Tennisservice Rüdiger Vierhock

Rüdiger Vierhock hat die Pflege von Tennisplätzen von der Pike auf gelernt. Als 17-jähriger Schüler übernahm er die Aufgabe als Platzwart bei seinem Heimatverein Tuspo Weende in Göttingen. Etwa 30 Jahre ist das jetzt her, und noch heute ist er auf den Tennisplätzen in Thüringen, Hessen und Niedersachsen zu Hause. „Unser früherer Platzwart hat mich ein wenig eingewiesen, alles andere habe ich mir selbst angeeignet“, erinnert sich Vierhock. Das nötige Fachwissen holte sich der gebürtige Göttinger beim Studium der Geografie. 1997 folgte dann der Schritt in die Selbstständigkeit. Zunächst im hessischen Wetzlar gegründet, ist sein Unternehmen seit 2005 im nordwest-thüringischen Teistungen ansässig.

Mehr als nur Frühjahrsaufbereitung

Sein zentrales Aufgabengebiet ist die Frühjahrsaufbereitung von Tennisplätzen. Darüber hinaus werden aber auch Teil- und Grundsanierungen bzw. Überholungen angeboten, ebenso wie der Verkauf, der Einbau und die Reparatur von Bewässerungsanlagen. Als Händler für Geräte und Zubehör bekommen Vereine bei ihm außerdem alles, was sie für ihre Anlage benötigen.
Die Grund- und Teilüberholungen führt Vierhock in der Regel nach dem Ende der Freiluftsaison durch. Das ist nicht nur für ihn selbst zeitlich vorteilhaft, angesichts des Hauptgeschäfts im Frühjahr, sondern auch die Vereine haben nach der Punktspielsaison mehr Zeit und Spielraum für die aufwendigen Sanierungsmaßnahmen, denn die Plätze sind während und nach den Arbeiten für eine Weile nicht bespielbar. Auch der Einbau von Bewässerungsanlagen bietet sich im Herbst an. Da die Plätze nach der Sommersaison stark verdichtet und entsprechend hart sind, beschädigt man sie beim Einbau der Beregnungsanlage nicht so stark wie vor der Saison, wenn die Plätze durch Winter und Frost aufgelockert und weich sind.

Trockenbau bevorzugt

In Sachen Frühjahrsinstandsetzung setzt Vierhock auf die sogenannte Trockenbau-Methode. Wobei der Begriff Trockenbau häufig verwirrend ist, denn ganz ohne Wasser läuft der Prozess auch hier nicht ab. Das neue Ziegelmehl wird nicht wie beim Schlämmverfahren unter Wasser gesetzt und mit einem breiten Hobel eingearbeitet, sondern zunächst trocken auf dem Platz verteilt und anschließend kräftig bewässert. Entscheidend sind hierbei laut Vierhock die korrekte Einwerf- und Abzieh-Technik, das richtige Equipment und perfektes Timing. „Während eine Person das Ziegelmehl einwirft, zieht eine zweite den Sand sofort mit einem speziellen Netz glatt“, erläutert der Experte. Der zeitliche Ablauf ist enorm wichtig, denn die Feuchtigkeit aus dem Boden zieht sofort in das Material, wodurch das Abziehen und Glattziehen des Ziegelmehls erschwert würde. Zudem könne man durch das direkte Abziehen sofort sehen, wo eventuell noch Material fehlt und umgehend reagieren. Anschließend wird der Platz gleichmäßig unter Wasser gesetzt. Nach kurzer Wartezeit werden die Linien gesäubert, der Platz mit einem speziellen Drahtbesen abgezogen und abschließend nochmals gewalzt.
Diese Vorgehensweise sei zwar aufwendiger als das Schlämmverfahren, doch das Hauptargument liege in der verbesserten Langlebigkeit der Plätze. „Durch das Einschlämmen verdichtet man die Plätze zu früh im Jahr“, erklärt der studierte Geograf, der sich insbesondere mit Bodenkunde beschäftigte. „Der Platz ist im Mai schon so stark verdichtet wie ein trocken eingebauter Platz erst im Juni/Juli.“ Das habe den Vorteil, dass man nach der Frühjahrsaufbereitung schneller darauf spielen kann, während der Platz beim Trockenbau etwas länger zum Abbinden braucht. Im Gegenzug seien die Plätze dadurch aber oft im August schon regelrecht „speckig“ und entsprechend rutschig, was nicht zuletzt die Verletzungsgefahr für die Spieler erhöhe. „Ich kenne einen Fall, da konnte der Verein im August schon nicht mehr auf den Plätzen spielen. Der Belag war wie eine Tonschicht, für die Spieler war es einfach zu rutschig und gefährlich“, so Vierhock. In weiterer Konsequenz bleibe das Wasser durch die enorme Verdichtung und schlechtere Durchlässigkeit länger auf den Plätzen stehen. „Auf lange Sicht benötigen diese Plätze dann auch früher eine Grundüberholung“, nennt Vierhock das entscheidende Argument für seine Vorgehensweise. „Allerdings“, fügt er hinzu, „spielt auch die Qualität des Materials eine große Rolle. Schlechtes Material trägt zu diesem Prozess bei.“

