zu ergreifen. ▪ NIK

Deine RETURNAL Redaktion

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel