Rohrbruch - Vorsicht mit Bäumen am Platzrand

Um einen Tennisplatz bespielbar zu halten, muss man einiges beachten. Dabei kann auch die Bepflanzung im Umfeld der Anlage Probleme machen, wie die Mitglieder des NLV Stuttgart/Vaihingen im vergangenen Herbst feststellen mussten. 

Im Randbereich eines Tennisplatzes tat sich ein über 30 Zentimeter tiefes Loch auf. Die gesamte Bodenschicht des Tennisplatzes war also aufgerissen. Darunter: ein kaputtes Rohr und viel Wasser. Aber wie kam es dazu?

Probleme mit Flachwurzlern

Am Rande des Platzes standen bis vor kurzem drei Fichten. Da diese Flachwurzler sind, also ihre Wurzeln oberflächlich und weitläufig ausbilden, kommt es vor, dass sie sich an die Oberfläche durchgraben. Weiter erfolgt die Wurzelausbildung immer abhängig von den Wasserkapazitäten des Bodens. Da ein Tennisplatz die ganze Saison über ausgiebig bewässert wird, ist der Anteil des Sickerwassers im Unterboden entsprechend hoch. Zwar wird ein Teil des Wassers über Drainagen in die Kanalisation abgeleitet, doch der Boden ist trotzdem gut durchfeuchtet. Dies macht ihn für die umstehende Vegetation, in diesem Fall Fichten, attraktiv. Sie strecken ihre Wurzeln in den sickerwasserreichen Bereich. Und hier bildet sich das Problem:
Durch die Unterbauung des Platzes mit Drainagen und Bewässerungssystemen liegen dort natürlich Wasserrohre. Strecken sich nun die Wurzeln der Bäume in den Unterboden des Platzes, stellen sich diese dem Abwassersystem entgegen. Die Wurzeln drücken gegen die Rohre, welche komprimiert werden und dadurch einreißen.

Bäume zu nah am Spielfeld

So wie es beim NLV geschehen ist. Die Fichten standen lediglich zweieinhalb Meter vom Tennisplatz entfernt. Das Fundament der Einzäunung reicht auch nur 50 Zentimeter in den Boden. Die Wurzeln konnten sich also darunter durchgraben, auf der anderen Seite des Zaunes wieder an die Oberfläche treten und trafen dort auf die sogenannte Birkorinne, die platzumrandende Entwässerungsleitung, welche das überschüssige Wasser in die Kanalisation führt. Diese bildete aufgrund des Drucks einen zehn Zentimeter langen Riss aus. Da nicht ersichtlich war, ob in dessen Umgebung weitere Teile des Rohres beschädigt waren, wurde ein halber Meter der Birkorinne ausgetauscht.

Großer Arbeitsaufwand

Insgesamt lagen in dem Bereich des Platzes, welcher von den Wurzeln untergraben war, drei Rohre, von denen zwei ausgebessert werden mussten.
Doch damit nicht genug: Da durch die beschädigte Birkorinne ein Loch in den Platz gerissen wurde, musste man die Bruchstelle mit neuem Material ausfüllen. Bis dieses vollständig verdichtet ist, dauert es allerdings seine Zeit. Ausgebessert hat man das Loch im vorliegenden Fall zeitnah, der Boden ist jedoch bereits um fünf Zentimeter abgesunken. „Die Stelle muss immer wieder aufgefüllt werden, ansatzweise vollständig verdichtet ist sie vielleicht nächstes Jahr“, erläutert Jörg Limberg, Chef der Firma Limtech KG und stellvertretender Vorsitzender des NLV Stuttgart-Vaihingen.

Kostspieliger Wasserverlust

Auch der entstandene Wasserschaden ist bemerkenswert. Da das Rohr im Winter beschädigt wurde, bildeten sich an der Bodenoberfläche keine Hinweise durch auftretende Staunässe. Zudem handelte es sich um ein Rohr, welches Teil des Kanalisationssystems war. Das Wasser wurde also fleißig abgeleitet. „Da natürlich niemand jeden Tag die Zählerstände ablas, bemerkte auch niemand den Wasserverlust“, erklärt Limberg. Dies führte dazu, dass der Verein etwa 10.000 Euro für 2.500 Kubikmeter verlorenes Wasser nachzahlen musste.

Bepflanzung gut durchdenken

Und wie verhindert man solche Schäden? Zu sagen „einfach keine Bäume pflanzen“ ist etwas zu leicht. Denn wie auch in der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaften zum Thema Sportplätze beschrieben, bieten Bäume neben der landschaftsräumlichen Einbindung des Platzes in seine Umgebung vor allem Lärmschutz. In dicht besiedelten Gebieten ist auch ihre Filterfunktion zur Verbesserung des Sauerstoffgehaltes der Luft nicht unbedeutend. Weiter sorgen hohe Bäume für Windschutz und werten eine Tennisanlage ästhetisch auf. Die Schattenfunktion ist dagegen umstritten: während sich Spieler freuen, einen kühlen Kopf zu behalten, ärgern sich Platzwarte über Moosbefall.

Nicht jede Baumart ist geeignet

Fest steht allerdings: Wenn um den Spielfeldrand Bäume gepflanzt werden sollen, dann auf genügend Abstand achten! Auch die Art des Baumes ist entscheidend. Während eine Fichte aufgrund ihrer oberflächlichen, fächerhaften Ausbreitung der Wurzeln eher ungeeignet ist, stört eine Tanne, deren Wurzeln gerade nach unten in den Boden wachsen, die Oberflächenbeschaffenheit des Bodens nur wenig.
Bereits bestehende Vegetation kann in Ernstfällen auch (mit Genehmigung der Gemeinde) entfernt werden. Im Fall des NLV Stuttgart-Vaihingen wurden als Konsequenz aus diesen Vorkommnissen drei Bäume entfernt, um derartige böse Überraschungen in Zukunft möglichst zu vermeiden. Und Jörg Limberg betont noch einmal mit Nachdruck: „Vorsicht mit Bäumen am Platzrand!“ ■ Malin Baruschke

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