Abziehgerät Marke Eigenbau

Stolz ist Vierhock auf eine seiner eigenen Entwicklungen. All die neuen Geräte zum Abtragen des Altsandes, die Jahr für Jahr auf den Markt kommen, lassen ihn kalt. Er hat sein eigenes Abziehgerät gebaut, mit dem eine Person einen Platz in maximal einer Stunde bearbeitet, während die Kollegen den Altsand bereits abtransportieren können. Das Ergebnis sei dabei deutlich besser als beim manuellen Scharrieren oder dem Einsatz eines Motorbesens. Das Besondere an seiner Eigenkreation gibt Vierhock natürlich nicht preis. „Betriebsgeheimnis“, sagt er schmunzelnd.

Pflegetipps für Verein und Platzwart

Als erfahrener Tennisplatzbauer weiß Rüdiger Vierhock ein Lied davon zu singen, in welchem bedauerlichen Zustand sich mancher Tennisplatz befindet. Dabei können die Vereine selbst für deutlich bessere Plätze sorgen, wenn sie einige wenige Pflegehinweise beachten. „Gute Ratschläge sind leider oft vergebene Liebesmüh‘“, sagt Vierhock, der im Folgejahr häufig die gleichen Probleme erneut vorfindet. „Ein Hauptproblem ist, dass immer weniger gespielt wird“, erklärt der passionierte Tennisspieler. Die Spieler ziehen nach dem Spielen die Plätze ab. Spielt niemand, sollte der Platzwart für das tägliche Abziehen sorgen. So wird das Material stets in Bewegung gehalten. Werden die Plätze vernachlässigt, kommt es auf lange Sicht zu Vermoosung und Verunkrautung. „Oft hört man: `Wir haben doch was gespritzt gegen das Unkraut´, doch es sieht eher aus, als hätten sie gedüngt“, scherzt Vierhock, um sofort zu ergänzen: „Dabei ist das gar nicht zum Schmunzeln, sondern eigentlich eher zum Heulen.“ Wichtig ist natürlich auch eine regelmäßige Bewässerung, vor allem in heißen Phasen, um eine Austrocknung der Plätze zu vermeiden. Viele Vereine machten den schweren Fehler, aus Kostengründen auf den Platzwart zu verzichten, bedauert Vierhock. Immer mehr Vereine hätten aber auch Schwierigkeiten, jemanden zu finden, der diese Aufgabe übernehmen will.
Zum Abschluss des Gesprächs räumt der Tennisplatzexperte noch mit einer Formulierung auf, die häufig für Verwirrung sorgt. Häufig ist die Rede davon, dass ein Tennisplatz nach der Frühjahrsaufbereitung erst einmal „liegen“ oder „ruhen“ müsse. „Viele Vereine denken dann, sie müssten gar nichts machen und lassen die Plätze im wahrsten Sinne des Wortes einfach `liegen´. Dann werden sie nicht feucht gehalten, nicht abgezogen, nicht gewalzt, und hinterher wundern sich die Vereine, dass sie eine Sandgrube vorfinden, die nicht fest ist und auf der man nicht Tennis spielen kann“, betont Vierhock. „Ruhen“ bzw. „liegen“ heiße also lediglich, dass noch nicht auf den Plätzen gespielt werden soll. Die genannten Arbeiten aber sind auch während der „Ruhezeit“ enorm wichtig, damit es beim Saisonauftakt keine böse Überraschung gibt. ■ Fabian Kappel

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